Mo, 12. November 2018

Kampf gegen Plastik

17.10.2018 12:32

Mit jedem Versuch der Lösung ein Stück näher

Wilfried Posch ist 74 Jahre alt. Zu Terminen erscheint er pünktlich auf die Minute, wenn er spricht, macht er das mit Vehemenz. In seiner Hand stets sein „Bauchladen“, wie er seine große Sporttasche nennt. Der Inhalt der Tasche ist auch der Inhalt seines Lebens: Kunststoff.

Seit 1964 setzt er sich mit dem Produkt auseinander, das sich von Segen in Fluch verwandelte. In einer mehrteiligen Serie berichtete die „Kronen Zeitung“ über die große Plastik-Plage der neuen Welt - und traf damit einen Nerv. Zahlreiche Leser wandten sich mit Aktionen, Reaktionen und Ideen an uns. Unter ihnen auch: Herr Posch - Tüftler, Querdenker, Macher. Jahrelang arbeitete der Mann in der Kunststoff-Branche, sah sie wachsen, sich entwickeln - und von der Lösung zum Problem werden. Doch das lässt Wilfried Posch nicht so einfach auf sich sitzen.

Viele (noble) Versuche
„Ich habe eine Lösung“, sprach der Mann also ins Telefon, als er in der Redaktion der „Kronen Zeitung“ anrief. „Vielleicht sogar die Lösung im Kampf gegen das Plastik.“ Denn seit Posch pensioniert ist, tüftelt er in seiner Werkstatt - zersägt Plastik, baut Maschinen und experimentiert mit verschiedenen Stoffen. Dabei heraus kamen Pellets - ein Gemisch aus Holz- und Plastikabfällen, die sich schadstofffrei verbrennen lassen und dabei auch noch „einen irren Heizwert haben“, wie der Mann, der 19 Jahre an der HTL Kunststofflehre unterrichtete, verkündete. Am Konferenztisch der „Tiroler Krone“ räumt er seinen „Bauchladen“ aus - Plastikabfälle aller Art kommen zum Vorschein. Posch erklärt, was es damit auf sich hat. Eindringlich aber geduldig, durch und durch der Lehrer.

Treffen mit Expertinnen
Wir laden Wilfried Posch zu einem weiteren Treffen ein, dieses Mal in die Technische Universität Innsbruck. Neben Posch nehmen auch Julika Knapp und Anke Bockreis am Tisch Platz. Letztere hat die Professur Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement inne. Sie hört geduldig zu, nickt, bejaht - aber muss Posch schließlich enttäuschen: Seine Pellets werden die Meere nicht vom Plastik befreien. Sortenreines Plastik „Die Emissionsgrenzwerte sind bei Kunststoff und Biomasse unterschiedlich - bei einer Mischung wird es schwierig, die Grenzwerte einzuhalten“, erklärt die Expertin. Zudem werde Plastik in Großanlagen bereits verbrannt - in speziellen Öfen und bei irrsinnigen Temperaturen, damit keine Dioxide freigesetzt werden.

Viele kleine Schritte
„In Kleinanlagen, also Haushalten wie Posch das vorhat, ist diese Umsetzung schwierig. Nur sortenreines Plastik käme in Frage und das zu isolieren ist eine große Herausforderung“, schildert Bockreis. An das sortenreine Plastik zu kommen, sei auch im Recycling immer noch ein Problem, daran wird aber gerade gearbeitet (siehe Interview). Aber Bockreis lobt das Engagement Poschs: „Alles was er sich ausgedacht hat stimmt so, auch wenn die Umsetzung leider nicht funktioniert.“ Dann ermutigt die Professorin den Mann, der Probleme nicht einfach Probleme sein lässt: „Forschen Sie, machen Sie weiter, wir brauchen jede Idee.“ Die Welt zu retten ist ein großes Anliegen, aber es gelingt vielleicht in vielen kleinen Schritten. 

Interview
„Es entsteht immer mehr Bewusstsein“
Anke Bockreis ist Vizerektorin für Infrastruktur an der Uni Innsbruck. Im Gespräch erklärt sie, welche Bestrebungen es hinsichtlich der Eindämmung von Plastik gibt.

Was wird gegen die Plastikflut gemacht?
Die ARA (Altstoff Recycling Austria) betreibt große Anstrengungen, um bereits auf das Design einzuwirken; je vermischter die Kunststoffe in den Verkauf kommen, desto schwieriger ist es, sie zu entsorgen.

Wie sieht es mit der Vermeidung von Plastik aus?
Da entsteht zunehmend Bewusstsein. So wird etwa die „sharing economy“ beliebter; der Kunde muss nicht alles selbst kaufen, aber hat trotzdem das neueste Modell, der Händler kommt leichter wieder an seine Rohstoffe.

Was macht die Universität?
Unter anderem haben wir mit mehreren Partnern einen Mehrwegbecher produziert, um den Einweg-Coffee-To-Go-Bechern Einhalt zu gebieten. Das Projekt werden wir evaluieren und schauen, was es bringt.

Abgesehen davon?
Das Thema Plastik wird von allen Seiten beleuchtet. Ich halte dieses Semester eine Vorlesung. Dabei geht es um Bewusstseinsbildung, Konsumverhalten und Alternativen zu Plastik.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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