So, 20. Jänner 2019

Digitalgeld-Krise

13.01.2019 13:51

Server-Stillstand in Europas größter Krypto-Mine

Als Simon Ehrenmüller und Daniel Hattmannsdorfer 2017 mit ihrem Start-up BitTex operativ starteten, hatten sie die Vision vom „Mining made in Austria“ und stellten im oberösterreichischen Leonding die wohl größte Mining-Farm Zentraleuropas hin. Knapp zwei Jahre später ist der Traum vom großen Geld wieder in die Ferne gerückt, die meisten Server stehen still. Der Kurs des von BitTex geschöpften Ethereums ist ins Bodenlose gefallen.

In Zeitungen und Magazinen ist vom Aus der Kryptowährungen die Rede, die Finanzbranche ist nach wie vor verunsichert, wie man mit den neuen Währungsformen umgehen soll. Deshalb zog man in Leonding, wo in Containern 14.400 Grafikkarten arbeiteten, im Sommer 2018 für die Kunden die Reißleine.

Bereits seit dem Frühjahr steht Rudolf Engelsberger den jungen Gründern als strategischer Manager zur Seite. „Wenn ein junges Unternehmen schnell viel Mittel bekommt, entstehen Entwicklungen, die eine Struktur brauchen“, beschreibt der erfahrene Unternehmensstratege seine Aufgabe bei BitTex. Das neue Feld der Kryptoassets habe ihn gereizt, ebenso, seine rationale Sichtweise einzubringen und der Firma so zu helfen, erklärte er im Gespräch.

Kursverfall nicht logisch zu begründen
Die Kryptowährungen sieht Engelsberger keineswegs vor dem Aus. Der momentane Kursverfall sei nicht logisch zu begründen. Große Kapitalgeber würden Einfluss nehmen, um den Kurs künstlich nach unten zu drücken, eventuell um niedrige Einstiege zu ermöglichen, hieße es in der Branche. „Wir glauben, dass kryptische Währungen in Zukunft eine deutliche Berechtigung haben werden und auch das Mining“, sagt der Geschäftsmann mit Firma in der Schweiz. Entscheidend sei, dass sich die Systeme über Erfahrungswerte modifizieren. „Die Blockchain-Technologie wird nicht zu verhindern sein, weil sie für sich das fälschungssicherste und transparenteste System für Transaktionen ist“, ist der Deutsche überzeugt.

Was heißt das nun für BitTex? Immerhin haben knapp 700 Menschen 2017 rund fünf Millionen Euro über Crowdfunding in das vielversprechende Unternehmen gesteckt. Diese Mitglieder hatten bis Ende 2017 bereits das erste Mal den „Return of Invest“ und viele ließen ihre Ethereums auf ihren Wallets, quasi ihren digitalen Konten. Das sei auch derzeit kein großer Stressfaktor. „Wir gehen den Weg der offenen Kommunikation und versuchen, falls das gewünscht wird, einen verhältnismäßig positiven Ausstieg zu ermöglichen“, erklärt Engelsberger.

Hardware statt Rechenleistung
Im Rückblick sieht er nur wenige Dinge, die er anders machen würde. Womöglich hätte man mit dem heutigen Wissen von Anfang an Hardware statt Rechenleistung verkauft. Damit begann BitTex Anfang 2018, als Aufsichtsorgane Verunsicherung in die Branche brachten, weil nicht klar war, ob Mining als Finanzdienstleistung oder als normale Dienstleistung zu sehen war. Seither konnten Kunden Hardware wie Grafikkarten oder Motherboards erwerben.

„Der Kunde ist Eigentümer, wir hosten das nur und erbringen eine reine Dienstleistung.“ Mit diesem Modell wurde allerdings deutlich weniger verkauft als vorher mit den Rechenleistungspaketen. Doch 2018 ging man bei BitTex wie in der Branche noch davon aus, dass sich die Kurse von Kryptowährungen ab dem zweiten Halbjahr wieder positiv entwickeln werden - was sich als Trugschluss erwies. Ein klarer Konsolidierungskurs und Vorsicht waren ab Mitte 2018 das Gebot der Stunde. Zuerst wurden alle Entwicklungsprojekte auf Eis gelegt, Personal erheblich - von über 20 auf 6 - reduziert.

Ertrag kippte ins Minus
Dann wurde im Sommer das Mining für die Kunden abgeschaltet, wie mehrere Medien berichteten, „weil der Ertrag für die Kunden nicht mehr relevant war, sondern ins Minus kippte“. Und dass die Kunden laufende Verluste hinnehmen, sei für BitTex undenkbar. Im Oktober 2018 führte Engelsberger eine Meinungsumfrage unter den rund 700 Kunden durch, um herauszufinden, ab welcher Rentabilität der Betrieb wiederaufgenommen werden sollte. Das Ergebnis: Es soll auf alle Fälle mit der Wiederaufnahme bis zu einer echten Rentabilität gewartet werden.

Der Wiedereinstieg hänge nicht allein vom Kurs des geschöpften Ethereums ab, sondern auch vom Strompreis und der weltweiten Rechenleistung beim Mining, von dem der Reward, also die geschöpfte Stückzahl, abhängt. „Wir sind auch in enger Kommunikation mit der Vertriebsfirma Apollon und den Kunden aus dem Crowdfunding und versuchen eine Lösungsstrategie zu erarbeiten, um das Verlustrisiko zu minimieren“, beschreibt der in der Schweiz lebende Engelsberger den Status Quo. Man suche nach Möglichkeiten, Mining rentabel zu gestalten, denke dabei über Landesgrenzen und Europa hinaus und führe Gespräche mit potenziellen Partnern.

Zukunft ungewiss
Eine Insolvenz droht derzeit nicht. Natürlich wurde die Liquidität geprüft, es wird ein klarer Konsolidierungsplan gefahren. „Bis jetzt gab es keine Anträge, bisher hat sich das Unternehmen aus Reserven konsolidiert“, doch für die Zukunft, wenn die Branche sich nicht positiv entwickle, könne man gar nichts sagen, will Engelsberger nicht kaffeesudlesen.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Frimmel herausragend
Nächste WM-Pleite: 22:24 gegen Argentinien!
Sport-Mix
0:0 im San Siro
Rapid-Gegner Inter blamiert sich gegen Sassuolo!
Fußball International
Chelsea enttäuscht
0:2! Blasse Blues verlieren Derby gegen Arsenal!
Fußball International
0:2 bei Bournemouth
West-Ham-Coach: „Arnautovic mit dem Kopf woanders“
Fußball International
1:0 in Leipzig
Super-Bürki rettet Dortmunds Sieg gegen Leipzig!
Fußball International
„Fantastisch gespielt“
2:1! Hasenhüttl haucht Southampton neues Leben ein
Fußball International
Neymar zauberte
9:0! Verheerende Pariser Rache an Guingamp
Fußball International
Späte Tore
Real holt verdienten 2:0-Heimsieg gegen Sevilla!
Fußball International
Siegel stürzt in Polen
Sensationelle ÖSV-Adler schrammen am Sieg vorbei!
Wintersport
Deutsche Bundesliga
Drama in Stuttgart, Hütters „Büffelherde“ stark
Fußball International
Auch Walli schafft es
Super-Sprint bringt Alexandra Toth zur EM!
Sport-Mix

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.