Mo, 19. November 2018

Frankreich

03.11.2018 09:00

Elsass, eine Region für Genießer!

Fachwerk-Romantik, idyllische Orte, historische Kulturschätze, moderne Museen und jede Menge kulinarische Genüsse sorgen im Elsass für Staunen.

Ich kann nicht vom Elsass reden, ohne es durch den Magen zu sehen. Die Esskunst ist bei uns Teil der eingeprägten Kultur, eine humanistische Erfahrung.“ Dieses Zitat des weltberühmten Straßburger Zeichners Tomi Ungerer kann man schon nach wenigen Tagen in dieser wunderschönen Region an Frankreichs Nordostgrenze nachvollziehen.

FEINSCHMECKERFREUDEN gehören zum Elsass genau wie seine abwechslungsreiche Landschaft und die wunderschönen Orte. An gemütlichen „Winstubn“ fehlt es weder in Städten noch in kleinen Dörfern. Dekor der Stuben und Speisekarte zeigen klar die Besonderheiten der Region, die in ihrer wechselhaften Geschichte lange Jahrhunderte deutsches Gebiet war.

Im Elsass isst man deftig, üppige Sauerkrautplatten, Bäckeofen-Eintopf, würzigen Munster-Käse, Flammkuchen in allen Variationen, und man trinkt auch gern: Riesling, Muscat d’Alsace, Gewürztraminer, Edelzwicker und den feinperligen Crémant-Winzersekt nach traditioneller Methode, durchaus mit Champagner vergleichbar.

WIR VEREINEN das Beste von zwei Kulturen, erklärte unsere lebhafte Reiseführerin Fabienne. „Unsere Speisen sind französisch, die Mengen sind deutsch. Wir arbeiten wie die Deutschen – und wir genießen das Leben wie die Franzosen!“ Ihre Muttersprache ist Elsässisch, ein alemannisch geprägter alter deutscher Dialekt, der in den letzten Jahren wieder liebevoll gepflegt wird – nach den Jahren deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg war er verpönt, Französisch sollte einzige Landessprache sein. Mittlerweile wird Vielfalt wieder geschätzt, gerade in Straßburg, das als Symbol der Aussöhnung der „Erbfeinde“ Frankreich und Deutschland Europastadt wurde, Sitz von Europarat, Europäischem Parlament und Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte. Der Rhein, seit Römerzeiten eine Grenze, wird seit 2004 durch eine neue Brücke überspannt, Straßburgs Straßenbahn fährt bis nach Kehl.

INNERFRANKREICH nennt man hier den Rest des Landes, ist stolz auf „germanische“ Tüchtigkeit, Ordnung und Disziplin – und gleichzeitig auf französische Lebenskunst und Kulturpflege. Die zeigt sich gerade in jüngster Zeit durch spektakuläre Museums-Neubauten: Das Museum Unterlinden der Elbphilharmonie-Architekten Herzog & de Meuron in Colmar bietet dem weltberühmten Isenheimer Altar, geschaffen zwischen 1510 und 1520 von Matthias Grünewald, einen würdigen Rahmen und ist das meistbesuchte Museum Frankreichs nach dem Louvre in Paris. 200.000 Besucher im Jahr strömen in das restaurierte, durch spektakuläre Zubauten mit einem alten Stadtbad verbundene mittelalterliche Kloster, um den in restaurierter Farbenpracht glänzenden Altar zu bewundern. Das doppelte Flügelpaar mit drei Bildfolgen ist zur Gänze zu sehen, die meisterhaft gemalten biblischen Szenen berühren noch heute – in der Renaissance sollten sie Menschen, die durch Mutterkornvergiftung am entstellenden, schmerzhaften und oft tödlichen „Antoniusfeuer“ litten und in Isenheim bei Colmar gepflegt wurden, trösten.

EIN MODERNES Architekturjuwel ist auch die Cité de l’Automobile bei Mulhouse, eine umgebaute Spinnerei, in der die legendäre Oldtimer-Sammlung der Industriellen-Brüder Schlumpf auf 25.000 m2 opulent präsentiert wird: Mehr als 400 Autos, alle aus Europa, unter ihnen mehr als 100 Bugattis, liebevoll gepflegt – Besucher dürfen einige Wagen sogar auf einem museumseigenen Parcours selbst steuern – um ca. 50 Euro für sieben Runden ...

NEU ERÖFFNET ist die Humanistische Bibliothek in Sélestat des Stararchitekten Rudy Ricciotti, mit Hunderten kostbaren Manuskripten und frühen Druckwerken – unter ihnen die erste Erwähnung Amerikas und die erste Erwähnung eines Weihnachtsbaums. In Sichtweite des bibliophilen Kleinods wurde fast gleichzeitig die „Maison du Pain“ eröffnet, ein Museum für die Geschichte des Brotes, mit funktionierender Backstube für Baguette, Brezel, Kugelhopf und Kekse. Kultur und Kulinarik eng beisammen – typisch Elsass!

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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