Feuerlauf-Trainer:

„Jeder kann über glühende Kohlen rennen“

Mit nackten Füßen über bis zu 700 Grad heiße Kohlen zu laufen, die zusätzlich auch noch mit Spiritus bespritzt werden, sodass auch Flammen entstehen, kann sich wahrscheinlich niemand so recht vorstellen. Trotzdem kann es laut Martin Winkelhofer, Mentalcoach und Weltrekordhalter im Feuerlauf, jeder Mensch. Mit der richtigen Vorbereitung und mentalen Stärke soll man das Unmögliche schaffen. City4U hat ein Feuerlauf-Seminar besucht und sich auf die glühenden Kohlen gewagt.

Elf Leute haben sich an diesem verregneten Tag in einem Hotel-Seminarraum im burgenländischen Gols eingefunden, um im Laufe des Tages jene mentale Stärke aufzubauen, die es ihnen ermöglicht, am Abend über glühende Kohlen zu laufen. Die Beweggründe der Teilnehmer sind verschieden: „Ich bin gerade im Herbst des Lebens, vor dem Winter will ich noch etwas Verrücktes machen“, sagt einer der Anwesenden. Eine Dame wollte schon seit 20 Jahren einen Feuerlauf begehen und jetzt war sie so weit. Für die 44-jährige Elisabeth soll es „Teil meines Selbstfindungstrips werden“. So verschieden die Gründe der Anwesenden sind, so ist es auch das Alter und das Geschlecht. Das Ziel ist jedoch allen gemein: In etwa neun Stunden über glühende Kohlen zu laufen.

#Feuerlauf als Metapher
Ermöglichen soll und will das Mentaltrainer Martin Winkelhofer. „Der Feuerlauf ist ja eigentlich nur eine Metapher für die Ängste des Lebens. Er bietet sich gut an, weil jeder weiß, wie heiß Feuer ist und was es anrichten kann“, erklärt der 60-Jährige im City4U-Gespräch. Das eigentliche Ziel des heutigen Feuerlauf-Seminars soll sein, dass die Teilnehmer mentale Strategien lernen, um ihre Ängste zu überwinden und persönliche Ziele leichter erreichen zu können. „Mit der Strategie, mit der ich die Angst vor dem Feuer überwinde, kann ich alles andere auch überwinden. Das Negative mental ins Positive zu verwandeln ist der Punkt.“

#Das Unterbewusstsein bestimmt das Leben
Das geht am besten im Alpha-Zustand - wenn man völlig entspannt ist. Diesen Zustand erlangt man auf natürliche Weise - kurz nach dem Aufwachen oder vor dem Einschlafen. „Forscher sagen, dass all unsere Handlungen und Gedanken zu 97 Prozent aus dem Unterbewusstsein gesteuert werden. Das Ziel ist also, mit dem Bewusstsein das Unterbewusste zu steuern. Das kann man durch Übungen und Meditation trainieren und das fruchtet am meisten im Alpha-Zustand“, beschreibt Winkelhofer im Seminar. Er muss es wissen, immerhin ist er der Weltrekordhalter im Feuerlauf über eine Distanz von 285 Metern. Um sich mental herauszufordern, steckt er sich oft Ziele, die er mittels mentaler Kraft erreichen möchte: „Ich habe mal vier Jahre lang keinen Kaffee getrunken, mit dem Rauchen komplett aufgehört. Drei Monate habe ich ab 14 Uhr nichts mehr gegessen und ich habe es geschafft, Marathonläufer zu werden.“

#Das Feuer wird entfacht
Nach vielen Stunden mentalem Training und der Vorstellung über das Feuer zu laufen, um damit das Unterbewusstsein auszutricksen „weil es ja nicht weiß, wann es nur Vorstellung ist oder tatsächlich stattfindet“ ist es nun bald so weit. Gemeinsam geht die Gruppe hinaus um das Holz zu stapeln und schließlich das Feuer zu entzünden. Nun sind es noch gute zwei Stunden bis alle über die Kohlen laufen werden. „Natürlich muss es niemand tun. Bis jetzt haben es jedoch immer alle Teilnehmer probiert“, sagt er. Ein letztes Mal wird die mentale Stärke, der Feuerlauf in Gedanken absolviert. Im Laufe des Tages haben die Teilnehmer bei kalten Temperaturen die Schuhe ausgezogen, um das kühle, nasse Gras unter den Füßen zu spüren - das wird sich noch als nützlich erweisen.

#Ich will es, ich kann es, ich schaffe es
Um 21.30 Uhr ist es schließlich so weit. Alle Teilnehmer gehen raus auf die Wiese. Der Mentalcoach bereitet die Kohlen vor. Allein wenn man daneben steht, spürt man die Hitze. Bis jetzt hielt sich Angst und Nervosität in Grenzen, doch jetzt macht sich ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend breit. Doch dann geht alles ganz schnell. Die Schuhe werden ausgezogen und einer nach dem anderen läuft über die Kohlen. Zuvor sagen, schreien oder flüstern die Teilnehmer: „Ich will es, ich kann es, ich schaffe es“. Nun bin ich an der Reihe, schaue nach oben und denke an kühles, nasses Gras während ich über die Kohlen gehe. Tatsächlich hat es weder weh getan, noch hat jemand eine Verletzung davongetragen. Wie das geht? Alles Kopfsache.

Alle bis auf ein Paar laufen mehrere Male über die glühenden Kohlen. Auch als Spiritus dazugegossen wird, lässt sich keiner abschrecken. Tatsächlich haben es alle geschafft und die Stimmung ist ausgelassen und glücklich. Zum Abschluss erhält jeder eine Urkunde und hält eine kleine Rede. „Die mentale Stärke, durch die man über Feuer laufen kann, kann man überall einsetzen und alle Ängste überwinden“, betont der 60-Jährige. Denn das ist auch sein Hauptwunsch: Dass jeder Teilnehmer ab jetzt alle seine wertvollen Ziele erreicht.

Dezember 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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