Di, 20. November 2018

Ein Literat feiert

23.10.2018 10:07

Büchner-Preisträger Walter Kappacher wird 80

Er ist einer der Bescheidensten und Stillsten im Literaturbetrieb. Dass er bei den Salzburger Festspielen heuer mit einer Hommage geehrt wurde, ist an der breiten Öffentlichkeit ebenso vorbei gegangen wie das Erscheinen seines jüngsten Buches „Ich erinnere mich“. Morgen, Mittwoch, feiert der Salzburger Autor Walter Kappacher seinen 80. Geburtstag.

Er fühle sich keineswegs als literarischer Sonderling, hatte Kappacher einmal in einem APA-Interview beteuert. „Ich habe mich durchaus engagiert in verschiedenen literarischen Kreisen. Aber in den Gesprächen mit den Dichtern ist es immer nur um Vermarktung und Erfolg gegangen und kaum einmal um das Schreiben selbst.“ Lieber als mit dem literarischen Betrieb beschäftige er sich mit dem Entstehen neuer Texte. „Ich gehe, träume und meditiere täglich, beim Gehen lade ich die Batterien meiner Fantasie auf. Dann versuche ich ganz einfach, gute Sätze aufzuschreiben.“

„Brutale Zurückhaltung“, nannte Martin Walser - ein früher, entscheidender Förderer Kappachers - diesen Wesenszug seines Kollegens, der gleichwohl mit höchsten Auszeichnungen geehrt wurde: mit dem Hermann-Lenz Preis (2004), dem großen Kunstpreis für Literatur des Landes Salzburg (2006), dem Georg Büchner-Preis (2009).

Geboren wurde Walter Kappacher am 24. Oktober 1938 in der Stadt Salzburg. Er lernte Motorrad-Mechaniker, kokettierte mit einem Einstieg in den Rennsport und machte auch erste Gehversuche als Schauspieler. Aber die Literatur war stärker - 1967 veröffentlichte er über Walsers Vermittlung seine ersten Kurzgeschichten in der „Stuttgarter Zeitung“. Acht Jahre später erschien sein Buch „Morgen“. Im Alter von 40 Jahren ließ er sich schließlich ganz auf das Schreiben ein, kündigte in seinem Brotberuf als Reisebüro-Kaufmann und versuchte sich als freier Autor durchzusetzen.

Von da an folgten unter anderem die Romane „Rosina“, „Silberpfeile“ und „Selina oder das andere Leben“, die Erzählungen „Die irdische Liebe“ und „Wer zuerst lacht“ sowie Hörspiele und Drehbücher, darunter „Die Jahre vergehen“. Danach erschienen der überarbeitete Roman „Der lange Brief“, der Essay „Hellseher sind oft Schwarzseher“ und der hochgelobte Roman „Der Fliegenpalast“ (2009), in dem sich Kappacher Hugo von Hofmannsthal widmete.

Nach dem Roman „Land der roten Steine“ (2012) erschienen „Die Amseln von Parsch“ (2013) und „Trakls letzte Tage & Mahlers Heimkehr“ (2014). „Abschied“, Kappachers Monolog über Georg Trakl, wurde 2014 im Rahmen der Salzburger Festspiele in der Salzburger ARGEkultur uraufgeführt und trug dem französischen Regisseur Nicolas Charaux den „Young Directors Award“ ein.

In seinem jüngsten Prosaband „Ich erinnere mich“ reiht Kappacher Lebenserinnerungen lose aneinander, lapidar, aber nicht immer linear: Kindheitseindrücke, scheinbare Banalitäten des Alltags, Begegnungen mit Büchern und Menschen. Seine Leidenschaft für den Motorrad-Rennsport findet ebenso ihren Widerhall wie Erinnerungen an seinen Vater, der kaum je mit ihm geredet hat. Sein darin enthaltenes Tagebuch zum „Land der roten Steine“ gibt Einblick in Kappachers Schreibarbeit.

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