Mo, 19. November 2018

Uferende der Monarchie

07.11.2018 08:00

Triest: Die Rückkehr der Habsburger

Einst lebendiges Uferende der Monarchie, ist Triest heute historischer Ankerplatz für Besucher aus aller Welt. Ein Maria-Theresia-Denkmal wird nun der neue Stolz der Stadt.

Es ist ein Mikrokosmos, in den man eintaucht, sobald man die Stadtgrenze überquert hat. Die Offenbarung dieser kleinen Welt, längst italienisches Territorium, einst k. u. k. Zugang zum Meer, folgt auf dem Fuß. So erging es auch dem Autor, als er das erste Mal Triest betrat und die Umarmung einer ganzen Stadt samt ihrer unweigerlich vereinnahmenden Historie erlebte. Als „graue Maus“, ja sogar als schroffe, seelenlose Hafenstadt ist diese industrielle Perle Norditaliens in manchen Kreisen verschrien. Zu Unrecht! Land und Leute üben eine unwiderstehliche, ja geradezu magische Anziehungskraft aus. Sie bezirzen den Besucher vom ersten Moment an. Es ist fast wie eine frische Liebe, die nur dann entflammt, wenn man sich auf sie nur einlässt.

Dem Charme Triests erliegen
Jährlich sind es 30.000 unserer Landsleute, die auf den Geschmack kommen. Denn vom opulenten Schloss Miramare, das einst Kaiser Maximilian I. für seine Holde bauen ließ, bis hin zu den Industriedenkmälern des Hafens Porto Vecchio, samt seines mächtigen stillgelegten Industriekranes, dem „Ursus“ - es steckt viel Geschichte in der Stadt, die sich seit Generationen auch gerne im Konkurrenzkampf mit Venedig sieht. Freilich wird man in den Gewässern von Triest die Gondoliere vergeblich suchen, doch im Gegensatz zu den Venezianern muss man dank Tiefwasserhafens nicht vor der Kreuzfahrtschifffahrt zurückschrecken. Das Gegenteil ist der Fall: Der Tagestourist ist den Triestern willkommen. Darüber hinaus bekommt man einen imposanten Eindruck, wenn man im Caffè degli Specchi seinen Kaffee einnimmt, während man den Blick auf die Weite des Golfs von Triest schweifen lässt, und daneben ankert ein Luxusliner, ein Wunder der modernen Technik.

Überall locken die Buffets
Der normale Tourist verirrt sich dort kaum hin. Doch geben Sie den lukullischen Spezialitäten der Hauptstadt von Friaul-Julisch Venetien eine Chance! In einigen dieser scheinbar in der Zeit stehen gebliebenen Lokale lächelt Kaiser Franz Joseph I. gütig von den Zimmerwänden herab. Das Konterfei des österreichischen Kaisers ist tatsächlich noch im Stadtbild vorhanden. Genau so wie jenes seiner Ahnin, Maria Theresia. Denn auch wenn die Habsburger seit 100 Jahren nicht mehr die Herren im Haus sind, architektonisch und kulinarisch haben sie bis heute ihre Fußspuren hinterlassen. Heißt, wer in eines der Buffets einkehrt, wird mit einem warmen Beinschinken, einem Kaiserfleisch oder gar einem herrlich zubereiteten Sauerkraut belohnt. Übrigens, dass die norditalienische Pizza keinen Vergleich mit neapolitanischen Vorbildern scheuen muss, stellen typische Familienunternehmen wie die Pizzeria Marinato eindrucksvoll unter Beweis

Triest macht Träume wahr
Wen es hier länger als nur einen Tag hält, der sollte sich unbedingt auch die alte Hafenanlage der Stadt ansehen. Das als Freihandelszone deklarierte Areal - besonders ein Konsortium aus chinesischen Investoren bekundete an diesem maritimen Ende der Seidenstraße Interesse - zeigt den einstigen Reichtum der Region. Hinzu kommt, dass man hier nicht nur zum Träumen von vergangenen kaiserlichen Zeiten animiert wird. Triest ist zwar im Hier und Heute angekommen, doch seine Historie trägt es stolz vor sich her. Das war bestimmt auch einer jener Gründe, warum Kristallerbin Victoria Swarovski 2017 in der Kathedrale - sie thront und wacht über die Triester - des Stadtheiligen San Giusto ihrem Liebsten Werner Mürz das Jawort gab. Sich einmal ganz wie eine Prinzessin zu fühlen: Triest macht auch diesen Traum zur Wirklichkeit.

Es wird spannend
Nach einem groß angelegten Crowdfunding, besonders durch Kleinstspender finanziert, endet nun die Ausschreibung zur Fertigung einer riesigen Maria-Theresia-Statue. Über 300 Jahre nach ihrem Geburtstag soll der großen Förderin Triests am Platz Ponterosso, mitten in der City, ein Denkmal gesetzt werden. Die „Krone“ traf deshalb Massimiliano Lacota, Vertreter des Erzhauses in Triest/Italien und Präsident des Komitees für die Errichtung des Denkmals: „Samt Sockel wird es acht Meter hoch und dreieinhalb Meter breit.“

Auch ein Enthüllungsdatum steht fest, „Wir haben den 5. Oktober 2019 im Auge.“ Ein Besuch von Familienoberhaupt Karl Habsburg ist fix. Es wird ein Festakt für alle. Und somit kommt es hundert Jahre nach dem Ende der Monarchie zu einer Rückkehr der Habsburger nach Triest. Eine Stadt, bei der es wie mit einer frischen Liebe ist. Sie entflammt sofort, wenn man sich auf sie nur einlässt ..

Norman Schenz, Kronen Zeitung

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