Mi, 20. Februar 2019
06.02.2019 09:27

Live in Österreich

James Hersey: Zwischen Kygo und Ed Sheeran

Obwohl er hierzulande über einige Jahre hinweg ein relatives Schattendasein fristete, gehört James Hersey zu den erfolgreichsten Hit-Lieferanten Österreichs. Mit einer neuen EP, einem Album und vielen Tourterminen will sich der 30-Jährige nun auch selbst ins Rampenlicht befördern. Mehr dazu erzählte er uns im Gespräch.

Wer genau hinhört, der kennt sie alle: „It Ain’t Over“, „Forever Yours“ oder „Juliet“. Gediegene Electropop-Songs mit einem gewissen Hauch Romantik und zeitgemäßer Produktion. Gefertigt hat sie alle der nach außen hin noch relativ gesichtslose Wiener James Hersey. Vor etwa fünf Jahren haben sich die Karriereerfolge des 30-Jährigen multipliziert. Verantwortlich dafür waren neben „Miss You“ noch zwei Songs, die ihn auch international auf die Landkarte und in die Notizblöcke brachten. Einerseits der 2015er Track „How Hard I Try“ mit Filous und wenige Monate später „Coming Over“, mit dem Hersey in die Champions League der Szene vorstieß. Er übernahm darauf den Gesang, für die Beats sorgten die Top-Stars Dillon Francis und Kygo und als Belohnung lachten alle zusammen sogar von der Spitze der amerikanischen „Billboard Dance Club Songs“. Keine Selbstverständlichkeit für einen leidenschaftlichen Klangtüftler aus dem vergleichsweise kleinen Alpenstaat.

Vom Sound zum Gesicht
„Miss You“ mit weit mehr als 150 Millionen Streams hat sich vor allem in Europa in den Gehörgängen der Fans festgesetzt. „Ich weiß, dass die Menschen mein Gesicht und meine Persönlichkeit bislang noch nicht so wirklich wahrgenommen haben“, erzählt er der „Krone“ im Gespräch, „mir war es aber immer wichtiger, dass meine Stimme gemocht wird. Jetzt versuche ich auch optisch aufzuholen, weil ich was zu sagen habe und die Leute mich kennen sollen.“ Dass Hersey als Person eher im Hintergrund blieb, war kein Kalkül, sondern vielmehr Zufall. „Ich bin wirklich schleißig was Social-Media-Auftritte angeht. Ich weiß, dass sich das ändern muss und das wird es auch, aber wenn du dir die Differenz zwischen den Streamingzahlen meiner Songs und meinen Facebook-Likes siehst, merkst du, dass ich mich selbst ziemlich aus dem Spiel genommen habe.“

Hersey ist in erster Linie ein Teamplayer, der Kooperationen und den Austausch von Ideen im Kreativprozess besonders schätzt. Das Intime seiner Stimme und die spezielle Klangfarbe seien verantwortlich dafür, dass die internationalen Produzenten immer gerne auf Hersey zurückgreifen. Dabei kommt er musikalisch ursprünglich aus einer ganz anderen Ecke. „Mit zehn oder elf habe ich Marilyn Mansons Cover von ,Sweet Dreams‘ von den Eurythmics gehört und sofort auf Kassette aufgenommen. Ich war verliebt in den Song und hab Mansons Performance zuhause lange geübt. Später kamen dann Nirvana und Lauryn Hill und ich war sechs Jahre lang in einer Punkrock-Band. Dann habe ich Jazz studiert, das Gitarrenspiel richtig erlernt und meine Liebe zum Songwriting und Gesang entdeckt.“

Rückhalt von daheim
Hersey hatte schon in seinen Bandjahren klare Visionen von Sound und Umsetzung, was im demokratischen Korsett verständlicherweise nicht immer auf Gegenliebe stieß. „Streit gab es nie, aber ich musste raus und mich selbst verwirklichen. Ich ging insgesamt fünfmal mit meiner CD zu FM4 Klinkenputzen und als sie mich spielten, waren die Songs gleich in den Charts. Wenig später klappte es auch auf Ö3.“ Entscheidend für das innere Glück und den Erfolg waren seit jeher Herseys Eltern. Sein Vater ist halber Amerikaner, wodurch Hersey zweisprachig aufwächst und sich schon früh in Englisch mitteilen kann. „Auf der EP ,These Gifts‘ habe ich ihnen sogar einen Song geschrieben. Sie haben mich nie blockiert, sondern mich immer unterstützt und meine Gedanken weitergestoßen. Das Glück, bei so offenen Menschen aufzuwachsen, haben nicht alle. Manchmal gehen Freunde von mir in Berlin lieber mit meiner Mama auf einen Kaffee um zu quatschen und rufen mich erst gar nicht an.“

Berlin ist längst nicht nur mehr Sehnsuchtsort für Hersey, sondern auch Mittelpunkt seiner Arbeit. „Berlin ist halt ehrlich gesagt nicht so eine Durchgangsstadt wie Wien. Sie ist offen für jeden und das spürst du auch sofort. Man kann mit vielen Künstlern arbeiten, die von den USA nach Europa kommen und hier einen Stopp einlegen. Direkt nach Los Angeles, New York, London und Paris ist Berlin schon der wichtigste Kernmarkt der Musikindustrie und das ist für das Fortkommen natürlich unheimlich wichtig.“ Seine ersten Songs schrieb Hersey freilich noch in Wien, bis alles sehr schnell ging. „Ich hätte selbst niemals erwartet, dass alles so gut funktioniert. Ich habe in Berlin mittlerweile meine Lieblingsplätze, um zu essen, Tischtennis oder Basketball zu spielen oder einfach nur ein Bier zu trinken. Gerade wegen der vielen Reisen brauche ich diese Art von Zuhause.“

Album vs. Spotify
Mit einigen neuen Songs ist Hersey derzeit gerade mit Jeremy Loops durch Österreich, Deutschland und die Schweiz unterwegs. Die Veröffentlichung seiner EP „Innerverse“ musste er aber kurzfristig auf März verschieben. Kein Problem, wenn die meisten Songs als Single-Auskoppelungen bereits für Furore sorgen. „Ich finde das Albumformat übrigens immer noch großartig, bin selbst mit CDs aufgewachsen und habe noch ca. 200 daheim. Natürlich sind auch auf meiner Spotify-Playlist mittlerweile hauptsächlich Singles und spezielle Zusammenstellungen zu finden, aber die Beatles oder Stevie Wonder höre ich schon noch komplett.“ Ein Album soll relativ bald folgen, möglicherweise wieder mit bekannten Namen.

Wenn auch nicht längst mit jedem eine friktionsfreie Zusammenarbeit garantiert ist. „Mit Produzent Ben Howard oder Felix Jaehn hat es zum Beispiel nicht geklappt. Meist ist es so, dass mir das Produkt zu erzwungen klang.“ Und welcher Traum bleibt offen? „Ich weiß, dass Ed Sheeran vor einigen Jahren meine Songs hörte und sie voll geil fand, aber direkt darauf ist seine Karriere explodiert. Es wird nicht einfach, an ihn ranzukommen, aber sollte sich was ergeben, entsteht sicher etwas Tolles.“ Vorerst ist Hersey hierzulande aber live zu sehen. Heute Abend spielt er im Salzburger Rockhouse, am 8. Februar im Linzer Posthof und am 9. Februar in der Arena Wien. Alle weiteren Infos und Karten unter www.jamesherseymusic.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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