„Dinner in the Dark“

Man muss nicht sehen können, um ein Guide zu sein

Mahendra Galani begleitet an mehreren Abenden in der Woche seine Gäste bei Vier Sinne. Eigentlich nichts Besonderes, wäre der 58-Jährige nicht blind - genauso wie die Gäste, die es für ein paar Stunden auch sind. Denn bei Dinner in the Dark erfährt man, was es heißt, nicht sehen zu können. Galani begleitet die Interessierten auf dem Weg in die totale Finsternis: „Die Dunkelheit ist für viele nicht leicht zu bewältigen.“ Um das für sich selbst herauszufinden, verlost City4U einmal zwei Tickets für Dinner in the Dark.

Nach einem Unfall im Alter von sieben Jahren, konnte Mahendra bis zu seinem zwölften Lebensjahr noch auf einem Auge sehen. Doch dann kam die Finsternis und blieb: „Am Anfang war es schrecklich. Doch meine Eltern informierten sich und ich kam in eine Schule für Blinde, wo ich alles lernte. Da war es dann leichter“, erzählt er mit weicher und bedachter Stimme im Gespräch mit City4U. Der gebürtige Inder studierte in seiner Heimat schließlich Politikwissenschaft und Psychologie. Mit 32 Jahren lernte er als Tourist in Österreich seine erste Frau kennenlernen und blieb in Wien. 

Nachdem er einige Jahre für eine Zeitung schrieb, spezalisierte er sich auf die Arbeit im Dunkelbereich und kam 2009 zu Vier Sinne. Dort können Sehende erfahren, wie es ist, blind durch die Welt zu gehen. Bei Vier Sinne kann man ein mehrgängiges Menü in absoluter Finsternis genießen, auch Wein- und Bierverkostungen gibt es, einen Brunch am Wochenende und Teambuilding. „Für mich persönlich ist das Kellnern nur ein Teil. Unsere Bezeichnung ist ja auch Guide“, betont der 58-Jährige. Das Schönste an seinem Job ist für ihn, dass er den Gästen meist die anfängliche Unsicherheit nehmen kann. „Wenn die Gäste in die Schleuse kommen und es langsam stockfinster wird, sind sie unsicher und haben Angst. Manche wollen auch gleich umdrehen, aber die meisten kann ich überzeugen zu bleiben.“

Das Dinner besteht aus vier Gängen inklusive Getränke, die von Galani und einem weiteren blinden Kollegen serviert werden. Wie funktioniert das, wenn man nichts sieht? „Der Servierwagen hat drei Ebenen. Oben sind die normalen Gerichte, vegetarische oder glutenfreie sind markiert, etwa mit Servietten oder einem Deckel. Auch die Getränke im Kühlschrank haben eine bestimmte Ordnung. Rechts ist das Bier, links der Radler. Die verschiedenen Weine erkenne ich an der unterschiedlichen Flaschenform“, beschreibt der Guide. Die Gäste werden aber dazu angehalten, dass sie jedes Glas und jeden Teller wieder an die genau gleiche Stelle zurückstellen. Für sie selbst und die Guides, damit keine Flasche umfällt, wenn ein neuer Gang serviert wird.

„98 Prozent der Gäste machen wirklich mit und hören auf die Anweisungen. Sie erzählen mir oft danach, dass es ihnen sehr gut gefallen hat. Wenn es stockfinster ist und kein anderer sie sieht, verhalten sie sich ganz anders“, spricht Galani aus Erfahrung. Denn nicht nur das Essen gehört zu Dinner in the Dark: Es werden Spiele gespielt, ein Quiz beantwortet und zum Abschluss wird hemmungslos getanzt. „Mir gefällt das entertainen und die Interaktion mit den Gästen.“ Häufig passiere etwas Lustiges, zum Beispiel wenn am Schluss die Besucher aufgefordert werden, selbst an die Bar zu gehen, um sich den Absacker zu holen. „Oft bleiben die Damen am Tisch sitzen und die Männer finden nicht zum richtigen Tisch zurück und sitzen plötzlich bei einer fremden Frau“, schmunzelt der Guide.

Es passiert auch oft, dass Menschen ihn auf der Straße ansprechen, um ihm mitzuteilen, dass sie einmal Gäste bei ihm waren. Am Ende der Veranstaltung hat man im Empfangsraum dann die Möglichkeit, mit den Guides zu sprechen. „Für viele ist es schwer, sich mit Blinden zu unterhalten, wegen dem fehlenden Blickkontakt“, weiß Galani. „Ich bezeichne mich selbst als positiv optimistischer Mensch. Natürlich hat blind sein mehr Nach- als Vorteile, da man in vielen Bereichen auf Hilfe angewiesen ist. Aber ich genieße trotzdem mein Leben, habe viele Freunde, spiele Schach und fahre mit dem Tandemrad. Letzte Woche bin ich im geschützten Rahmen sogar mit dem Auto gefahren.“

„Ich will nicht von Anfang an nein sagen, sondern alles ausprobieren“, sagt er selbstbewusst. Das wünscht er sich auch von seinen Mitmenschen. „Wenn mir jemand Hilfe anbietet, sage ich immer ja, auch wenn ich den Weg gut kenne. Denn es ist trotzdem leichter und man kommt ins Gespräch. Das ist Teil der Integration von Blinden und in diesen fünf Minuten kann ich erklären, was ich mache, dass ich zum Beispiel nicht vom Staat lebe, nur weil ich nicht sehen kann.“ Blinde oder behinderte Menschen haben genauso die gleichen Träume und Bedürfnisse wie jeder andere auch. Hat er den Wunsch, wieder sehen zu können, ist die abschließende Frage: „Ich wünsche es mir jetzt nicht jeden Tag unbedingt und frage mich: ,Warum ich? Warum musste ich blind werden ?‘ Es ist so. Aber neugierig wäre ich schon, wie die Welt heute aussieht.“

WIN! WIN! WIN! WIN! WIN!

ACHTUNG: IHR KÖNNT DABEI SEIN! City4U verlost 1x2 TICKETS für ein Dinner in the Dark für zwei inklusive Getränkepaket am Montag, 26.11.2018 um 18.30 Uhr! Was ihr dafür tun müsst? Einfach unsere City4U-FacebookpageLIKEN, KOMMENTIERT unter dem Gewinnspiel-Posting und füllt das Formular aus (siehe unten).

Teilnahmeschluss ist Freitag, der 16. November, um 10 Uhr!

Die Teilnahmebedingungen findest du hier.

Viel Glück!

November 2018

Was meint ihr dazu? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Viktoria Graf
Viktoria Graf

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