14.02.2019 07:55 |

Büffel und Cowboys

Im Wilden Westen: Unterwegs in South Dakota

Nationalparks, gigantische Denkmäler, in Stein gehauen, und ein Hauch Wilder Westen - South Dakota ist von abenteuerlicher Geschichte geprägt ...

Derbe Cowboystiefel, lederne Hosenbeinschoner, Jeansjacke, Halstuch und ein Stetson. Bob Lantis sieht von Kopf bis Fuß genauso aus, wie man sich einen richtigen gestandenen Cowboy vorstellt. Und das ist er auch mit Leib und Seele: Seit 45 Jahren ist er Ende September einer der rund 60 Reiter, die im Custer State Nationalpark (einer von insgesamt sechs) im US-Staat South Dakota am Buffalo Roundup dafür sorgen, dass die ca. 1300 Büffel den Weg ins Gehege finden. Denn dann müssen die Tiere zur alljährlichen „Gesundenuntersuchung“, werden gewogen, gekennzeichnet und von Tierärzten gründlich durchgecheckt.

Das Spektakel ist die mit Abstand größte Veranstaltung im Nationalpark und lockt jedes Jahr bis zu 20.000 Besucher an, die sich schon ab 6 Uhr in der Früh auf den Weg machen, um einen guten Platz mit der besten Aussicht dafür ergattern zu können. Denn ein außergewöhnliches Erlebnis ist es, wenn die Reiter mit lautem Geschrei und Peitschengeknalle auf den Hügeln auftauchen und versuchen, die Herde voranzutreiben. Und dann ist auch schon das Schnauben und Getrampel der Hufe zu hören, wie sie sich langsam in Bewegung setzen und mit immer größerem Tempo über die weite Graslandschaft und durch kleine Bäche traben. Immer wieder müssen ein paar „Ausbrecher“ auf den richtigen Weg zurückgeführt werden.

Doch die Cowboys haben alles fest im Griff – auch Bob und sein Pferd „Chip“. Der 83-Jährige genießt den Adrenalin-Kick, wie er verrät: „Man denkt nicht daran, dass das Pferd vielleicht scheuen könnte oder der Büffel angreift. Und ich werde das sicher so lange machen, bis ich aus dem Sattel falle“, lacht er verschmitzt. Auch seine Familie hat er mit der Begeisterung angesteckt, seine Kinder und Enkelkinder reiten ebenfalls mit.

Die Leidenschaft einer anderen Familie versetzt nahezu ganze Berge – oder sprengt sie zumindest. 1948, also vor rund 70 Jahren, begann Bildhauer Korczak Ziolkowski, nachdem er von Häuptling Standing Bear darum gebeten worden war, mit der Arbeit am Crazy Horse Memorial. Ein gigantisches Vorhaben, an dessen Ende die größte Natursteinarbeit der Welt stehen soll. Eine Skulptur des Anführers der Lakota, 195 Meter lang und 172 Meter hoch, in den Stein der Black Hills – für die Ureinwohner heilige Berge – gehauen. Nach dem Tod Korczaks 1982 führen nun Kinder und Enkelkinder seine Arbeit fort. Mit viel Einsatz werden Spenden gesammelt, um die Fertigstellung voranzutreiben. Wann es so weit sein soll? Das weiß niemand. Ihnen allen ist bewusst, dass das vielleicht keiner von ihnen erleben wird. Aber das ist egal. Die Verbundenheit mit dem Berg und die Gewissheit, seine Spuren hinterlassen zu haben, reicht, um mit viel Enthusiasmus weiterzumachen.

Doch noch bekannter als das Memorial für Crazy Horse ist wohl Mt. Rushmore, nur etwa 27 Kilometer entfernt gelegen. Und es liefert dem Staat South Dakota auch seinen offiziellen Spitznamen: „The Mount Rushmore State“ (bis 1992 war es noch der „Sunshine State“).

Die 18 Meter hohen Köpfe der vier Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln stehen für die Erschaffung, Erweiterung, Erhaltung und Entwicklung der USA. Lustiges Detail am Rande: Thomas Jefferson entdeckte in Frankreich seine Liebe zu Vanilleeis und entwickelte ein eigenes Rezept, das er mit in die Staaten brachte. Eiscreme nach seinem Originalrezept gibt es nur hier beim Mount Rushmore zu genießen – und es schmeckt vorzüglich!

Eine wilde Schießerei und das dazugehörige WildWest-Gefühl erwartet die Besucher von Deadwood. Mit der ersten Entdeckung von Gold 1876 strömten Abenteuerlustige, die auf den großen Fund hofften, in die kleine Stadt. Doch wirklich reich wurden nur die Kaufleute und Saloonbesitzer zu dieser Zeit, die den Glücksrittern gleich wieder ihr hart erarbeitetes Geld aus den Taschen gezogen haben. Heute noch kann man in den zahlreichen Casinos seine Ersparnisse loswerden - oder den Jackpot knacken.

Doch die Stadt will auch Geschichte vermitteln: Das Schicksal Wild Bill Hickoks und Calamity Janes – zwei der berühmtesten Namen ihrer Zeit – begleitet uns bei einer Führung über den Mt.-Moriah-Friedhof, auf dem Hügel über Deadwood gelegen, und in den historischen Museen der Goldgräberstadt. Und nach der Besichtigung geht’s ab in den nächsten Saloon – ganz nach Wildwest-Manier.

Elisabeth Salvador, Kronen Zeitung

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