28.10.2018 07:30 |

Kunstvolle Sonnenuhren

Wer Zeit hat, lebt ohne Schatten

Heute ist die Sommerzeit zu Ende gegangen - ein Phänomen, das die einstigen Schöpfer kunstvoller Sonnenuhren nicht berührte. Ihre Malerei samt Schattenstab gab viele anderen Informationen preis.

„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl’ die heit’ren Stunden nur!“ Diese Empfehlung hat jeder schon einmal gehört oder ins Stammbuch geschrieben bekommen.

Zum Zählen der Stunden verwenden aber wohl nur noch die wenigsten die Sonnenuhr. Dabei hatten sich diese Zeitmesser schon im 13. Jahrhundert vor Christus im alten Ägypten bewährt. Eine Sonnenuhr ließ auch Kaiser August im Jahr 10 vor Christus errichten. „Er ließ einen gut 20 Meter hohen Obelisk aus Ägypten aufstellen, der als Schattenzeiger diente“, erzählt Heimo Schinnerl, der Leiter der Abteilung Volkskunde im Landesmuseum. Auf dem Boden wurden Markierungen eingelassen.

Das Prinzip der Sonnenuhr klingt einfach: Ein Stab wirft seinen Schatten auf eine ebene Fläche und markiert so die Stunde. Die Umsetzung erfordert allerdings mathematisch-physikalisches Wissen - und künstlerisches Talent. Im Mittelalter war es vor allem in den Klöstern wichtig, die Zeit fürs Gebet zu wissen. „Kanonische Sonnenuhren zeigen die Zeit für das Stundengebet an, also 6, 9, 12, 3 für 15 und 6 für 18 Uhr“, so Schinnerl. Mancherorts sind statt Zahlen die Namen der Gebetsstunden aufgemalt: Prima, Tertia, Sexta, Nona, Vespera.

Stunde war übrigens nicht gleich Stunde: Nach italienischer oder welscher Art wurde ab Sonnenuntergang gezählt, nach babylonischer oder griechischer Art ab Sonnenaufgang. Auf der Sonnenuhr am Stift Ossiach sind beide „Stunden“, die „kriechische“ und die „welsche“, angegeben.

Viele Sonnenuhren zeigen nur die aktuelle Stunde, oft geben Markierungen aber auch die Winter- und Sommersonnenwende sowie die Tag-und-Nacht-Gleiche an, Sternzeichen weisen auf die Monate hin.

Portable Sonnenuhren ließen sich mittels Kompass perfekt einnorden, der Schattenfaden zeigte die Uhrzeit an, teils waren richtige Kalender aufgemalt.

Einige Sonnenuhren haben nicht nur gerade Linien, sondern Achterschleifen, denn die Erde bewegt sich ja ellipsenförmig um die Sonne, da muss der Schatten der Uhr einiges ausgleichen.

„Richtige Künstler haben die Sonnenuhren berechnet und gemalt, meist auf Schlössern oder Klöstern, selten auf Bauernhäusern. Manchmal hat sich jemand selbst eine Sonnenuhr gemacht. Aus Rittersdorf bei Irschen kennen wir ein Beispiel samt Spruch ,In Gottes Namen, greif dei Werk mit Freude an.’ Darunter sind landwirtschaftliche Arbeiten abgebildet“, so Schinnerl.

Besonders viele Sonnenuhren hat der kleine Ort Aiello im Friaul zu bieten: Gut 100 verschiedenster Art sind dort zu finden.

Mit der Erfindung der mechanischen Uhren hatten die Sonnenuhren noch immer ihre Berechtigung: Nach der genauen Sonne wurde die ungenaue Mechanik eingestellt. Heute ist es egal, mit welcher Uhr wir die Zeit messen, sie scheint immer zu kurz zu sein.

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler
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