11.02.2019 13:00 |

Nach tödlichem Unfall

Abbiegeassistent: Wien macht Lkw-Flotte sicherer

Nach dem Tod eines Buben, der von einem privaten Lastwagen überfahren wurde, reagiert die Stadt - und testet den ersten Abbiegeassistenten bei einem Lkw. Ist der Probebetrieb erfolgreich, soll so schnell wie möglich der rund 500 Lkw umfassende Fuhrpark umgerüstet werden. Ein entsprechendes System soll bereits Ende dieser Woche soweit ausgegestet worden sein, dass man eventuell in der kommenden Woche mit der Umrüstung beginnt, wie Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ), die unter anderem für die Abfallwirtschaft der Bundeshauptstadt zuständig is, am Montag ankündigte.

„Ich habe schon in der Vorwoche den Auftrag gegeben, das so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen“, versicherte Sima. Jener Hersteller, der die Fahrzeuge der Stadt stellt, habe nun ein System genannt, das kompatibel sei, erklärte die Stadträtin: „Wird der Blinker betätigt, wird eine Kamera aktiviert. Befindet sich etwas in diesem Blickfeld, ertönt ein Signal.“ Noch am heutigen Montag werde der Assistent in ein Testfahrzeug eingebaut. „Das ist bis Mitte der Woche abgeschlossen“, kündigte Sima an.

Nach wenigen Tagen der Austestung soll dann feststehen, ob der flächendeckende Einbau den gewünschten Nutzen bringt. 3000 Euro kostet das System pro Fahrzeug, bei Neuanschaffungen soll der Abbiegeassistent dann bereits mitgeliefert werden. Zwei Kamerasysteme wurden in den vergangenen Jahren bereits getestet, damals leider mit unzureichenden Ergebnissen. Deshalb habe man für die Mistautos mit Experten einen speziellen Zusatzspiegel entwickelt, um den toten Winkel zu eliminieren. Dieser sei bereits bei allen MA 48-Fahrzeugen im Einsatz, so Sima.

Sima sieht „Abbiegen bei Rot“ kritisch
Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) forderte in dem Zusammenhang Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) einmal mehr auf, den rechtlichen Rahmen für eine österreichweite Lösung zu schaffen. Außerdem seien auch Bundeseinrichtungen aufgefordert zu handeln, sah die Stadträtin etwa Asfinag, ÖBB, Bundesheer oder Polizei in der Pflicht. Sima wiederum sieht Hofers Pilotprojekt „Rechtsabbiegen bei Rot“ kritisch. Hier würden grüne Fußgängerphasen mit dem Abbiegeverkehr verschränkt. Das sei „kontraproduktiv“. „Wir in Wien versuchen das gerade etwas zu entzerren“, so die Stadträtin.

Petition für Abbiegeassistent hat bereits mehr als 35.000 Unterstützer
Die Debatte um Abbiegeassistenten für Lkw war nach einem tödlichen Unfall in Wien aufgekommen. Ein neunjähriger Bub war Ende Jänner am Schulweg auf einem Schutzweg von einem abbiegenden Lastwagen niedergefahren und getötet worden. Die daraufhin gestartete Petition von Eltern für eine verpflichtende Lkw-Nachrüstung mit elektronischen Systemen, die den toten Winkel möglichst eliminieren sollen, hatte mit Stand Montag bereits mehr als 35.000 Unterstützer.

Hofer kündigt Lkw-Sicherheitsgipfel an
Verkehrsminister Hofer will nun am 19. Februar im Rahmen eines Lkw-Gipfels über Möglichkeiten zur Verbesserung der Lkw-Sicherheit beraten. Bei dem Treffen, zu dem Verkehrsstadträte aller Landeshauptstädte, Verkehrssprecher der Nationalratsklubs, Vertreter der Wirtschaftskammer, der Autofahrerklubs und der Verkerhsclub Österreich eingeladen sind, soll erörtert werden, welche rechtlichen und organisatorischen Möglichkeiten es gibt, um die Sicherheit von Lkws auf Autobahnen, Schnellstraßen und in den Städten zu verbessern. Man wolle feststellen, welche Kosten mit den Maßnahmen verbunden wären und wie schnell sie umgesetzt werden könnten. Ziel sei auch, die Debatte von Parteipolitik wegzubekommen, sagte Hofer.

Michael Pommer, Kronen Zeitung/krone.at

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen