13.11.2018 13:37 |

Aufruhr in Tschechien

Sohn von Premier Babis wirft Vater Entführung vor

Ein Sohn des tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis hat mit der Behauptung, er sei im vorigen Jahr von Mitarbeitern seines Vaters auf die von Russland annektierte Krim verschleppt worden, neuen Schwung in die sogenannte Storchennest-Affäre gebracht. „Mein Vater wollte, dass ich verschwinde“, zitierte das Nachrichtenportal Seznamzpravy.cz Andrej Babis junior am Dienstag.

Man habe ihm damit gedroht, ihn in eine psychiatrische Anstalt einzuweisen, sagte der Sohn Babis‘ aus erster Ehe. Er war Miteigentümer des mittelböhmische Wellness-Resorts „Storchennest“, während dieses EU-Subventionen erhielt. Der Babis-Familie wird in diesem Zusammenhang Subventionsbetrug vorgeworfen.

„Mein Vater wollte, dass ich verschwinde“
Wie Babis junior nun erklärte, wurde er von Mitarbeitern seines Vaters wegen dieser Affäre auf der Krim festgehalten. Sein Vater habe gewollt, dass er (Babis jr.) wegen der „Storchennest“-Ermittlungen aus Tschechien verschwinde, so der 35 Jahre alte ausgebildete Pilot, der heute in der Schweiz lebt. Babis junior erklärte zudem, er habe auf der Krim im Zusammenhang mit dem Wellness-Ressort „etwas“ unterzeichnet, allerdings habe er „überhaupt nicht gewusst“, was das gewesen sei.

„Mein Sohn ist psychisch krank“
Vater Babis wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer „Jagd auf seine Familie“. „Die Fakten sind klar: Mein Sohn ist psychisch krank“, teilte der 64-jährige Gründer der populistischen Partei ANO via Facebook mit. Sein Sohn müsse deshalb unter Aufsicht sein, niemand habe ihn entführt, vielmehr habe er Tschechien freiwillig verlassen.

Betrug mit Fördergeldern?
In der „Storchennest-Affäre“ geht es darum, dass das Firmenimperium des heutigen Premiers Babis - „Agrofert“ - knapp zwei Millionen Euro an EU-Förderung für das Projekt erhalten haben soll, obwohl die Gelder für kleine und mittelständische Unternehmen bestimmt waren. Babis soll das Resort zu diesem Zweck zeitweise auf Verwandte überschrieben haben. Der Regierungschef bestreitet jegliche Schuld, obwohl die Ermittlungen in dieser Sache seit Monaten laufen, weswegen ihm auch die Parlamentsimmunität entzogen worden war.

Opposition fordert Rücktritt
Die oppositionelle liberal-konservative Partei TOP 09 forderte Babis zum sofortigen Rücktritt auf. Es handelt sich um „eine der schlimmsten Affären, die es in Tschechien seit 1989 gegeben hat“, sagte der Chef von TOP 09, Jiri Pospisil. Die christdemokratische Volkspartei (KDU-CSL) will eine Misstrauensabstimmung gegen die Regierung erwirken, um die Ungereimtheiten in der Affäre zu klären.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).