Hirn aus beim Sex

Frauen aktivieren beim Sex mehr Hirn als Männer

Wissenschaft
20.05.2004 18:05
Dass Frauen Sex anders empfinden als Männer ist eine Binsenweisheit. Neuerdings ist es Neuroradiologen jedoch gelungen, diese Unterschiede auch anhand der Aktivierungsmuster des Denkorgans sichtbar zu machen, berichten die Experten auf dem Röntgenkongress in Wiesbaden. Das teilte die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften mit.
"Frauen aktivieren während der Erregungund beim Orgasmus mehr Gehirn als Männer", sagt ProfessorMichael Forsting vom Institut für Diagnostische und InterventionelleRadiologie der Universitätsklinik Essen. "Den Verdacht hattenwir immer schon, jetzt ist es bewiesen." In der derzeit größtendeutschen Sexualstudie hat Forsting zusammen mit der OberärztinDr. Elke Gizewski beiden Geschlechtern ins Gehirn geschaut, währendsie möglichst regungslos in einer Röhre lagen und hocherotischeFilme ansahen. Für seine Untersuchungen nutzten die Neuroradiologendie funktionelle Magnetresonanztomographie, abgekürzt fMRT.Mit dem Verfahren, das ohne Röntgenstrahlung auskommt, lässtsich die Hirnaktivität bei bestimmten Tätigkeiten undEmpfindungen mit einer Auflösung im Millimeterbereich darstellen.
 
Frauen benutzen mehr Hirn
Die Untersuchung nutzt die Tatsache, dass aktiveHirnareale mehr Blut brauchen und damit auch die Sauerstoffkonzentrationim venösen Blut ansteigt. Diese, vom fMRT gemessenen Veränderungenmacht der Computer sichtbar. Er weist den unterschiedlichen Sauerstoffkonzentrationenverschiedene Farben zu, wobei rot meist eine, gegenüber demRuhezustand vermehrte Hirnaktivität darstellt, währendblaue Areale eine Unterdrückung oder verringerte Funktionsignalisieren. Resultat der Tests: "Bei den Männern zeigtensich Ativierungsmuster in beiden Schläfenlappen der Großhirnrinde,bei den Frauen zeigte sich zusätzlich ein Areal im rechtenStirnhirn", umreist Forsting die Ergebnisse seiner Studie. Dochwelche Funktionen diese aktiven Bereiche haben, wissen die Forschernoch nicht.
 
"Keine böse Überraschungen"
Bei der Untersuchung liegt dem Wissenschaftler wenigerdaran, alte Vorurteile mit neuen Hirnscans zu untermauern. SolcheUntersuchungen hätten durchaus auch praktische Bedeutung,betont Forsting: "Es gibt Situationen, in denen es sehr wichtigist zu wissen, ob man einen Mann oder eine Frau vor sich hat.Dieses Problem stellt sich vor allem bei Transsexuellen, die eineGeschlechtsumwandlung vornehmen lassen wollen. "Als Operateurhätten Sie da sicher gerne Gewissheit, um keine bösenÜberraschungen zu erleben. Ziel des Eingriffs ist es ja schließlich,dass diese Menschen mit ihrem neuen Körper glücklichersind als vorher."
 
Bisher werden vor einer Geschlechtsumwandlung fastausschließlich psychologische Tests angewandt. Dabei willForsting die Kollegen keineswegs ersetzen, aber "je mehr Mosaiksteineman hat, um das wahre Geschlecht zu erkennen, um so sicherer dürfensich die Patienten fühlen - und natürlich auch der Operateur."
 
Ein weiteres brisantes Anwendungsgebiet dieserTechik könnte die Beurteilung von Sexualstraftäternsein. Diese sind sehr viel leichter erregbar als durchschnittlicheErwachsene. Für den Strafvollzug, für die Gutachterund für die Gesellschaft stellt sich natürlich die Frage,ob und wann man diese Menschen wieder in die Freiheit entlassendarf. Eine von mehreren Voraussetzungen dafür könntees sein, bei diesen Menschen mit Hilfe von Hirnscans eine Normalisierungder Erregungsmuster nachzuweisen, gibt Forsting zu bedenken.
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