"Komme wieder"

Serienräuber narrt Vorarlberger Polizei mit Ansichtskarten

Österreich
05.02.2010 12:32
Ein Serienräuber, der in Vorarlberg zwischen August 2008 und Jänner 2010 für fünf Überfälle auf Postfilialen und Banken verantwortlich sein soll, narrt "seine" Ermittler seit geraumer Zeit mit Postkarten. "Komme wieder", ließ der Ganove den Beamten auf einer Ansichtskarte zukommen. Die Exekutive erhöht jetzt den Fahndungsdruck.

Eine Sonderkommission wurde gebildet, die Fahndung laufe auf Hochtouren, so das Landeskriminalamt am Freitag. Eine groß angelegte Öffentlichkeitskampagne zu dem Fall sei gestartet. Man werte bereits erste Hinweise aus der Bevölkerung aus, heißt es.

Dass die Beamten Post von dem Räuber bekommen hatten, gaben sie erst jetzt bekannt. Der Mann gab am 5. August 2009 eine an eine Bregenzer Sparkasse adressierte Karte beim Postamt Lustenau auf, auf der er einen weiteren Überfall andeutete. "Das war noch nicht alles. Komme wieder", schrieb der Mann unter anderem. Mit einer zweiten Postkarte, sechs Tage später in Wolfurt (Bezirk Bregenz) aufgegeben, meldete er sich mit Faschingsgrüßen ("Ore Ore") direkt bei den Ermittlern. Das LKA sucht nun Personen, die die Handschrift auf den Postkarten erkennen oder wissen, wo diese herstammen.

Etliche Pannen bei Coups
Um einen Profi dürfte es sich bei dem Täter offenbar nicht handeln. Seine Coups liefen nie ganz reibungslos ab. Der erste dem Serienräuber zugeordnete Überfall auf die Sparkasse Feldkirch/Altenstadt am 11. August 2008 blieb überhaupt im Versuchsstadium. Die Umstände schienen dem Täter offenbar zu risikoreich, er kehrte um und verließ die Bank. Beim zweiten Überfall auf die Postfiliale Feldkirch/Altenstadt am 9. März 2009 wurde der Täter auf der Flucht mit dem Fahrrad ein Stück weit von einem Postkunden verfolgt. Er ließ Maske, Schal und Fahrrad zurück.

Beim vierten Überfall auf die Sparkassenfiliale Bregenz/Weidach am 16. Juli 2009 wurde dem Täter das Alarmpaket zum Verhängnis. Die Flucht des Täters endete nach ca. 300 Meter in einer Hauseinfahrt in der Kennelbacherstraße. Er ließ das Fahrrad fallen, verlor die Raubbeute und seine Sonnenbrille und flüchtete über einen Zaun in Richtung Sozialzentrum Weidach. Laut einem Augenzeugen dürfte der Serienräuber recht agil sein. Er sei "ummi über'n Zaun wia a Katz'", gab der Schrebergärtner nach dem Überfall zu Protokoll.

Polizei glaubt an Verzweiflungstäter
Trotz der neckischen Post glauben die Ermittler an einen Verzweiflungstäter, den soziale Umstände zu den Überfällen trieben, so das LKA. Der Mann zeige "deutliche Stressreaktionen". "Wenn sich jemand stellt, wird dieser Umstand vor Gericht als Milderungsgrund gewertet", erinnerten die Ermittler den Serienräuber. 

Für Hinweise, die zur Ausforschung des Täters führen, wurde eine Belohnung von 3.500 Euro ausgesetzt. Meldungen sind an das Landeskriminalamt Bregenz unter 059133 80 DW 3050 bis DW 3052 oder an jede andere Polizeidienststelle in Vorarlberg erbeten. 

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