30.12.2018 13:54 |

„Extremes Jahr“

2018 mehr Menschen auf der Flucht als je zuvor

Noch nie waren weltweit mehr Menschen auf der Flucht als im Jahr 2018. Über 68 Millionen haben im vergangenen Jahr ihre Heimat verlassen - und es wird noch schlimmer. Politische Lösungen sind angesichts zahlreicher Krisenherde kaum in Sicht, nicht zuletzt die EU scheint in der Migrationsfrage nach wie vor gespalten. Dennoch: Immer mehr Länder wollen sich abschotten - im Mittelmeer finden aktuell zwei NGO-Schiffe keinen sicheren Hafen mehr.

So viele wie nie zuvor: 68,5 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Und die Tendenz sei weiter steigend, teilte die UNO-Flüchtlingshilfe am Sonntag in seinem Rückblick auf 2018 mit. „Wir haben ein extremes Jahr hinter uns. Die weltweiten Krisen sind komplex, politische Lösungen kaum in Sicht. Dabei wollen die meisten Geflüchteten einfach zurück in ihre Heimat“, erklärte der Geschäftsführer der UNO-Organisation, Peter Ruhenstroth-Bauer.

„Neben der Nothilfe, besonders jetzt im Winter“, müsse die Weltgemeinschaft den Betroffenen auch Perspektiven bieten. Allerdings entwickele sich die öffentliche Diskussion über Flüchtlinge emotionaler und weniger faktenorientiert, kritisiert die nationale Partnerorganisation des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

Größtes Flüchtlingslager der Welt in Bangladesch
Im Besonderen verwies die UNO-Flüchtlingshilfe auf die Situation in Bangladesch, Venezuela, im Jemen und im Südsudan. Kutupalong in Bangladesch sei inzwischen das größte Flüchtlingslager der Welt. Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit seien aus Myanmar dorthin geflohen. Derzeit lebten in dem Camp mehr als 900.000 Menschen.

Venezuela, so die Organisation weiter, erlebe die größte Fluchtbewegung in der modernen Geschichte Lateinamerikas. Drei Millionen Venezolaner haben das Land wegen der katastrophalen Versorgungslage und Repressionen der Regierung bereits verlassen. Die Vereinten Nationen warnten kürzlich, dass es 2019 zu einem weiteren Massenexodus kommen könnte.

Krise im Jemen unter „Ausschluss der Weltöffentlichkeit“
Im Jemen droht den Angaben zufolge eine Hungersnot. Schon jetzt seien gut zwei Drittel der Bevölkerung - 20 Millionen Menschen - auf humanitäre Hilfe angewiesen. Diese derzeit größte Krise der Welt habe sich „nahezu unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit“ entwickelt, beklagt die UNO-Flüchtlingshilfe. Aus dem Südsudan seien mehr als 2,2 Millionen Menschen geflüchtet; weitere zwei Millionen seien innerhalb des Landes auf der Flucht.

Seeretter im Mittelmeer auf Suche nach sicheren Häfen
Doch auch vor den Toren Europas verschlimmert sich die Situation immer mehr, speziell im Mittelmeer. Erst am Samstag rettete die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye mehrere Migranten aus dem Gewässern vor Afrika. 17 Menschen, darunter eine Frau, seien vor Libyen aufgenommen worden, teilte die Regensburger Organisation mit. Das Forschungsschiff „Professor Albrecht Penck“ fahre unter deutscher Flagge und sei nun auf der Suche nach einem sicheren Hafen.

Daneben ist seit Tagen auch noch die „Sea-Watch 3“ der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit mehr als 30 geretteten Migranten auf dem Mittelmeer unterwegs. „Es ist Zeit für die deutsche Regierung, Verantwortung zu übernehmen: Zwei Schiffe brauchen einen sicheren Hafen“, twitterte Sea-Watch.

Bisher hat den Schiffen kein Land eine Landeerlaubnis gegeben. Die Regierung in Italien verweigert NGOs mittlerweile generell die Einfahrt in die Häfen des Landes.

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