08.01.2019 11:52 |

Erneut vor Gericht

Verurteilter Frauenmörder attackierte Mithäftling

Er sitzt seit über 18 Jahren wegen Mordes hinter Gittern - von weiteren Gewalttaten hält ihn das jedoch nicht ab: Im November 2017 griff der Frauenmörder Herbert P. einen Mitgefangenen an, verletzte diesen mit einem Kopfstoß schwer. Jetzt wurde der Kriminelle erneut im Wiener Landesgericht zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Zudem wird Herbert P. in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Herbert P. gilt aufgrund einer gutachterlich bescheinigten Persönlichkeitsstörung weiter als gefährlich. Diese Einschätzung bestätigte der mittlerweile 49-Jährige unfreiwillig nach der Urteilsverkündung. Während Richter Gerald Wagner sein Urteil begründete, sprang Herbert P. erbost auf, schrie „Passt! Gemma!“ und wollte aus dem Saal stürmen.

Von Justizwachebeamten gebändigt
Zwei Beamte der Justizanstalt Graz-Karlau, wohin der Frauenmörder nach dem inkriminierten Zwischenfall verlegt worden war, bändigten ihn, indem einer der beiden eine Armhebel-Technik anwendete und der zweite dem Aufgebrachten Handschellen anlegte. „Das ist mein Recht, dass ich den Saal verlasse“, rief Herbert P. „Erst nach der Rechtsmittelbelehrung“, beschied ihm der Richter. „Ich mach‘ das schriftlich“, kündigte der 49-Jährige volle Berufung an. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

20-Jährige missbraucht und erdrosselt
Herbert P. war im Oktober 1988 in Wien-Favoriten über die damals 20 Jahre alte Alexandra Schriefl hergefallen, die nach einem Disco-Besuch auf dem Heimweg war, hatte die junge Frau missbraucht und erdrosselt. Erst zwölf Jahre später konnte er überführt werden, als sich das DNA-Analyseverfahren technisch so weit entwickelt hatte, dass man an der Leiche und der Bekleidung der Toten sichergestellte Spermaspuren auswerten und dem Mann zuordnen konnte.

Im Dezember 2001 wurde Herbert P. wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt - mehr an Strafe war nicht möglich, weil er im Tatzeitpunkt noch keine 21 Jahre alt war und damit das Jugendstrafrecht zum Tragen kam. Aufgrund der von ihm ausgehenden Gefährlichkeit wurde er aber zusätzlich in den Maßnahmenvollzug eingewiesen, wo er zeitlich unbefristet so lange angehalten werden kann, bis Psychiater bescheinigen, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht.

Streit um Waschmittel eskaliert
Da bisher keine Besserung eingetreten ist - Herbert P. bestreitet ungeachtet der seit 2002 rechtskräftigen Verurteilung den Mord bis zum heutigen Tag und verweigert jede Therapie -, wurde er nach Verbüßung der 15 Jahre in die Sonderstrafanstalt Mittersteig überstellt. Dort kam es eines Tages zu einem Streit mit einem älteren Mitinsassen. Die beiden waren sich nicht einig, welches Waschmittel man verwenden sollte, außerdem warf der 56-Jährige Herbert P. vor, im Badezimmer ein Putzmittel versprüht zu haben. Dafür kassierte er laut Anklage einen Kopfstoß des 49-Jährigen. Der Mithäftling erlitt einen Eindrückungsbruch der rechten Stirnhöhlenvorderwand, ihm mussten fünf Metallplatten implantiert werden.

„Ich hab‘ keinem einen Kopfstoß versetzt. Wenn das nicht richtiggestellt wird, mach‘ ich eine Anzeige“, deponierte Herbert P. in der heutigen Verhandlung. In Wahrheit sei der 56-Jährige auf ihn losgegangen. „Er hat mich vorgezogen! Sehen Sie den Kratzer am Hals? Ich hab noch einen Schorf, sehen Sie das? Das ist eine Abwehrverletzung“, rief er in Richtung des Gerichtsmediziners.

„Ich hab‘ nicht die geringsten Zweifel, dass es so war, wie das Opfer sagt“, befand dagegen am Ende der Richter. Der verletzte 56-Jährige bekam ein Schmerzengeld von 6000 Euro zugesprochen.

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