Mi, 20. Februar 2019
05.02.2019 15:30

Denkmalamt winkt ab

Die Sorge um historisches Erbe in Imst ist groß

Der Abriss historischer Gebäude sorgt in der Bezirkshauptstadt Imst schon seit langem für Unruhe. Kritiker sehen die systematische Zerstörung schützenswerter, Jahrhunderte alter Bauten zugunsten des modernen Wohnbaus. Aktuell wartet auf einen Durchfahrtshof aus dem 16. Jahrhundert in der Floriangasse die Abrissbirne. Der letzte Strohhalm, die Unterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt, knickte kürzlich ein.

Um das kulturelle Erbe sorgen sich historisch interessierte Bürger der „Kulturstadt“ Imst seit Jahren. Der Vorwurf an die Stadtführung: Historisch wertvolle Gebäude würden rücksichtslos abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Da der Brand im Jahre 1822 ohnehin die meisten Gebäude hinweggerafft hat, seien die wenigen Exemplare Jahrhunderte alter Bausubstanz umso wertvoller.

„Alte Bausubstanz durch architektonische Monokulturen ersetzt“
Barbara Stillebacher-Heltschl, Tochter des bekannten Architekten Norbert Heltschl, ist so eine besorgte Imsterin: „In Imst wurde in den letzten Jahrzehnten mit Brutalität und Einfallslosigkeit, aber mit großen finanziellen Mitteln alte Bausubstanz vernichtet und ohne Sensibilität durch architektonische Monokulturen ersetzt“, wettert sie.

Aktueller Stein des Anstoßes: Der seltene Typ eines Durchfahrtshofes aus dem 16. Jahrhundert im Zentrum der Unterstadt ist dem Abriss geweiht. Noch im vergangenen Jahr gab der Imster Gemeinderat grünes Licht für dieses Projekt eines privaten Eigentümers, der anstelle des historischen Gebäudes eine Wohnanlage errichten möchte.

„Vom alten Imst ist bald nichts mehr übrig“
Auch für Historiker Stefan Handle ist die „Ausrottung“ alter Bausubstanz äußerst besorgniserregend: „Das begann schon in den 1950er Jahren. Sollte die Zerstörung so weitergehen, wird in wenigen Jahrzehnten vom alten Imst bis auf wenige Restinseln nichts mehr übrig bleiben. Wie bei einem Gebiss, dem man sukzessive die Zähne zieht, bis es leer ist“.

Konkret fordern beide unisono nicht den Erwerb durch die Stadt, sondern die Anwendung des Stadt- und Ortsbildschutzgesetzes (SOG), das rechtliche Möglichkeiten für einen Schutz biete. „Wir haben uns den Durchfahrtshof in der Floriangasse natürlich angeschaut“, weiß Vize-BM Gebhard Mantl, „der ist so desolat, dass er nicht renovierungsfähig ist“.

„Wir werden niemandem etwas auf‘s Auge drücken“
Man würde mit dem SOG sehr wohl arbeiten, so BM Stefan Weirather, sogar aktuell sei man in Gesprächen, alte Bauernhöfe in der Oberstadt in einen Ensembleschutz zu führen. „Wir werden aber niemandem etwas auf‘s Auge drücken, die Eigentümer müssen zustimmen und das ist in der Praxis nicht immer einfach“, relativiert der Imster Stadtchef.

Obwohl das Schicksal des alten Hofes im Unterstadtzentrum besiegelt scheint, wurde das Denkmalamt angerufen, so zu sagen als letzten Strohhalm. „Leider bekamen wir eine negative Stellungnahme“, bedauert Stillebacher-Heltschl. „Das Gebäude wurde durch rezente Veränderungen wie der Anbringung eines Vollwärmeschutzes an der westlichen Gebäudehälfte in jüngster Zeit in seiner Erscheinung derart stark verändert, dass es heute zu wenige für den Denkmalschutz maßgebliche Kriterien aufweist“, heißt es in den Ausführungen. Eine Erhaltung im Rahmen des SOG sei eine Möglichkeit, das Objekt sinnvoll mit der notwendigen öffentlichen Unterstützung zu bewahren.

Bürgermeister ist gegen ein neues Gremium
„Es ist höchste Zeit, dass Imst ein Anreizsystem auf die Beine stellt“, sieht auch Wohnbaustadträtin Andrea Jäger Handlungsbedarf. Und einen Beirat wünscht sie sich. Dem erteilt BM Weirather eine Absage: „Ich bin kein Fan eines neuen Gremiums. Für diese Entscheidungen ist der Gemeinderat gewählt“. Wie dieser beim nächsten analogen Bebauungsplan reagiert, wird mit Spannung erwartet, denn auch das „Jägerhaus“ und das Würthenbergerhaus in der Innenstadt stehen im Visier von Bauwilligen.

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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