13.11.2018 06:00 |

Verräter-Verdacht

Salzburger Brigadier war „falscher“ Russen-Spion

Er ist gebürtiger Salzburger, 70 Jahre alt und pensionierter Bundesheer-Offizier. Mit diesen Eckdaten zu leben, war dieser Tage für Alfred K. (Name vom Autor geändert) ein fragwürdiges Vergnügen. Denn sie passen auch genau ins Täterprofil des „Russen-Spion“, dessen Identität bisher strikt geheim gehalten wurde.

„Das Ganze hat mich an den Ambros-Hit ,Da Hofa‘ erinnert“, erzählt Brigadier K. von etlichen Anrufen aus seinem  Bekanntenkreis in den letzten Tagen: „Da ist es nur darum gegangen, ob ich jene anonym gehaltene Person bin, die in den Leserbriefen der Zeitungen schon als Landesverräter und Kameradenschwein tituliert wurde. Als am Wochenende auch noch durchgesickert ist, dass der ,Spion’ bei den Panzern und bei UNO-Einsätzen auf den Golan-Höhen war, da stand für einige endgültig fest, dass ich der besagte Russen-Kollaborateur wäre. Denn auch diese zwei Fakten finden sich in meiner beruflichen Laufbahn.“

Wie Rufmord ohne Absicht passiert

Alfred K., ein in allen Ehren ergrauter Angehöriger einer angesehenen Salzburger Offiziers-Dynastie, nimmt die Sache,  was ihn persönlich betrifft, mit Humor. Ergänzt aber sofort: „Zum Lachen ist das Ganze eigentlich ganz und gar nicht. Das Offizierskorps hegt  zu Recht die Besorgnis, dass wegen einem einzelnen Missetäter ein ganzer Berufsstand ins schiefe Licht gerät und befürchtet darüber international weiteren Schaden für unser Ansehen: Zuerst diese Causa mit dem Unteroffizier aus Gmunden, der technische Daten aus dem  europäischen Hubschrauberprojekt an einen Russen weitergegeben hat, dann die BVT-Affäre - und jetzt das“

In Bezug auf seine eigene jüngste Erfahrung verweist K. auf die generelle  Problematik bruchstückhafter Information: „So kann eine völlig unbeteiligte Person urplötzlich unter Verbrechensverdacht geraten, nur weil sich in ihrem Profil zufällig Übereinstimmungen mit Details aus jenem des eigentlichen Täters finden. Da passiert dann Rufmord ohne Absicht.“

Sandra Aigner
Sandra Aigner
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