Mi, 17. Oktober 2018

Polizist im Outback

06.10.2018 12:44

Ein Revier, dreimal so groß wie Österreich

Wenn der Polizist Stephan Pursell sein Revier durchqueren will, braucht er einen Geländewagen und vier Tage Zeit: Sein Einsatzgebiet liegt im australischen Hinterland und ist knapp dreimal so groß wie Österreich. Und der 53-Jährige ist der einzige Polizeibeamte weit und breit. „Kriminalität ist hier kein Thema“, sagt er. Auf Streife begegnet er Kamelen, wilden Hunden und giftigen Schlangen - und manchmal auch Menschen.

Pursells Polizeistation liegt im 100-Einwohner-Örtchen Birdsville, doch sein Revier im Bundesstaat Queensland reicht weit darüber hinaus. Scheinbar unendlich ist die staubige, rotbraune Mondlandschaft. „Das ist eine einzigartige Gegend“, meint er.

Spiegelei auf Motorhaube gebraten
An heißen Tagen steigt die Temperatur auf über 40 Grad, Pursell hat sogar schon einmal ein Spiegelei auf der Motorhaube seines Polizeiwagens gebraten. Manchmal verdunkeln aber Sandstürme die Sonne. „Man muss das erleben, um Gefallen daran zu finden", erzählt der 53-Jährige.

Kamelpastete mit Curry in der Bäckerei
Als die Stelle vor zwei Jahren ausgeschrieben war, zog er mit seiner Frau eigens 1600 Kilometer weit nach Birdsville. In dem Dorf gibt es ein Hotel, ein Gasthaus, das auch Benzin und Lebensmittel verkauft, und eine Bäckerei, deren Spezialität Kamelpastete mit Curry ist.

Kleinflugzeug stieß mit Pelikan zusammen
„Mein Job ist es hauptsächlich, mich darum zu kümmern, dass die Leute sicher hierher und wieder weg kommen“, berichtet Pursell. „Pannen, medizinische Notfälle, Unfälle - auf solche Sachen muss ich vorbereitet sein.“ Am häufigsten sind Unfälle, bei denen sich Autos auf den unbefestigten Straßen überschlagen. Aber der Beamte wurde auch schon gerufen, als ein Kleinflugzeug nach einem Zusammenstoß mit einem Pelikan einen Reifen verloren hatte …

Die Leute kommen zu einem Schwätzchen vorbei
Nicht um alles kann sich Pursell allein kümmern. Er arbeitet mit einer Krankenschwester, einem Mechaniker, Rinderfarmern, den Fliegenden Ärzten oder auch Kollegen in den Hunderte Kilometer entfernten Polizeistationen zusammen, mit denen er ständig in Verbindung steht. Pursell ist rund um die Uhr erreichbar. Aber auch wenn nichts los ist, kann er sich nicht über Langeweile beklagen. „Die Leute kommen einfach zu einem Schwätzchen vorbei“, sagt er. „Wir haben uns nie isoliert oder einsam hier draußen gefühlt. Das ist ein großartiger Ort.“

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.