Ohne Hintergedanken

City4U zu Gast auf einer Kuschelparty

Einmal im Monat findet im 17. Bezirk Wiens einzige Kuschelparty statt. Männer und Frauen jeden Alters und mit jedem Beziehungsstatus kommen hierher, um mit fremden Menschen unter Anleitung zu kuscheln. Um zu erfahren, wie so ein Kuschelfest abläuft und was die Beweggründe der Menschen sind, die hierher kommen, hat City4U eine Veranstaltung besucht.

Versteckt im 17. Wiener Gemeindebezirk befindet sich das Therapiezentrum Hyrtlgasse. Etwa einmal im Monat verwandeln sich die Seminarräume in ein Kuschelparadies. Etwas verspätet ist die Tür schon verschlossen. Nach einigen Minuten wird sie geöffnet. Verspätungen werden nicht gern gesehen, immerhin soll alles ungestört ablaufen. Im großen Raum sind schon Matratzen ausgebreitet und etwa 20 Menschen sitzen in gemütlichen Turnoutfits in einem Kreis. Es sind etwas mehr Frauen als Männer da.

Die Vorstellungsrunde hat gerade begonnen. Man sagt seinen Namen, wie man sich fühlt und was man sich von dem Abend erwartet. Eine junge Frau macht auf eine Rückenoperation aufmerksam, um gleich vorweg klar zu stellen, dass sie an dieser Stelle nicht berührt werden möchte. Eine andere erzählt, dass sie gestern ihre Freundin umarmt hätte und das Gefühl so schön fand, dass ihr einfiel, einmal wieder auf eine Kuschelparty zu gehen. 

Eine Kuschelparty „bietet einen geschützten Rahmen, in dem man Menschen behutsam begegen, in dem man achtsame Berührungen geben und erfahren kann“, erklärt Kuscheltrainerin Andrea Kiss, die durch den Abend führt. Eine wichtige Regel wird noch betont: „Es geht nicht um Sex. Die Kleidung bleibt an und das Berühren errogener Zonen ist tabu.“ Wenn eine Übung für einen selbst zu weit geht, kann man jederzeit „Nein“ sagen und sich ins „Leo“ setzen. Dann geht es auch schon los.

Zuerst gibt es ein paar Lockerungsübungen, man tanzt durch den Raum, manche lachen und jauchzen laut. Dann nimmt man jemanden an der Hand, um ein Stück des Weges miteinander zu gehen, dann schaut man der nächsten Person tief in die Augen. Es ist schwer, nicht zu lachen zu beginnen - es ist sehr ungewohnt, jemanden Fremden so lange in die Augen zu schauen. Für die nächste Übung setzt man sich alleine gemütlich hin und berührt sich selbst, seine Hand, seine Arme, wo man es für angenehm erachtet. „Ihr habt nun das Privileg, Berührungen zu spüren und gleichzeitig auch zu geben“, sagt Kiss. Danach steht man in einem Kreis und berührt die Hände der anderen.

Jetzt folgt die „Ja-Nein-Übung“ - eine große Überwindung. Zwei Personen stehen sich gegenüber, die eine streichelt die andere. Diese sagt „Ja“ und die Berührungen gehen weiter oder „Nein“ und es wird eine andere Körperstelle berührt. Es wird viel gelacht und gekichert im Raum. Danach kommt die „Wohlfühl-Übung“: Dafür werden sieben Matratzen im Raum verteilt, eine Person setzt oder legt sich mit verbundenen Augen darauf und sagt zwei anderen Leuten, wo sie gerne berührt und gestreichelt werden möchte und wo nicht - dies wird dann 15 Minuten durchgeführt, anschließend wird gewechselt, sodass jeder Gast einmal drankommt. 

In der Pause unterhalten sich die Kuschler bei Tee und vegetarischen Snacks. Stefan, ein Gast vor Ort, geht seit einem Jahr regelmäßig hierher: „Dadurch, dass es keine sexuelle Komponente hat, kann ich jeden nehmen, wie er ist. Ich muss nicht jemand sein, sondern kann einfach hinfühlen“, erklärt der 45-Jährige Familienvater, der in einer Partnerschaft ist. Die junge Frau mit der Rückenverletzung teilt mir mit, dass sie diesmal nicht so zur Ruhe kommen konnte, wahrscheinlich weil eine City4U-Journalistin hier war. Damit alle ihre Kuschelparty genießen können, verzichtet Redakteurin Viktoria auf das große Finale: Nun wird auf einem riesigen Matratzenlager eine Stunde ausgiebig gekuschelt - zu zweit, zu dritt, alle zusammen, so wie jeder sich wohlfühlt.

Dezember 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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