Di, 13. November 2018

Schwimmendes Hotel

06.11.2018 08:42

Zimmer mit Aussicht

Schwimmende Hotels sind in, Kreuzfahrten liegen im Trend. Einmal Koffer auspacken, jeden Tag eine andere Destination und ein neuer Ausblick aus der Kabine. Abwechslungsreich und sehr bequem, um viel zu entdecken!

Dover, Südengland. Hohe Wellen treffen die berühmten weißen Kreidefelsen. Stürmische See, ein bisschen Naturschauspiel wie großes Kino. Das Kreuzfahrtterminal erinnert an vergangene Zeiten, als Kreuzfahrten noch sehr exklusiv waren. Alte schöne Eisenkonstruktion statt Betonhallenflair jüngerer Bauart. Das Schiff, das uns erwartet, ist auch etwas Besonderes: die „Crystal Serenity“, klein genug, um auch sogenannte Boutiquehäfen anzulaufen und eine familiäre Atmosphäre vorzufinden; groß genug, um abwechslungsreiches Entertainment und eine fast unschlagbare Kulinarik in vier verschiedenen Restaurants zu bieten. Ein perfekter Mix mit internationalem Flair und einem kleinen österreichischen „Touch“. Crystal Cruises hat ihren Sitz in Los Angeles, und dementsprechend ist ein Großteil der Passagiere aus den USA, aber überdurchschnittlich viele Crew-Mitglieder, vor allem in führenden Positionen, stammen aus Österreich.

Das macht stolz, wenn man sieht, wie unsere Touristiker überall auf der Welt gefragt und erfolgreich sind. Überhaupt legt man an Bord der Crystal-Schiffe ganz großen Wert auf Service; die „Crew ist das Herz“, sagt Tom Wolber, Präsident & CEO von Crystal Cruises, als er am Schiff nicht nur die interessierten Gäste, sondern auch die Mitarbeiter über die Zukunftspläne der Reederei informiert. Acht Schiffe befahren im Moment die Meere und Flüsse, auch Jachting mit der „Crystal Esprit“ hat man im Programm, aber ganz speziell wird es mit der „Crystal Endeavor“, einem luxuriösen Expeditionsschiff, das 2020 mit einem Crew-Passagier-Verhältnis von 1:1 in Dienst gestellt werden wird und Expeditionen an die entlegensten Orte dieser Welt wie zum Beispiel die Antarktis, inklusive Hubschrauber und U-Boot, im Routing hat. Aber das sind Zukunftsaussichten, aber welche, die immerhin schon buchbar sind.

Im hier und jetzt ist eine Balkonkabine unbedingt empfehlenswert; nicht dass es auf der „Serenity“ Innenkabinen gäbe, aber prinzipiell macht es bei einer Kreuzfahrt schon einen Unterschied, „ein Zimmer mit Aussicht“ für die Dauer einer Reise zu bewohnen. Die See hat sich beruhigt, spiegelt sich glatt und glänzend zu unseren Füßen, macht Lust auf einen Ausflug nach St. Peter Port. Wir liegen auf Reede, ein Tenderboot bringt uns in kurzer Zeit in die Inselhauptstadt von Guernsey. Prächtiger Blumenschmuck, so weit das Auge reicht. Beschaulich, die Atmosphäre ist absolut dazu angetan, sich zu entspannen. Vielleicht auf der Terrasse vom Hideaway Hotel die Sonne zu genießen, ein paar Austern – die hier absolut leistbar und für mich nirgendwo besser sind – zu schlürfen und – auf Deutsch angesprochen zu werden; Anni, die Hotelliersfrau stammt aus Österreich, die Bedienung heißt Melanie, besucht eine Salzburger Hotelfachschule und macht hier Ferialpraxis.

Nächster Hafen ist Bordeaux, wir liegen mitten in der Stadt vor Anker und haben die Qual der Wahl, so viel bietet die Umgebung. Kein Stress, wir bleiben zwei volle Tage, auch das ist ein absoluter Pluspunkt der „Crystal Serenity“, diese langen Liegezeiten, die Zeit geben, das Schiff und die Destination so richtig auszunutzen. Lange zu schlafen, ohne etwas zu versäumen. Auf dem Balkon den Morgen zu begrüßen, die Cité du Vin (www.laciteduvin.com) mit ihrer spektakulären Architektur genauso im Blick wie die wunderbaren Fassaden aus dem 18. Jahrhundert entlang der Garonne oder den Miroir d’Eau, das größte Reflektierbecken der Welt gegenüber dem Place de la Bourse. Die regelmäßigen Metamorphosen des zwei Zentimeter tiefen Wassers auf einer gigantischen Granitplatte verwandeln den Ort auf zauberhafte Weise in ein Spielgelände für Kinder, eine traumhafte Kulisse für Verliebte oder eine willkommene Erfrischung bei heißem Wetter. Schon in aller Frühe spürt man, wie lebendig diese Stadt ist: Entlang des Flusses wird geradelt, gejoggt, vor einer riesigen Videowall geturnt, andere führen ihren Hund aus, egal, zu welcher Tageszeit, hier ist immer etwas los. Mit dem Zug fahren wir anderentags nach Arcachon, baden im Atlantik, schlendern durch die entzückenden Straßen des alten Seebades und erleben einen sehr entspannten Ausflug zum Meer.

Es ist Zeit für uns, Abschied von Bordeaux zu nehmen, dem Fluss wieder bis zum Meer zu folgen und Kurs auf Portugal zu nehmen. Nun zahlt sich unser Zimmer mit Aussicht wieder aus, denn ich liebe es, auf dem Balkon zu sitzen und die Landschaft langsam vorüberziehen zu sehen. Nun bleibt Muße, die Annehmlichkeiten des Schiffs zu genießen. Pool-Landschaft, Spa, Paddle-Tennis, Golf, Tischtennis, flanieren oder joggen auf der Promenade, wir probieren alles aus. Natürlich auch die verschiedenen Restaurants; es ist schwer, hier eine Wertung abzugeben, denn im Grunde sind alle großartig, egal, ob Hauptrestaurant oder die Spezialitätenrestaurants. Günter Lorenz, ein gebürtiger Burgenländer, ist übrigens zuständig für den gesamten F-&-B-Bereich der Crystal-Flotte, der Kärntner Alfred Napotschnik ist Küchenchef des italienischen Restaurants Prego an Bord. Im asiatischen Umi Uma werden köstliche Kreationen von Nobu Matsuhisa serviert, eine wahre Gaumenfreude, die man unbedingt versuchen muss. Kulinarik ist ein wichtiger Punkt bei Crystal, den die Passagiere sehr schätzen. Die Kombination von Service, hervorragendem Essen, niveauvoller Unterhaltung und einem guten Routing kommt bei den Kreuzfahrern gut an, viele sind deshalb Stammgäste.

Der Entspannung folgt die Abwechslung. Porto ist unser nächstes Ziel. Das historische Zentrum, schnell mit dem kostenlosen Crystal-Shuttlebus vom Schiff zu erreichen, gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir erkunden die Stadt auf eigene Faust, aber natürlich werden in allen Destinationen organisierte, oft sehr exklusive (und kostenpflichtige) Landausflüge angeboten. Nach Porto kommt Lissabon; unser Schiff bleibt über Nacht, und so sind fast zwei Tage Zeit für Entdeckungen. Die Hauptstadt Portugals ist einfach großartig. Viele Sehenswürdigkeiten zeugen vom einstigen Reichtum der Seefahrernation, ein Besuch zahlt sich unbedingt aus. Trotzdem sind wir froh, als wir wieder voll von unseren Erlebnissen, aber sehr müde zurück an Bord kommen. Es ist wie heimkommen, man wird umsorgt, findet all die Annehmlichkeiten, die Kreuzfahrten so beliebt machen.

Barcelona liegt oft auf den Routen moderner Kreuzfahrer. Die Stadt hat auch einiges zu bieten: Sehenswürdigkeiten von Weltrang, Strand, Kulinarik, da passt alles. Schade nur, dass sich das auch viele andere Touristen denken und man all diese wunderbaren Attraktionen mit vielen anderen teilen muss.

Cassis, im Süden Frankreichs, verdient zu Recht einen Stopp. Wir liegen auf Reede, schauen rüber in den kleinen beschaulichen Ort. Hübsche Boutiquen, Hafenrestaurants, Strände in Gehdistanz. Ein Bootsausflug in die prachtvollen Calanques erweist sich als gute Entscheidung, der Nationalpark vor den Toren Marseilles mit seinen malerischen Felsklippen zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucher an. Cassis ist natürlich auch ein Tor in die wunderschönen Orte der Provence, was viele unserer Mitreisenden nutzen. Hier ist es ebenfalls ein großer Vorteil, dass die „Crystal Serenity“ über Nacht bleibt. Auch die schönste Reise geht irgendwann zu Ende, in diesem Fall in Monaco, wo - ist es Zufall oder von der Reederei so geplant - am letzten Tag unserer Reise ein gigantisches Feuerwerk stattfindet, ein Höhepunkt sozusagen als Abschied, fußfrei von unserem Balkon aus!

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Andrea Thomas, Kronen Zeitung

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