04.02.2019 15:30 |

Am Landestheater:

Premiere von „Geschichten aus dem Wiener Wald“

Nach dem Köln-Desaster der Designierung Carl Philip von Maldeghems als Intendant des dortigen Schauspiels, einem wilden Shitstorm im Print- und Digi-Wald (da komme einer aus der dritten Provinz-Theater-Liga) und seiner Absage, war da noch was: Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“, Premiere.

Einen Tag danach, angeblich sind Kritiker aus Köln angereist, was nicht von schwerkraftmäßiger Bedeutung ist.

Jedenfalls: Hat man einen Fundus an Aufführungs-Erfahrungen dieses Stücks, lässt sich fragen, wie kann es, entstanden Ende 1920, zwischen zwei Weltkriegen, Weltwirtschaftskrise und aufrauschendem Nationalsozialismus, heute in Szene gesetzt werden?

Bleibt das Leid der Menschen, die in elendigen Verhältnissen das Schlimmste in ihnen als Tracht des Überlebens kostümieren.

Carl Philip von Maldeghem begab sich auf eine sachliche, ja aseptische Ebene. Nur, in diesem Welt-Stück ist alles giftig.

Große, mit weißen Fliesen gekachelte Drehbühnenwand (Stephanie Seitz), drei Türen (Fleischer, Puppenklinik, Trafik), hintenrum und oben Großmutter- und Madonna-Schrein. Davor und darin sind die Figuren – ihre fiesen, abgefeimten, abgründigen, niederträchtigen, verloren verlogenen Geschichten – ein wenig wie im „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel aufgestellt. Sie haben nichts miteinander zu tun, obwohl sie sich permanent in aller Abgefeimtheit betrügen.

Die gräuliche Unwegsamkeit der Zukunft wird zum abstrakten Muster eines Rumors, dem die Liebe und der Hinterhalt bloß eine forsch kalte Flamme der Existenz ist.

Zum Ensemble: Nikola Rudle gab zuerst sehr das „Dummchen“, und bewegte danach stark in ihrer verzweifelt widerspenstigen, doch ergebnislosen Kraft.

Sascha Oskar Weis kennt wie ein Strizzi (Alfred) geht, diesmal fehlt ihm die „ölige Schmiere“. Walter Sachers als „Zauberkönig“ gewänne jeden olympischen Outrage-Bewerb. Britta Bayer ist in ihrer hantigen Verlorenheit und Lustsucht als Trafikantin „Valerie“ das, was man als Wiener Bassena-Grazie nennen könnte.

Der grausamste, berühmt-berüchtigste Satz am Ende von Oskar, dem Fleischer: „Ich hab dir mal gesagt, Mariann, du wirst meiner Liebe nicht entgehen.“ Wie Christoph Wieschke als „Oskar“ das konfigurierte, dachte ich, ein Finanzbeamter hat einen unausweichlichen Steuerbescheid zugestellt. Burschenschafter Erich (Gregor Schulz) mit Gewehr und Schärpe? Eine Marionette mit Zukunft? Lächerlich. Theater? Oder nicht.

Hans Walter Langwallner
Hans Walter Langwallner
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Newsletter