15.02.2019 13:00 |

Nassereith

Bär und Treiber sind endlich im Fasnachtshimmel

„Tears of happiness“ hieß der Siegersong von Michael Tschuggnall in der Casting-Show „Starmania“, der vor über zehn Jahren die Zuschauerherzen eroberte. Während beim „Tschuggi“ (natürlich) ein Mädchen Auslöser der Tränen des Glücks war, war es bei Markus Falbesoner eine Nummer in der Nassereither Fasnachtsversammlung am Dreikönigstag. Eine Losnummer, die für ihn das Tor in den Fasnachtshimmel öffnete.

Das Nassereither Schellerlaufen ist in vielen Facetten anders als andere Fasnachten. Beispielsweise gibt es noch etwas „höheres“ als den Scheller: den Bärentreiber, DIE Hauptfigur schlechthin. Hoch erhoben auf einer Schneebühne zelebriert er mit seinem Bären das zentrale Schauspiel, den Kampf Winter (Treiber) gegen Frühling (Bär), beobachtet von geschätzten 8000 Augenpaaren bei Totenstille. Diese Rolle ist für viele Nassereither Fasnachtler Gänsehaut und Krönung gleichermaßen, muss allerdings in der Vollversammlung per Los gezogen werden.

Eine gewaltige Freude, ja Fassungslosigkeit
Markus Falbesoner träumte immer schon von diesem Glückslos: „Seit fast 20 Jahren versuche ich diesen Goldgriff, aber sechsmal jubelte ein anderer“. Am vergangenen Dreikönigstag war die Chance besonders klein: 16 Konkurrenten griffen ebenfalls in den Lostopf. „Ich traute mich erst nicht, das Los aufzumachen und wartete, bis jemand einen Freudensprung macht“, erzählt er heute noch um Fassung ringend, „niemand hat gejubelt und da entfaltete ich mein Los. Ich konnte es nicht glauben, ich hatte den Treiber gezogen. Nun lief alles wie in Zeitlupe in einem Film ab“.

Eine unbeschreibliche Freude (siehe Bild), Jubelpose, ja Fassungslosigkeit, einer der „schönsten Momente in meinem Leben. Ich brauchte einen Tag, um es zu realisieren“. Für Nicht-Fasnachtler natürlich völlig unverständlich. Lange anhaltender Applaus - man gönnt es dem „Falbe“, dem genialen Laienschauspieler der Kranewitter-Bühne.

Der Bärentreiber - eine Gratwanderung
Die Rolle des Bärentreibers ist allerdings eine Gratwanderung zwischen Bewunderung und Missbilligung. Der Bärenkampf wird vor allem von den alten Fasnachtlern akribisch beaugapfelt. Ein Fehltritt, ein Fehlgriff oder sogar ein Malheur wäre fatal. Deshalb wurde das Ritual in den letzten Wochen fleißig geprobt: Der Gang auf den „Haufen“ (Schneebühne), der gewaltige Stockschlag auf den Rücken, der die Stille zerreißt, das Fangen des Stockes durch den Bären, das zwingen in die Knie, „Bärio, Purzegagalo“ - die Rolle Vorwärts, die Rolle Rückwärts und letztendlich das Niederringen des Treibers durch den Bären (der Frühling siegt), unter dessen Fell der durchtrainierte Mario Agerer steckt.

„Das Sehfeld durch die Larve ist ziemlich klein“, beschreibt Falbe den Teufel im Detail, „auch die Atmung ist eingeschränkt. Jede Bewegung muss einstudiert sein“. Vor allem die Stockschläge mit voller Wucht auf den (gepolsterten) Bärenrücken. Wenn die daneben gehen

Rund 8000 Besucher werden erwartet
Immer wieder ist der Fanatismus von Fasnachtlern für diesen einen Tag faszinierend, ja fast unerklärlich. Gerade in einer Zeit, in der beruflicher Erfolg und monetäre Rationalität scheinbar den Alltag beherrschen. Vielleicht suchen aber gerade deswegen die Menschen, die zu den Fasnachten mehr denn je in Massen strömen, das Mystische, das Übersinnliche.

So werden am Sonntag beim Nassereither Schellerlaufen wieder rund 8000 Besucher erwartet. Und sie alle werden Gänsehaut bekommen, wenn nach dem Mittagsgeläut Markus Falbesoner unter der ausdrucksstarken Kranewitter-Larve dem Bären befiehlt: „Bärio, Purzegagalo!“ und am Ende das Gute siegt!

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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