„Vienna Ghosthunters“

Als Geisterjäger auf der Suche nach Paranormalem

Man sagt den Wienern ja einen gewissen Hang zum Morbiden nach. Im Falle der Vienna Ghosthunters stimmt das auf jeden Fall. Denn diese Gruppe von furchtlosen Geisterjägern hat es sich zur Aufgabe gemacht, paranormale Phänomene auf wissenschaftlicher Ebene zu erforschen. City4U war bei einer Spuktour am Wiener Friedhof der Namenlosen mit dabei.

„Im Regelfall ist es so, dass Friedhöfe, bis auf wenige Ausnahmen, spukfrei sein. Denn die Energien - was Geister ja im Prinzip sind - halten sich lieber dort auf, wo sie sich schon zu Lebzeiten wohlgefühlt haben“, erklärt Wilhelm Gabler, Obmann und Gründer der Vienna Ghosthunters im City4U-Gespräch. Der Friedhof der Namenlosen zählt jedoch zu den besagten Ausnahmen, denn hier finden vor allem Mordopfer die letzte Ruhe, die die Donau aufgrund einer gewissen Strömung jahrzehntelang an dieser Stelle am Alberner Hafen angespült hat. Die beiden Geisterjägerinnen Nicole Malota und Larissa Faltus haben vor einer Woche paranormale Phänomene wahrgenommen. Dem wird jetzt näher nachgegangen und City4U ist dabei.

Alleine die Anfahrt zum Friedhof ist in der Dunkelheit schon grußelig. Dort angekommen wartet die Gruppe schon und stellt uns ihre technischen Hilfsmittel vor: Laserprojektoren, Elektromagnetische Feldmesser, Infrarot- und Nachtsichtfotoapparate, Tonaufnahmegeräte und auch Rauch. „Wenn wir an Spukorte fahren, versuchen wir Paranormales technisch zu belegen und für die Nachwelt festzuhalten“, erzählt Gabler. Seine ersten Erfolge bei der Geistersuche hatte der 38-Jährige am Friedhof der Namenlosen. Nachdem er sie publiziert hatte, fand er schnell Gleichgesinnte und gründete 2001 schließlich die Vienna Ghosthunters. Seitdem rücken sie etwa zwei Mal pro Monat aus, um Unerklärliches zu entdecken.

Bei einer typische Mission wird zuerst blind drauf los fotografiert, auch mit Infrarot- und Nachtsichtkameras. Danach werden Tonaufnahmen gemacht. Gabler beginnt mit Fragen und auch die übrigen Ghosthunters machen mit. „Wer ist hier?“ „Wie heißt du?“ „Bist du ein Kind?“ „Was war dein Lieblingsspielzeug?“ sind einige der Fragen. Danach wird die Tonaufnahme auf etwaige Antworten abgehört. An diesem Abend hat jedoch niemand geantwortet. Doch während der Fragerunde reagiert ein EMF-Messgerät - ist doch jemand unter uns? „Geister können sich durch Schrittgeräusche, Stimmen, visuelle Anomalien oder auch Wesens- und Emotionsveränderungen bemerkbar machen“, weiß der Wiener. Als letzter Schritt wird Rauch produziert um eine von vielen Möglichkeiten auszuschöpfen, Unsichtbares eventuell sichtbar zu machen. Doch auch hier gibt es heute kein eindeutiges Ergebnis.

Das ist jedoch nicht immer so: „Auf der Ruine Rauhenstein habe ich während eines Live-Streams einen starken Stoß in den Rücken bekommen, das Gleichgewicht verloren und mein Laptop zersprang in tausend Teile. Ich war ganz alleine unter dem Motto ,Alone in the dark‘ dort. Während des Live-Streams teilten mir Zuseher via Chat mit, dass hinter mir ein Schatten auf mich zukommen würde. Als ich mich umdrehte war nichts. Kurz darauf kam der besagte Stoß. Ich rannte raus und ließ mich von einer besorgten Kollegin abholen. Ich erzählte ihr, was geschehen war, zog mein Shirt hoch und auf meinem Rücken war tatsächlich noch ein Handabdruck zu sehen.“

Neben der Erforschung von mystischen Orten, werden die Ghosthunters auch von Privatpersonen engagiert, die der Meinung sind, dass es bei ihnen spukt. „Unsere Dienste sind immer kostenlos. Unser Lohn ist es, wenn wir den Menschen dabei helfen können, sich wieder wohl in ihren eigenen vier Wänden zu fühlen. Seit 2001 bieten wir Hilfe bei Spuk und ich kann sagen, dass es noch nie Geister waren, die die bestimmten Phänomene ausgelöst haben“, betont Gabler. Das meiste sei logisch zu erklären gewesen. Anders als bei Touren, wo Gabler und sein Team Spuk belegen wollen, wollen sie es in Privathäusern widerlegen. „Es ist ein ganz anderer Vorgang.“

Wie gehen Gabler und sein Team mit Kritikern um? „Jeder soll glauben, was er möchte und hat ein Recht, uns in Frage zu stellen. Wir bieten diesen Leuten an, ihre eigenen Erfahrungen mit uns zu machen und bei einer Schnuppertour dabei zu sein. Da wir für unsere Tätigkeit kein Geld verlangen, ist auch der Vorwurf des Ausbeutens und des Ausnutzens auf finanzieller Ebene aus dem Weg geräumt“, betont der Geisterjäger.

November 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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