Do, 24. Jänner 2019

Trubel oder Tradition?

19.12.2018 19:55

„Rufen nicht Ho Ho Ho, wir singen ,Stille Nacht‘“

Weihnachten - eigentlich ein Fest, das sich um Liebe, Familie und Religion dreht. Doch stehen heutzutage vielmehr Konsum und Kommerz im Mittelpunkt? Darüber diskutierten die Gäste im krone.at-Talk mit Moderatorin Katia Wagner am Mittwoch - die Highlights sehen Sie oben im Video, den kompletten Talk hier. Der Wiener Dompfarrer Toni Faber und die Vikarin der Lutherkirche, Julia Schnizlein, beleuchteten dieses Thema von geistlicher Seite und orteten besonders zur Weihnachtszeit eine Hinwendung der Menschen zur Religion: „Unsere Kirchen sind bummvoll!“ Der Wiener FPÖ-Stadtrat Maximilian Krauss sieht die Politik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Kindern Traditionen und Werte nahegebracht werden. Für Baulöwe Richard Lugner, der sich ja auch immer wieder für die Sonntagsöffnung starkgemacht hat, hat Weihnachten auch mit Geschenken einen hohen Stellenwert, schließlich gehe es ja um die Familie ...

Geschenke kaufen, die Wohnung festlich schmücken, eine Weihnachtsfeier nach der anderen - dazu schallen schrille Weihnachtslieder aus jeder Ecke im Schein wild blinkender Beleuchtung: Für viele Menschen ist der Advent längst keine besinnliche Zeit mehr. Stress und Hektik dominieren leider viel zu oft. Das ortet auch Dompfarrer Toni Faber: „Ich nehme einerseits eine große Hetik wahr, aber auch eine Weihnachtszeit, besinnliche Momente zu erleben.“ So würden viele Menschen die Gelegenheit nutzen, zur Religion zu finden: „Die Leute brauchen stille Momente, um an Gott und dessen Menschwerdung heranzukommen. Ich kenne keinen areligiösen Menschen.“ Und: „Bei der Mitternachtsmette ist der Stephansdom bummvoll.“

„Die Menschen sehnen sich nach dieser Tiefe“
Auch die evangelische Vikarin der Lutherkirche und „Krone“-Kolumnistin Julia Schnizlein sieht das so: „Zu Weihnachten ist die Kirche voll, aber auch schon davor, bei Weihnachtssingen und Ähnlichem. Das wird gerne als Kontrastprogramm zum Weihnachtstrubel angenommen, die Menschen sehnen sich nach dieser Tiefe.“ Dass es manch einer als scheinheilig bezeichnet, wenn nur zu Weihnachten in die Kirche gegangen wird, versteht Schnizlein nicht: „Ich freue mich über jeden. Das Fest kann ja auch an die religiösen Wurzeln erinnern.“

Lugner: „Weihnachten hat für mich einen hohen Symbolcharakter“
Bei den Österreichern bleibt im ganzen Weihnachtstrubel oftmals die Tradition auf der Strecke. Für Baumeister Richard Lugner hat Weihnachten neben dem Geschäftlichen auch einen hohen Symbolcharakter. So erinnert er sich an seine Kindheit: „Ich bin mit meinen Eltern zu den Flößen am Donaukanal gegangen, wo es die Christbäume gab. Wir sind durch den Schnee noch zur Christmette gestapft. Für mich ist es das schönste Fest des Jahres.“ Was die Lugner City angeht, so sei üblicherweise der 23. Dezember der umsatzstärkste Tag - nicht so im heurigen Jahr: „Da war es völlig überraschend der Black Friday.“ Auch das Thema Öffnungszeiten spricht Lugner wieder an: „Wir hinken da in Österreich nach. Es wäre am Sonntag auch eine gute Möglichkeit, mit der ganzen Familie einzukaufen.“

Wie erhält man Werte und Traditionen?
Weiß die Mehrzahl der Kinder überhaupt, warum wir dieses Fest feiern? Oder ist die Hauptsache, dass das Christkind viele Geschenke bringt? FPÖ-Stadtrat Krauss meint: „In diesen Zeiten setzen sich viele Leute nicht mehr mit dem spirituellen Hintergrund auseinander. Es sind die gemeinsamen Erinnerungen und nicht die materialistischen Dinge.“ Werte und Traditionen sollen erhalten bleiben, so Krauss: „Dafür muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen.“

Faber: „Wir rufen nicht Ho Ho Ho, wir singen ,Stille Nacht‘“
Dass es bei Weihnachten nur noch um Geschenke geht, sieht keiner der Diskussionsteilnehmer so. Krauss: „Für Kinder ist das sicher ein Ansporn.“ Dompfarrer Faber will die Geschenke natürlich nicht verbieten. Als vor ein paar Jahren der Weihnachtsmann vor dem Stephansdom stand, habe man aber sehr wohl protestiert: „Wir rufen nicht Ho Ho Ho, wir singen ,Stille Nacht‘. Das größte Geschenk ist, dass Gott selbst Mensch geworden ist.“ Aber natürlich habe die Kirche „nichts gegen Geschenke“ und er habe „größten Respekt vor den Handelsangestellten“.

Schnizlein meint: „Ich sehe das nicht so, dass nur gekauft und gekauft wird. Dass man sich zu Weihnachten irgendwie freikauft, ist sicher nicht Sinn der Sache.“ Lugner versteht es durchaus, dass unter dem Christbaum viele Packerl liegen sollen: „Die Menschen WOLLEN etwas schenken.“ Es gehe dabei ja sowohl um die Familie als auch um die Arbeitnehmer: „Ich habe immer mit meinen Mitarbeitern Weihnachten gefeiert.“

Der #brennpunkt-Talk macht Weihnachtspause
Der #brennpunkt-Talk geht nun in die Weihnachtspause. Sie können am Mittwoch, den 9. Jänner 2019 wieder live unter dem Hashtag #brennpunkt während der Sendung mitdiskutieren. Alle Sendungen und Highlight-Videos unserer krone.at-Reihe finden Sie unter krone.at/brennpunkt.

Michaela Braune
Michaela Braune

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