Fr, 16. November 2018

„Belastung für Psyche“

02.11.2018 06:01

Experten warnen: Klimawandel macht uns krank!

Bis 2100 wird es 150.000 Klimatote in Europa geben! Naturkatastrophen - wie jüngst bei uns im Landessüden - hinterlassen aber auch psychische Traumata.

Die Diagnose vor der Anfang Dezember stattfindenden UNO-Klimakonferenz in Katowice in Polen ist schonungslos und lässt für den Gesundheitszustand der Weltbevölkerung, aber auch jener in Österreich wenig Hoffnung. „Wir haben für unseren Erderwärmungs-Krankenbericht 60 der europaweit bedeutendsten Wissenschafter, vor allem aber heimische Mediziner konsultiert. Alle schütteln besorgt den Kopf“, schlägt Klimafonds-Chef Ingmar Höbarth Alarm. Die Dramatik zusammengefasst: Zu erwarten sind mehr Tropennächte, höhere Pollenbelastung, neue Insektenarten wie die Malaria übertragendenden Tiger- und Buschmücke.

Fünfzigfacher Anstieg klimabedingter Todesfälle
Gleichzeitig haben Hitzeperioden, Stürme oder Starkniederschläge, Überschwemmungen oder Muren beträchtliche gesundheitliche Folgen, die von Erkrankungen über psychische Traumata bis zu Mortalitäten reichen. Bis 2100 ist zudem in Europa mit einem fünfzigfachen Anstieg klimabedingter Todesfälle (152.000 Menschen könnten an den direkten oder indirekten Folgen der Erderwärmung sterben) Zum Vergleich: Zwischen 1981-2010 waren es ,nur’ 3000 klimabedingte Todesfälle.

Immer mehr Allergiker
Höbarth präzisierend: „Je mehr Hitzetage desto höher die Sterblichkeitsrate. Bis 2065 müssen wir in Österreich mit bis zu 3000 Toten rechnen. Das sind doppelt so viele Menschen als heute.“ Seine weitere Sorge betrifft die Allergien vor allem in den Städten: „Im Zuge des Klimawandels rechnen die Forscher mit einer erhöhten Pollenbelastung, besonders durch Ragweed. Der warme Herbst ist aber nur ein düsterer Vorbote des kommenden Unheils.“ Bereits heute sind rund 1,75 Millionen und damit rund 20 Prozent der Österreicher von allergischen Erkrankungen betroffen. Schlägt also - wie zu befürchten ist - der europäischen Trend bei uns durch, dann ist allein im Laufe des kommenden Jahrzehnts die Hälfte der Bevölkerung von diesen Leiden betroffen.

Das ist auch volkswirtschaftlich bedenklich: Die jährlichen Behandlungskosten könnten bis 2050 auf bis 365 Millionen Euro explodieren. Mitte des Jahrhunderts wird es einen um zehn Prozent höheren Anteil an Personen über 65 Jahren geben. Für diese werden die Belastungen - rascher Temperatursturz von sehr heiß zu sehr kalt und auch umgekehrt - besonders spürbar sein. Höbarth: „Die Weltgemeinschaft muss in Polen den Ernst der Lage erkennen und endlich konkrete Maßnahmen ergreifen.“

„Naturgewalten belasten Psyche“
Fluten, Stürme und Muren haben jüngst Existenzen vernichtet. Sie hinterlassen aber auch unsichtbare Spuren in der Seele, warnt der erfahrene Klimaexperte Ingmar Höbarth.

„Krone“:Herr Höbarth, Sie warnen seit Jahren vor den gesundheitlichen Folgen der Erderwärmung!
Ingmar Höbarth: In der Tat, und es wird auch nicht besser!

Provokant gefragt: Zerstörte Häuser kann man doch wieder aufbauen, Keller auspumpen?
Wer einmal von einer Flut überrascht wurde und persönliche Erinnerungstücke verloren hat, weiß wie psychisch belastend das ist. Auch wenn niemand körperlich zu Schaden gekommen ist.

Und es wird ja nicht besser. Weder in Österreich noch sonstwo auf der Welt ...
Wir verzeichnen immer mehr Klima-Extreme. Es gibt jährlich bei uns jetzt schon mehr als 200 Wetterereignisse, von denen knapp die Hälfte als ,stark’ oder ,extrem’ klassifiziert werden müssen.

Mit dramatischen Folgen in jeder Hinsicht?
Wir steuern auf ein Gesundheitsdrama zu. Von Allergikern, die extrem leiden, weil alles immer heftiger noch im Spätherbst blüht, bis zu Hitze empfindlichen Menschen. Das alles kann zum Tod führen.

Mark Perry und Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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