Do, 21. Februar 2019
19.01.2019 11:59

Im Zwillingstest

DNA-Tests von Online-Ahnenforschern fallen durch!

Woher komme ich und wer sind meine Vorfahren? Immer mehr Menschen wenden sich bei der Beantwortung dieser Frage an Online-Anbieter, die versprechen, gegen Bares mithilfe eines DNA-Tests klare Antworten zu liefern. Eineiige Zwillinge aus Kanada haben nun den Beweis erbracht, dass den vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnissen der Online-Anbieter nicht zu trauen ist.

Eineiige Zwillinge sollten genetisch weitgehend identisch sein und somit auch identische Ergebnisse bei DNA-Tests von Online-Ahnenforschern erzielen. Diese Grundannahme haben die kanadische Fernsehmoderatorin Charlsie Agro und ihre Zwillingsschwester Carly bei fünf Online-Anbietern auf die Probe gestellt.

Alle Anbieter lieferten unterschiedliche Ergebnisse
Zur Überraschung der Testerinnen lieferten allerdings alle fünf getesteten Anbieter - AncestryDNA, MyHeritage, 23andMe, FamilyTreeDNA und Living DNA unterschiedliche Ergebnisse für die beiden Zwillingsschwestern.

In den meisten Fällen gelang es den DNA-Testern zwar zumindest, die beiden Zwillingsschwestern genetisch dem gleichen Erdteil zuzuordnen. Die vermeintlich genaue Aufschlüsselung, wie viel Erbgut nun aus Italien, Osteuropa oder anderen Ländern stammen sollte, stimmte bei den beiden Schwestern aber nie überein.

Wissenschaftler hält Ergebnisse für „mysteriös“
„Das Faktum, dass sie unterschiedliche Resultate für die beiden Schwestern präsentiert haben, halte ich für sehr mysteriös“, kommentiert der Bioinformatiker Mark Gerstein von der Yale-Universität die Testergebnisse gegenüber CBC. Er hatte bei eineiigen Zwillingen eigentlich mit identischen Ergebnissen gerechnet.

Die Ursache für die Unterschiede müsse in der Berechnung liegen, wenn die DNA-Ausgangsprobe fast ident sei, mutmaßt Gerstein. Und tatsächlich gesteht auch manch eine DNA-Testfirma im Netz ein, dass es sich bei den Ergebnissen mitnichten um exakte Fakten, sondern vielmehr um „statistische Schätzungen“ handle.

Mal stammt man aus Italien, mal aus Osteuropa
Doch die Schätzungen wichen weit voneinender ab. Verortete der eine Testanbieter die angeblichen Ursprünge der Zwillingsschwestern zum Großteil in Italien, sah sie ein anderer eher in Osteuropa und Griechenland. Meinte man, bei einer Schwester einen leicht britischen Einschlag zu erkennen, war es bei der anderen ein irischer.

Für den Bevölkerungsgenetiker Simon Gravel ein eindeutiges Indiz, dass die Online-Anbieter bei ihren DNA-Tests offenbar tricksen. „Es sieht irgendwie so aus, als nehmen sie mehr oder weniger einen Stift und zeichnen damit einen Kreis auf irgendeine Region. Und unterschiedliche Anbieter zeichnen unterschiedliche Kreise.“

Anbieter setzen Hunderte Millionen um
Aber trotz der Bedenken der Wissenschaftler: Online-Ahnenforschung ist ein Bombengeschäft. Allein beim Anbieter MyHeritage erwartet man laut dem CBC-Bericht heuer einen Umsatz von 100 Millionen Dollar. 

Und das, obwohl die Ergebnisse solcher Tests mit Vorsicht zu genießen sind, wie Gravel betont. „Normalerweise überprüft man sich in der Wissenschaft gegenseitig und macht Algorithmen öffentlich, um ihre Qualität zu testen. In diesem Fall haben wir aber keinen Zugriff darauf, weil sie von Privatunternehmen stammen.“

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