Mi, 23. Jänner 2019

Achtung, Auto-Schätze!

23.12.2018 17:48

Im Mazda MX-5 auf Freak-Tour in Kalifornien

Kalifornien ist ein Pool der Auto-Freaks. Beinahe an jeder Ecke gibt es an Wochenenden ein Autotreffen, auf dem die ärgsten Boliden präsentiert werden; im Verborgenen hegen und pflegen Promis und andere Schwerreiche unfassbare Privatsammlungen, wie z.B. die Day Family (siehe weiter unten). Mit einem Mazda MX-5 Miata RF mische ich mich unter die Car High Society…

„You need an upgrade“ grinst mich ein Typ an, als ich mit meinem japanischen Zweisitzer beim „Cars & Coffee“-Autotreffen südlich von Los Angeles ankomme. Wenn der wüsste, wie viel Spaß dieser pure, kleine Sportwagen macht, hier, in der Sonne Kaliforniens. Und fast könnte man meinen, er hat selbst auch eine Freude daran, mit seinen großen Geschwistern zu spielen!

Plötzlich steht eine herrliche Corvette C3 Stingray neben uns. Sie hat ganz offensichtlich Pate gestanden für die Dachausläufer des Mazda und damit für die herrliche Linie, die den RF vielleicht sogar zum schönsten MX-5 aller Zeiten macht. Zwar hat er nur halb so viele Zylinder und ist auch gefühlt nur halb so groß wie die Vette, macht aber eine gute Figur neben der US-Schönheit.

Targa meets „Targa“
Ich bin unterwegs mit der neuen Topmotorisierung, die Mazda für den Zweisitzer anbietet: zwei Liter Hubraum, 184 PS. Anfang der 70er-Jahre gab es eine Basis-Corvette mit kaum mehr Leistung, aber das nur am Rande bemerkt. Hier geht‘s nicht um Power und Fahrleistungen, sonst hätte ich nicht die Automatik-Version nehmen dürfen, in deren Sechs-Fahrstufen-Universum viel Kraft versickert: mehr als eine Sekunde während des Standard-Sprints von 0 auf 100 km/h (7,9 Sekunden), mit 199 km/h fehlen auch 21 km/h top speed. So what, es cruist sich herrlich damit, und das ist es, was ich gerade mache, von einem Auto-Hotspot zum anderen.

Der nächste MX-5-Ideengeber taucht auf meinem Radar auf: ein originaler Porsche 912 Targa, quasi ein 911er für Einsteiger. Nur Porsche darf Autos mit herausnehmbarem Dach so nennen, daher heißt mein MX-5 RF, also Retractable Fastback. Noch mehr als auf Autos stehen sie hier auf Weihnachten - falls sich jemand gefragt hat, warum dem Beifahrersitz des 912 ein hässlicher Santa Claus sitzt.

7.00 Uhr morgens, „Cars & Coffee“
Rückblende. Als ich morgens um 7:00 Uhr beim Cars-&-Coffee-Treffen in Corona auf dem Parkplatz der Sportwagenschmiede Saleen ankam, wusste ich noch nicht, welche Highlights ich im Lauf des Tages entdecken würde. So ist das hier, man kommt sofort ins Gespräch, plaudert über das Leben, die Autos und alles.

Cars & Coffee in Corona war schon ein guter Anfang. Schräge Hot Rods, ein Maserati Bora, sogar ein Mazda MX-5, und natürlich einige fette Ami-Schlitten vom Feinsten. Dazu Kaffee aus Thermoskannen und Muffins gegen eine freie Spende („Come back for a refill!“). Und Eric mit Hund Hucksley und seinem Rennstrecken-BMW-M3, der mir vom nächsten Treffen erzählt, das um 9.00 Uhr im Orange County starten soll, eine Stunde Fahrtzeit entfernt. „Riesig, mit tausend Autos!“

Die Sammlung der Day Family: 500 Dollar für eine Besichtigung
Doch ich sollte mich verspäten, denn ich treffe Greg, seines Zeichens Porsche-997-Fahrer und Organisator des hiesigen Treffens, der begeistert ist, Gäste aus Europa zu begrüßen. Ein Telefonat und eine Portion Blueberry Pancakes bei IHOP später habe ich eine Art Privat-Audienz in der beeindruckenden Autosammlung von Tom und Diane Day.

So finde ich mich erst einmal in einer riesigen Ausstellungshalle wieder. Geschätzt mehr als 150 Fahrzeuge auf zwei Etagen, originale Klassiker, Umbauten, Tuning-Wahnsinn, alles liebevoll-kitschig zusammengestellt und gestaltet. Inklusive eines Nachbaus des Burger-Imbiss‘, an dem sich das Ehepaar Day einst kennengelernt hat, samt Autokino, wo sie ihr erstes Date hatten.

Romantisch. Aber auch geschäftstüchtig, schließlich war Day ein Bau-Tycoon. Mittlerweile wird der komplette Bestand steuergünstig als Stiftung geführt. Hin und wieder gibt es Empfänge mit Rundgang und Abendessen für Betuchte, die 500 Dollar pro Eintrittskarte für einen guten Zweck spenden.

Und in Mobilien schwelgen. Mustangs, Corvettes, böseste Muscle Cars und weitere Klassiker, dazwischen ein paar sammelnswerte neuzeitlichere Fahrzeuge. Auch zwei Ford Model T stehen da, eine 1938er-Harley-Davidson WDL aus dem Fuhrpark von Steve McQueen, ein Dragster von Drag-Race-Legende Darrell Gwynn, ganz hinten auch ein VW Samba-Bus mit nur ein paar Meilen auf dem Tacho. Insgesamt wenig Europäisches, aber ein Fest für Freunde der guten, alten, amerikanischen Zeit.

Das wahrscheinlich Ärgste an der ganzen Sache: Solche Sammlungen gibt es hier überall, man muss nur wissen, wo. Oder jemanden kennenlernen, der weiß wo. Und gute Kontakte hat. Nächstes Mal schau ich mir die Sammlung des Nachbarn an, einmal schräg über die Kreuzung.

Supercar Sunday hält, was er verspricht
Von Days Sammlung über den Highway nach South OC, wo immerhin noch Vette und Targa warten, das Gros der 1000 Fahrzeuge aber schon wieder abgerauscht ist. Und weiter die Küste entlang. Ein Tipp: „The Deck“ in Laguna Beach serviert Hammer-Cocktails (California Cooler!) und großartiges Essen direkt über dem Strand.

Unterwegs darf der kleine MX-5 noch ein bisschen posieren. Auch wenn er mal quer auf der Straße steht, kann ihm keiner böse sein.

In Sachen Autotreffen geht es am nächsten Tag weiter. Einmal im Monat gibt es den Supercar Sunday, immer woanders. Diesmal in Woodland Hills, am nördlichen Stadtrand von Los Angeles. Der Star hier ist Gary Wales‘ unfassbarer Oldtimer namens „La Bestioni Rusty 2“ aus dem Jahr 1915, den Freaks aus der TV-Sendung Jay Leno‘s Garage kennen. Liebevoll restauriert, mit 14-Liter-Sechszylinder-Maschine, Vierventiltechnik und 24 Zündkerzen. Das Meiste am Auto ist original, sagt Wales, Scheibenbremsen und Servolenkung logischerweise nicht. Der 90-Liter-Tank reicht übrigens nur für rund 50 Kilometer…

Daneben posieren Batmobile und am Rest des Areals so ziemlich alles, was man sich an Autos vorstellen kann, vom Fiat 500 bis zum brandneuen Ford GT, vom Lamborghini, den sein Besitzer nur auf dem Tieflader präsentiert, bis zum Eigenbau mit Corvette-Motor aus den 60ern, den sein Besitzer vor den verheerenden Waldbränden, die kürzlich gewütet hatten, in Sicherheit bringen konnte.

Vielleicht doch ein Upgrade?
Mein Mazda erntet trotz aller vierrädrigen Reichtümer jede Menge liebevolle Blicke, er ist irgendwie klassenlos und wird auch in höchsten Kreisen anerkannt. Auch wenn er nur einen Bruchteil so teuer ist wie die Autos, die wir hier in der Story zu sehen bekommen.

Für den Weg zum Flughafen wähle ich die längere, schönere Strecke. Erst Kurven, Kurven, Kurven, das Element des Mazda, dann den Pazifik entlang, das Dach offen, „I Soak Up the Sun“ im Sirius-Satelliten-Radio. Und ich schaue auf die Verbrauchsanzeige: Mit 90-Liter-Tank würde ich 1200 Kilometer weit kommen (sind aber nur 45).

Jetzt fehlt mir nur noch ein Upgrade. Aber nicht beim Auto, sondern auf dem Rückflug. Und eines in Sachen Autotreffen bei meinem nächsten Besuch: Neben Cars & Coffee gibt es auch eine Reihe namens Cars & Copters. Ja, genau, Hubschrauber. In Kalifornien geht es immer noch freakiger…

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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