Mo, 17. Dezember 2018

Okkulte Frauenbande

02.12.2018 06:08

„War überzeugt, dass Gott selbst zu mir sprach“

Seit Jahren behauptete eine Kärntnerin, in direkter Verbindung zu Gott zu stehen. Unzählige Menschen gaben der „Seherin“ deswegen hohe Geldbeträge. Zwei ihrer Jüngerinnen waren dazu bereit, für sie Verbrechen zu begehen. Eine der beiden zuletzt sogar einen Mord?

Es war „irgendwann Ende September“, als Barbara H. (43) - ihren Angaben zufolge - „überraschenden Besuch bekam“, in ihrer Wohnung am Ossiacher See. Von ihrer besten Freundin, von der Frau, die sie als heilig betrachtete, von der sie dachte, sie habe einen direkten Draht zum „Vater“ - zu Gott.

„Überzeugt, dass ER selbst zu mir sprach“
So oft hatte Margit T. ja schon eindrucksvoll ihre scheinbar übernatürlichen Kräfte unter Beweis gestellt, „wenn sie plötzlich einen starren Blick bekam und mit fremder Stimme erklärte, wie bestimmte Personen dazu gebracht werden sollten, Geld zu spenden“. Für IHN, „den Vater“, „unseren Gott“. Der regelmäßig fette Finanzspritzen benötigte, um das Böse auf dieser Welt zu vernichten – schlechtes Karma, Krankheiten, Naturkatastrophen. „Wirklich“, behauptet Barbara H. nun in Polizeiverhören, „ich war davon überzeugt, dass ER selbst zu mir sprach, in diesen besonderen Momenten.“

Nach denen Margit T. „jedes Mal total erschöpft wirkte und verwirrt fragte, was gerade geschehen sei. Ich erzählte ihr natürlich, welche Anordnungen der Vater mir über sie gegeben hatte, und stets waren wir uns einig, dass ich seine Befehle befolgen müsse.“ Genauso wie jene, die manchmal per SMS vom Handy der 47-Jährigen bei Barbara H. eintrafen, in Großbuchstaben: „Das Zeichen dafür, dass ER die Nachrichten verfasst hatte.“

Gabe, drohendes Unheil „erspüren“ zu können
Und die gebürtige Ungarin - gelernte Kellnerin, geschieden, eine sechsjährige Tochter - zog dann immer gleich los, „um die Aufgaben zu erledigen“. Sie plünderte ihr Bankkonto, nahm Privatkredite bei Verwandten und Bekannten auf, unter Vorspiegelung diverser Notsituationen. Zigtausende Euro landeten so in „der Bank“. Dem Stauraum einer Sitzgelegenheit im Keller des Hauses von Margit T., nahe Villach. Wo die 47-Jährige ein Energetikstudio betrieb, Fußreflexzonenmassagen anbot.

Doch dabei blieb es nicht. Während der Behandlungen plauderte die Frau nämlich gerne ausführlich über die ihr angeblich von Gott verliehene Gabe, drohendes Unheil - Krebsleiden, Herzinfarkte, Todesfälle - „erspüren“ zu können. Vielleicht war es ihre vorgegaukelte Empathie, vielleicht ihr mitunter furchterregender Blick - sie schaffte es, unzählige „Patienten“ in ihren Bann zu ziehen, ihnen Angst einzujagen. Aber - zur Erleichterung der Opfer - hatte sie auch Lösungen parat, wie die prophezeiten Dramen abzuwehren wären: durch das Deponieren hoher Geldbeträge. In „der Bank“.

„Gebäude verstrahlt und deshalb zu vernichten“
Mindestens eine Million Euro soll Margit T. seit 2010 ergaunert haben. Durch „Fluch-Beseitigungen“. Durch mysteriöse Erbschaften. Und mithilfe ihrer beiden Jüngerinnen, Melitta O. (61) – und Barbara H. Die zwei Frauen - in den vergangenen Monaten legten sie mehrere Brände. In Häusern, in Ställen. Ihr Motiv: „Der Vater hatte uns über Margit ausrichten lassen, dass die Gebäude verstrahlt und deshalb zu vernichten seien.“

Aber zurück zu diesem Tag Ende September, als die „Seherin“ an Barbara H.s Esstisch saß und von peinigenden Sorgen berichtete. Gertraud P., eine 72-jährige Villacherin, betreffend. Die Pensionistin - verwitwet, zwei Töchter, vermögend, dem Okkulten zugeneigt - war 2013 in die Fänge von Margit T. geraten, seitdem hatte sie ihr nach und nach etwa 100.000 Euro ausgehändigt – und sie notariell zur Erbin ihrer Eigentumswohnung bestimmt.

„Traudi erfährt höchstes Glück, wenn sie stirbt“
Doch seit dem Sommer äußerte die Rentnerin laufend öfter Zweifel an der Seriosität ihres „Wahlkinds“ - wie sie die Energetikerin nannte. Sie drohte ihr mit Anzeigen und mit einer Testamentsänderung. „Margit war deswegen mit den Nerven völlig am Ende“, Barbara H. im Verhör, „Traudi sei ein böser Mensch, sagte sie, und dass von ihr negative Energie ausgehe. Deshalb wäre es meine Pflicht, sie zu erwürgen. Ich fing zu weinen an, schrie: ,Nein, ich kann sie nicht ermorden.’ Aber Margit ließ nicht locker. ,Traudi erfährt höchstes Glück, wenn sie stirbt’, bläute sie mir ein, ,denn damit bekommt sie endlich die von ihr so sehr erwünschte Karmareinigung ...’“

Auch dieses Argument habe bei Barbara H. nicht gefruchtet, woraufhin T. ihre „göttlichen Kräfte“ ins Spiel gebracht habe: „Wenn du nicht machst, was ich dir befehle, wird deine Tochter wahrscheinlich nicht mehr lange leben.“ Noch am selben Abend bekam das Mädchen hohes Fieber. „Danach“, erinnert sich Barbara H., „war ich zu allem bereit ...“

„Ich war traurig, als ich von Traudis Tod erfuhr“
Das grauenhafte Verbrechen geschah am 6. Oktober - während Margit T. in Kitzbühel urlaubte, in Begleitung ihres Ehemanns. „Ich war unendlich traurig, als ich später von Traudis Tod erfuhr“, beteuert die Energetikerin - und dass sie „selbstverständlich nichts mit der fürchterlichen Tat zu tun“ habe: „Ich verstehe nicht, warum mich meine beste Freundin fälschlich belastet. Denn ich war doch immer nur gut zu ihr. Genauso wie zu Traudi.“

„Unsere Mama ist der beste Mensch auf dieser Welt, niemals wäre sie dazu fähig, anderen zu schaden“, schluchzen der Sohn und die Tochter der Frau. „Alles ist bloß ein schrecklicher Irrtum“, sagt ihr Mann. Und, als würde das die Unschuld der 47-Jährigen beweisen, gehen die drei in den Keller ihres Hauses bei Villach und zeigen auf „die Bank“. Weihnachtskekse sind jetzt darin gelagert. Margit T. hat sie in den Stunden vor ihrer Verhaftung gebacken.

Martina Prewein, Kronen Zeitung 

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Kärnten
Aktuelle Schlagzeilen
Design aus Österreich
Nachhaltig und trotzdem modisch? Wie geht das?
Gesund & Fit
Salzburg-Abschied?
Nächster Deutschland-Klub angelt nach Marco Rose
Fußball International
Skurrile Überraschung
Video: Hier spielt der Vizekanzler Christkindl
Österreich
Rapid - Inter 1990
Schöttel: „Lebenslange Sperre? Lothar übertreibt!“
Fußball International
Tauwetter am Freitag
Weiße Weihnachten: Noch lebt die Hoffnung!
Österreich
Salzburg gegen Brügge
Wie 1990! Rapid bekommt‘s mit Inter Mailand zu tun
Fußball International
Geste gegen Goalie
Ronaldo-Kritik: „Ein Champion macht das nicht!“
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.