06.11.2018 14:58 |

Technik perfektioniert

Wikinger dank Produktion von Teer große Eroberer?

Die kriegerischen Wikinger gelten als Meister des mittelalterlichen Schiffbaus. In seiner Blütezeit - zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert - verfügte das Seefahrervolk über Flotten aus Dutzenden Booten. Möglich gemacht habe das eine technologische Innovation der Nordmänner - die Produktion von Teer, mit dem die Langschiffe abgedichtet wurden. Die Herstellung des zähflüssigen, Gemisches erfolgte möglicherweise in größerem Maßstab als bisher bekannt.

Mit Teer dichteten die Wikinger die Planken ihrer Schiffe ab und imprägnierten vermutlich sogar ihre häufig aus Baumwolle hergestellten Segel. Wie Forscher um den Archäologen Andreas Hennius von der Universität im schwedischen Uppsala jetzt herausgefunden haben, dürften die Nordmänner die Produktion von Teer perfektioniert und die klebrige Substanz in großem Maßstab hergestellt haben. Sie wollen die Überreste einer regelrechten Teerindustrie entdeckt haben.

Hinweise auf Massenproduktion von Teer
Sie fanden - außerhalb von Siedlungen und in der Nähe von Kiefernwäldern - Löcher, bei denen es sich offenbar im Teeröfen handelte, die ausschließlich der Massenproduktion des zähflüssigen, bräunlichen bis schwarzen Dichtmittels dienten. 200 bis 300 Liter des Gemisches, das entsteht, wenn Holz in großen Gruben ohne große Sauerstoffzufuhr verschmort, produzierten die Wikinger so pro Brennzyklus und Grube, berichten die Forscher im Fachjournal „Antiquity“.

Bisher war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass es sich bei den großen Löchern um Produktionsstätten für Holzkohle oder Fallen für Tiere gehandelt hat. Man hatte zwar immer Teeröfen gefunden, doch handelte es sich dabei um Anlagen in Dörfern, mit den sich pro Brennvorgang höchstens 15 Liter Teer gewinnen ließen. Dieser technologische Vorsprung, was das Abdichten der Schiffe betrifft, könne möglicherweise erklären, warum die Wikinger zu ihrer Blütezeit derart gefürchtete Seefahrer waren, so die Wissenschaftler.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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