Mi, 20. Februar 2019
03.02.2019 08:19

Kolumne „Im Gespräch“

„Wir haben einen Gott, der tot war“

Was wird aus dem Karfreitag? Darüber hat sich in den vergangenen Wochen das halbe Land Gedanken gemacht. Frei für alle, forderte die Gewerkschaft. Das kostet Millionen, konterten die Arbeitgeber. Haben wir nicht schon genug Feiertage, fragte sich so mancher Bürger. Gleiches Recht für alle, sagten nicht-protestantische Arbeitnehmer.

Und was sagen wir? Die Protestanten? Der Karfreitag ist als Feier- und Gedenktag unverzichtbar. Und das hat Gründe. Manche sagen, der Karfreitag sei der wichtigste Feiertag in der evangelischen Kirche, aber das stimmt nicht ganz. Denn zu Karfreitag muss notgedrungen Ostern gehören. Das eine bedingt das andere.

Am Karfreitag gedenken wir Jesu Tod am Kreuz
Zu Ostern feiern wir seine Auferstehung. Ohne sie gäbe es kein Christentum. Ohne Auferstehung wäre Christus ein charismatischer Wanderprediger mit revolutionären Ideen gewesen, aber er wäre wohl als bedauernswertes Opfer römischer Willkür in Vergessenheit geraten. Schon der Apostel Paulus schrieb: Wäre Christus nicht auferweckt, wären unsere Predigt und unser Glaube vergeblich.

Aber um auferweckt zu werden, musste Jesus erst einmal sterben. Und die Art und Weise, wie der Sohn Gottes starb, sagt viel über unseren Gott aus. Unser Gott ist eben nicht einer, der nur irgendwo in höheren Sphären schwebt und in goldenen Palästen oder prunkvollen Kirchen wohnt. Wir haben einen Gott, der sich nicht zu schade war, gefoltert, erniedrigt und auf grausamste Weise hingerichtet zu werden. Wir haben einen Gott, der tot war.

Gott ist Leid nicht fremd
Für mich persönlich ist das wesentlich, dass ich einen Gott habe, dem Leid nicht fremd ist. Im Kreuz wird für mich deutlich, dass Gott auch im größten Leid und in den ausweglosesten Situationen für mich da ist. Es wird dadurch nicht alles gut, aber immerhin kann ich sicher sein: Ich bin nicht allein. Gott hält meine Hand, wenn ein Anruf mich über den Tod eines lieben Menschen informiert. Gott umarmt mich, wenn der Arzt mir die tödliche Diagnose überbringt. Er sitzt stundenlang neben mir während der Chemotherapie. Er trägt mich auf meinem letzten Weg in dieser Welt und führt mich an der Hand beim Schritt in die nächste.

Zeit und Ruhe nötig zur Bewusstwerdung
„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“, heißt es im Johannesevangelium. In Jesu Tod zeigt sich Gottes Liebe zu uns Menschen. Zu mir, zu Ihnen, zu allen. Das Kreuz ist nicht umsonst DAS Symbol des Christentums. Darum geht es am Karfreitag. Und es ist wichtig, Zeit und Ruhe zu haben, um sich das bewusst zu machen. Um das in der Gemeinschaft zu reflektieren. Zu zelebrieren. Zum Beispiel in einem Gottesdienst zur Todesstunde Jesu, um 15 Uhr. Dafür brauchen wir diesen Gedenk- und Feiertag.

Evangelische Vikarin Julia Schnizlein, Kronen Zeitung
julia.schnizlein[@]lutherkirche.at

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