20.11.2018 06:22 |

Prozess in Innsbruck

Geld von Anlegern im „Nirgendwo“ versenkt

„Schuster bleib bei deinem Leisten“ - dieses Sprichwort untermauerte ein Prozess am Landesgericht eindringlich: Ein Bauingenieur (32) ließ sich von dubiosen Wetten auf Aktienkurse begeistern und sammelte dafür auch 43.000 € von anderen Leuten ein. Alles entpuppte sich als Nepp - Anklage wegen schweren Betruges.

Binäre Optionen nennen sich die Aktien-Wetten auf steigende oder fallende Kurse, die von diversen Internetplattformen angeboten werden. Vor den Casino-ähnliche Geschäften warnt unter anderem die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde. Der Tiroler Bauingenieur mit eigener Firma wurde von den traumhaften Rendite-Versprechungen aber offenbar in den Bann gezogen.

„So etwas ist doch nicht seriös“
Über einen ihm bekannten EDV-Profi, zu dem er „unendliches Vertrauen“ hatte, wollte er in die so genannten Trades einsteigen. „Das Risiko betrug 0,01 Prozent. Gleichzeitig konnte man den Einsatz binnen eines Jahres verdoppeln“, erzählte der Angeklagte. „So etwas ist doch nicht seriös. Dazu müssen Sie nicht Betriebswirtschaft studiert haben, sondern nur den Hausverstand einschalten“, schnaufte die Richterin.

Aber es kam noch dicker: Weil eine Trader-Plattform keine weiteren Kunden aufnehmen wollte, verschickte man Geld an einen angeblichen polnischen Anwalt, mit dem man nicht einmal einen Vertrag hatte, damit dieser die Investitionen tätige. Strafrechtlich fatal: Der 32-Jährige überzeugte auch einen Tiroler Finanzdienstleister vom Geschäftsmodell. Auch dieser offenbarte beim Prozess ziemliche Naivität: „Ich habe am Bildschirm gesehen, dass aus 3000 Euro in kurzer Zeit 20.000 Euro wurden.“

Rechtskräftiger Freispruch
Als er sich den Gewinn auszahlen lassen wollte, war dies freilich nicht möglich. Da hatte er aber schon mehrere Bekannte von den Aktien-Wetten überzeugt. Auch im Namen seines Vaters investierte er 10.000 Euro - „um die Pension aufzubessern“. Strittig war beim Prozess, ob er den Kunden und gestrigen Zeugen gesagt hatte, in welch risikoreiche Geschäfte das Geld investiert werde. Nach siebenstündiger Verhandlung gab es einen rechtskräftigen Freispruch. Ein Betrug des 32-Jährigen an den Anlegern sei nicht beweisbar.

Andreas Moser
Andreas Moser
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