Beruf: Skeptiker

„Homöopathie ist Unsinn, Impfgegner gefährlich“

Bei Homöopathie, Impfungen und Esoterik scheiden sich die Geister. Die einen schwören darauf, die anderen sind sich sicher, dass es nicht funktioniert. Ulrich Berger, Präsident der „Gesellschaft für kritisches Denken“ (GkD) sieht das Ganze zwar sehr leidenschaftlich, aber von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus: „Zu den Zielen der Skeptikern gehört Aufklärung und Information über Pseudowissenschaft und Scharlatanerie, eine Festigung des skeptisch-naturwissenschaftlichen Weltbildes und die wissenschaftliche Überpüfung von parawissenschaftlichen Behauptungen.“

Prof. DDr. Ulrich Berger ist eigentlich Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seine Leidenschaft sind jedoch seit seiner Teenagerzeit die Naturwissenschaften, vor allem die kritische Betrachtung parawissenschaftlicher Behauptungen. „In meiner Jugend las ich über UFOs, das Bermuda Dreieck und Telepathie, das konnte ich kaum glauben. Also suchte ich nach kritischer Literatur dazu und stieß auf das ,Committee for Skeptical Inquiry‘, die amerikanischen Skeptiker, denen einige Nobelpreisträger angehören. Schließlich erfuhr ich von der deutschen ,Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften‘ (GWUP) und landete letztendlich beim Wiener Ableger, der seit 2007 ein Verein ist“, erklärt Berger im Gespräch mit City4U.

#Homöopathie funktioniert nicht
Sein Spezialgebiet ist mittlerweile die Homöopathie, deren Wirksamkeit er leidenschaftlich und wissenschaftlich begründet anzweifelt. Die GkD ist sich sicher, dass Aberglaube, Esoterik und Unwissenschaftlichkeit nur deswegen nach wie vor blühen, weil die Menschheit nicht genügend informiert ist. Viele würden sich leichtgläubig von Scharlatenen in die Irre führen lassen. Die Skeptikerbewegung steht paranormalen, übernatürlichen und übersinnlichen Phänomenen kritisch gegenüber - nicht aus dogmatischer Ablehnung, sondern aufgrund wissenschaftlicher Argumente.

Doch was bedeutet kritisches Denken überhaupt? „Kritisches Denken ist, sich stets der Fehlbarkeit der eigenen Intuition bewusst zu sein. Wenn das eigene Weltbild dem wissenschaftlichen Konsens widerspricht, dann sollte man zuerst das eigene Weltbild kritisch hinterfragen, nicht den wissenschaftlichen Konsens. Wenn das jeder täte, gäbe es weder Klimawandelleugner noch Impfgegner, Wünschelrutengeher oder Homöopathen“, ist sich Berger sicher. Der Professor hält auch nichts davon, wenn Personen mit dem „Galileo-Gambit“ argumentieren: „Diese meinen dann, Galileo wäre anfangs auch ausgelacht und bekämpft worden. Es genügt jedoch nicht, ausgelacht zu werden. Um die Wissenschaft zu revolutionieren, muss man schon auch Recht haben.“

#Yetis, Globuli und Meridiane
Der Skeptiker gibt zwar zu, dass nicht alle Phänomene wissenschaftlich erklärt werden können, doch das wäre auch nicht der Punkt: „Problematisch sind jene angeblichen Phänomene, deren bloße Existenz nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, wie Yetis, Geister, Meridiane oder die ,Heilinformation‘ der Globuli. Lehren, die auf derartigen Dingen beruhen oder sie inkludieren, haben ein Problem mit der Realität.“ Der Wiener hat auch nichts gegen Esoterik, solange es ein harmloser Zeitvertreib für Menschen ist, die sich damit wohlfühlen. „Problematisch wird es aber, wenn Tatsachenbehauptungen aufgestellt werden, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Es gibt zahlreiche esoterische Verfahren, die hart an der Grenze zur Kurpfuscherei agieren.“

#Seuchenfreunde
Ein Problem hat Berger auch mit Impfgegnern. „Die ,Seuchenfreunde‘ - wie sie auch genannt werden - müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie dabei mitwirken, die Ausrottung von impfpräventablen Krankheiten zu verzögern und damit indirekt zum Tod von Kindern beitragen. Gegen Impfungen zu sein ist wissenschaftlich unbegründet und moralisch falsch“, betont der GkD-Präsident.

Für die Zukunft wünscht sich Berger „eine aufgeklärte, kritische Gesellschaft“ und für die Erreichung dieses Ziels sei die GkD essentiell, „weil die Informationsflut sonst von Fake News dominiert würde“. Vor zehn Jahren wäre man beim Thema Homöopathie im Netz nur auf Desinformationen von Profiteuren derselben gestoßen. „Heute stößt man schnell auf wertvolle, kritische Informationen, wie zum Beispiel vom ,Informationsnetzwerk Homöopathie‘, einem Spin-Off der GWUP.“

#Das Goldene Brett vorm Kopf 2018
Wer sich die Arbeit der Skeptiker genauer ansehen möchte: Auch heuer verleiht die Bewegung den Negativpreis „Das goldene Brett vorm Kopf“ - am 28. November 2018 ab 20 Uhr in der Wiener Urania -  an Personen oder Institutionen, die mit wissenschaftlich widerlegten oder unsinnigen Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen. Zu den Nominierten heuer gehören Christina von Dreien, das Krankenhaus Nord und Hans Tolzin. Die Veranstaltung kann bei freiem Eintritt besucht werden.

November 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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