Di, 23. Oktober 2018

Alpine Sicherheit

03.10.2018 15:54

Weniger Alpintote im Sommer 2018

Die Unfallzahlen für den Sommer 2018 sind erfreulich: Weniger Alpintote als im Vorjahr und im Mittel von 10 Jahren in Österreichs Bergen. Etwa die Hälfte der aller Unfälle gab es beim Bergwandern, meist durch Sturz, Stolpern und Ausgleiten, gefolgt von Herz-Kreislaufversagen. Mountainbiken, Wandern sowie Klettersteiggehen boomen. 

  • Im Zeitraum 01.05. bis 23.09.2017 verunfallten in Österreichs Bergen 116 Personen tödlich. Der langjährige Durchschnitt liegt für den Betrachtungszeitraum bei 136 Alpintoten.
  • Die Gesamtzahl der Verunfallten (Tote und Verletzte) hat im Vergleich zum Vorjahr minimal abgenommen (-1%).  
  • Während der Ferienzeit Juli/August hat sich ein Großteil der Unfälle ereignet (60%). Die KW 31 (30.7. bis 5.8.2018) und KW 36 (3. bis 9.9.2018) mit je 12 Toten waren die unfallträchtigsten Wochen mit tödlichem Ausgang.
  • Herkunft: 44 % der Verunfallten (Tote und Verletzte) im alpinen Raum waren Österreicher und 39 % deutsche Staatsbürger.
  • Wandern/Bergsteigen: Knapp die Hälfte (49%) aller Verunfallten (Tote und Verletzte) kamen bei der Bergsportdisziplin Wandern zu Schaden. 59% der Alpintoten starben im betrachteten Zeitraum beim Bergwandern (67 Personen). Hauptunfallursache sind Sturz, Stolpern und Ausgleiten, gefolgt von Herz-Kreislaufversagen. 46% der verunglückten Wanderer waren deutsche Staatsbürger und 38% der verunglückten Wanderer waren Inländer. Eine wirkungsvolle Aufklärungs- und Präventionsarbeit beginnt im Inland, wie z.B. in der „Alpine Safety Area“ im Gschnitztal in Tirol.
  • Klettern/Klettersteige: 5 Personen starben beim Klettern und 5 auf Klettersteigen.
  • Hochtouren: 5 Personen kamen im betrachteten Zeitraum auf einer Hochtour ums Leben.
  • Mountainbiken: In den letzten 10 Jahren hat die Zahl der beim Mountainbiken verunfallten (Tote und Verletzte) Personen zugenommen. Dieser Trend hielt auch im Berichtsjahr (510 Verunfallte) an, wobei österreichweit ca. 42% mehr Personen verunfallten als im Vergleich zum 10-Jahresmittel mit 359. Etwa 45% der verunfallten Biker (230) kamen im Sommer 2018 in einem Bike-Park zu Schaden. 5 Personen starben beim Mountainbiken in Österreich im betrachteten Zeitraum. Bei dieser boomenden Sportart dürften die höheren Unfallzahlen die direkte Folge von mehr Mountainbikern sein, die in Österreichs Bergen unterwegs sind. Im Betrachtungszeitraum ereigneten sich ca. 4% der Unfälle (Tote und Verletzte) mit einem E-Bike. Es ist anzunehmen, dass dieser Anteil in Zukunft zunehmen wird.
  • Alpine Notrufe werden nicht nur bei Unfällen abgesetzt, sondern auch von unverletzten Personen, die sich in einer misslichen Lage befinden bzw. blockiert sind. Darunter fallen Personen, die mit den Begebenheiten einer Tour und den Verhältnissen überfordert sind oder sich selbst überschätzen. Der Anteil der Unverletzten hat in den letzten 10 Jahren signifikant zugenommen. Im Jahr 2018 waren dies ca. 30% aller Notrufe.

Die Breitensportart Mountainbiken boomt. Das Biken findet in allen Facetten statt (Trails, Downhill, Uphill, etc. mit E-Bike, Fat-Bike, Cross-Bike …). „Es ist anzunehmen, dass die Dunkelziffer der verunfallten Biker wesentlich höher liegt“, sagt Generalmajor Norbert Zobl von der Alpinpolizei in Tirol:  „Der Grund liegt vermutlich daran, dass man sich beim Biken nach einem Unfall mit leichten Verletzungen, solange man noch fahrtüchtig ist, selbst ins Tal fährt und dann zum Arzt geht.“ Nur bei schweren Verletzungen, wie z. B. Kopf- und Wirbelverletzungen oder tödliche Unfällen, werden diese über den alpinen Notruf erfasst und von der Alpinpolizei dokumentiert. Allgemein kann man sagen, dass Mountainbiken eine Sportart ist, bei der wenn etwas passiert, die Verletzungen oft sehr schwer sind (ca. 40% im Mittel 10 Jahre). Bei den Verletzten kommen im langjährigen Durchschnitt 84% durch einen Sturz zu Schaden. Die Hauptunfallursache ist im 10-Jahresmittel bei den tödlich verunfallten Mountainbikern zu 52% eine Herz-Kreislaufstörung und 17% der Sturz.

Neben Material und Ausrüstung gehören Tourenplanung sowie Gruppenführung zum Geschehen auf den grobstolligen Rädern dazu. Die Grundlage jeder gelungenen Bike-Tour ist - wohlgemerkt wie bei jeder anderen Bergsportdisziplin auch - neben der Wahl der Route und Ausrüstung eine gute Vorbereitung. Tourenplanung sollte nicht erst dann einsetzen, wenn man bereits unterwegs ist. Auch für das E-Bike gilt: Bevor man sich auf das E-Bike schwingt und mit vollem Akku losstartet, sollte man sich mit dem Bike vertraut machen. Gerade für Anfänger und ungeübte Biker ist ein Fahr-Technik-Training durch professionelle Guides (Workshop) zu empfehlen. Dies ist eine gute Investition, damit man auch mit dem E-Bike unversehrt am Ziel ankommt und der Spaßfaktor beim Biken erhalten bleibt.

Wandern/Bergsteigen: Das Bild auf den (Weit-)Wanderwegen hat sich laut Peter Veider, Ausbildungsleiter der Bergrettung Tirol gewandelt: Größtenteils, sehr gut ausgerüstete Bergwanderer (Alter zwischen 20 und 30 Jahren) oder (junge) Familien sind immer häufiger in den Bergen anzutreffen. Die Ausrüstung beim Wandern ist meist hochwertig, funktionell und von geringem Gewicht (Trailrunning Szene). Großteils fehlt es aber am richtigen Umgang und Einsatz der Ausrüstung, sowie einer soliden Tourenplanung und vor allem dem „richtigen Gehen“ im alpinen Gelände. Die „Alpine Safety Area“ im Gschnitztal bietet hierfür eine gute Möglichkeit dies selbstständig oder unter professioneller Aufsicht zu erlernen.

Gletscher / Spaltensturz: Das Hochgebirge, allem voran die Welt der Gletscher, sind einem Wandel unterlegen. „Durch das massive Abschmelzen der Gletscher haben sich die Abflusskanäle und die Spalten sehr stark verändert. Spalten oder Schmelzlöcher treten an Stellen auf, wo man sie nicht für möglich hält“, erklärt  Professor Karl Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit: „Das Begehen von Gletscher, aber auch allgemein die richtige Einschätzung der objektiven Gefahren (Steinschlag, Gewitter, Lawinen etc.) erfordern eine solide Ausbildung oder man schließt sich einer professionellen Führung an.“

Die stetige Aufklärungs- und Präventionsarbeit leistet einen wertvollen Beitrag zur Verhinderung von unnötig verursachten, kostspieligen und stets auch risikobehafteten Einsätzen. Mit dem notwendigen Respekt gegenüber dem (Mit-)Mensch, der Natur und der Technik finden alle Bergsportler auch ihren Platz zum Ausüben ihrer Bergsportdisziplin.

Tote im alpinen Raum in Österreich 01.05. - 23.09.2018

 

2016

2017

2018

Mittel 10 Jahre

Diff. in % Vorjahr

Kärnten

17

21

10

14

-52

Niederösterreich

10

6

4

8

-33

Oberösterreich

19

12

15

13

25

Salzburg

27

26

11

21

-58

Steiermark

17

13

24

18

85

Tirol

38

43

46

51

7

Vorarlberg

12

12

6

11

-50

Gesamt

140

133

116

136

-13

Verunfallte (Tote und Verletzte) im alpinen Raum in Österreich 01.05. - 23.09.2018

 

2016

2017

2018

Mittel 10 Jahre

Diff. in % Vorjahr

k. A.

0

0

11

1

0

Kärnten

135

169

132

128

-22

Niederösterreich

141

168

141

143

-16

Oberösterreich

332

252

181

247

-28

Salzburg

328

292

239

227

-18

Steiermark

149

135

160

129

19

Tirol

843

817

943

727

15

Vorarlberg

165

183

188

162

3

Gesamt

2.093

2.016

1.995

1764

-1

Alpinunfälle (alle Ereignisfolgen) gesamt in Österreich 01.05. - 23.09.2018

 

2016

2017

2018

Mittel 10 Jahre

Diff. in % Vorjahr

k. A.

0

0

13

2

0

Kärnten

169

196

189

164

-4

Niederösterreich

170

195

201

177

3

Oberösterreich

370

297

213

278

-28

Salzburg

400

337

296

280

-12

Steiermark

208

181

214

174

18

Tirol

1096

1053

1208

930

15

Vorarlberg

227

224

240

205

7

Gesamt

2.640

2.483

2.574

2210

4

Tote nach Disziplinen in Österreich 01.05. - 23.09.

 

2016

2017

2018

Mittel 10 Jahre

Klettern

11

10

10

12

Hochtouren

3

8

5

4

Bergwandern

82

73

67

71

Mountainbiken

4

5

5

4

Flugunfall

5

9

2

6

Wildwassersport

2

1

0

2

sonstige

33

27

27

37

Gesamt

140

133

116

136

Verunfallte (Tote und Verletzte) nach Disziplinen in Österreich 01.05. - 23.09.

 

2016

2017

2018

Mittel 10 Jahre

Diff. in % Vorjahr

Klettern

153

153

117

140

-24

Hochtouren

38

54

58

41

7

Bergwandern

960

897

971

834

8

Mountainbiken

514

518

510

359

-2

Flugunfall

119

110

70

100

-36

Wildwassersport

32

27

26

33

-4

sonstige

277

257

243

257

48

Gesamt

2.093

2.016

1.995

1.764

-1

Tote beim Bergwandern in Österreich 01.05. - 23.09.

 

2016

2017

2018

Mittel 10 Jahre

Diff. in % Vorjahr

Kärnten

11

11

2

6

-82

Niederösterreich

3

0

1

3

0

Oberösterreich

9

6

9

6

50

Salzburg

19

10

8

11

-20

Steiermark

11

7

13

9

86

Tirol

19

28

30

29

7

Vorarlberg

10

11

4

7

-64

Gesamt

82

73

67

71

-8

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