Eifersucht als Motiv

Mord an 30-Jähriger in Botschafter-Villa ist geklärt

Wien
31.12.2009 13:58
Paukenschlag nach dem Mord in der Villa des libanesischen Botschafters in Währing: Die 30-jährige Haushälterin des libanesischen Botschafters in Wien wurde von ihrem 39-jährigen Liebhaber aus rasender Eifersucht getötet worden. Das hat die Wiener Polizei am Donnerstag bekannt gegeben. Die verheiratete Filipina, deren Ehemann im Ausland lebt, hatte eine zweite Affäre. Damit kam der 39-Jährige nicht zurecht. Als ein Streit in der Nacht auf Mittwoch eskalierte, griff der Abwäscher eines Wiener Hotels zu einem Küchenmesser und tötete Romalyn B. mit rund 40 Messerstichen.

In der Nacht auf Mittwoch besuchte der Mann die Haushälterin in ihren Wohnräumlichkeiten im Keller der Botschaft in der Gymnasiumstraße in Währing - unangemeldet, nach Beendiung seines Dienstes. Aufgrund der "Mehrfachbeziehungen" kam es laut Oberstleutnant Gerhard Haimeder und Ernst Hoffmann vom Landeskriminalamt Wien zu Diskussionen.

Gegen 23.45 Uhr sei der Landsmann der Getöteten so in Rage geraten, dass er Romalyn B. zunächst - vermutlich mit einem am Tatort gefundenen Stromkabel - drosselte und anschließend mit mehreren Messerstichen in Hals und Brust tötete, erklärte Hoffmann. "Der Täter wusste, dass es noch einen anderen gibt. Er ist dann darüber mit seinem Opfer in Streit geraten und dann kam es zur Tat." Die Leiche ließ er am Boden im Schlafzimmer der 25 Quadratmeter Wohnung liegen.

Küchenmesser als Tatwaffe
"Die Tatwaffe war ein Küchenmesser (Bild) mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge", so Hoffmann. Es gehörte der Haushälterin und wurde nach dem Mord im Währinger Park entsorgt. Der 39-Jährige gestand, das Messer und den Wohnungsschlüssel der Filipina, mit dem er nach der Tat abgesperrt hatte, in einen Laubhaufen geworfen zu haben. Beide Gegenstände wurden dort wenige Zentimeter voneinander entfernt von einem Polizeihund gefunden.

Der Beschuldigte zeigte sich bei der ersten Einvernahme geständig und gab an, vor der Tat geringe Mengen Alkohol getrunken zu haben. Er wurde am Mittwoch gegen 16 Uhr festgenommen und sollte noch am Donnerstag in U-Haft kommen. Ausfindig gemacht wurde der Verdächtige zunächst durch ein Foto sowie seine Telefonnummer, die Ermittler in der Wohnung von Romalyn B. sicherstellten. Laut Haimeder meldete sich außerdem ein anonymer Anrufer bei der Polizei, der den Mann als Mörder der Frau bezeichnete.

"Freundschaftliche Beziehung" mit sexuellen Kontakten
Am Mittwoch in der Früh wurde der 39-Jährige in seiner Wohnung aufgesucht und zunächst zur Überprüfung mitgenommen. Die Beamten stellten dabei am Unterarm Kratzer und Abwehrverletzungen fest, nach mehrstündiger Befragung legte er laut Polizei ein Geständnis ab. Die Haushälterin und der Abwäscher waren beide Mitglieder der philippinischen Gemeinschaft in Wien. "Von dort her kannten einander Täter und Opfer - seit mehreren Monaten", erklärte Hoffmann. "Zu Beginn war es eine rein freundschaftliche Beziehung." Daraus habe sich innerhalb von acht bis neun Monaten eine Bekanntschaft entwickelt, in der die beiden ab und zu sexuellen Kontakt hatten.

"Der Botschafter hat definitiv nichts gewusst"
Während es für die Haushälterin dabei geblieben sei, dürfte sich ihr Bekannter in die 30-Jährige verliebt haben. Für Streitigkeiten sorgte, dass der 39-Jährige vom zweiten "Freund" der Filipina wusste. Die beiden Männer haben sich laut Hoffmann nicht persönlich gekannt - der Nebenbuhler soll gar nichts von dem Abwäscher gewußt haben. Dabei stand dieser auch im Visier der Ermittler. Der Mann wurde wenige Stunden nach dem Auffinden der Leiche festgenommen, danach aber bald als Täter ausgeschlossen. Der von den Philippinen stammende Österreicher hatte die Haushälterin am Montagabend besucht und sich bis kurz vor dem Mord bei ihr aufgehalten.

Der Ehemann des Mordopfers lebt und arbeitet im Ausland. Er sah die 30-Jährige laut Haimeder nur "alle paar Monate oder einmal im Jahr". Die beiden hatten keine Kinder. "Der Botschafter hat definitiv nichts gewusst", meinten die Beamten zum Lebenswandel seiner Haushälterin. Der mutmaßliche Mörder ist ebenfalls verheiratet und hat drei Kinder. Seine Familie lebt auf den Philippinen.

Ausgezeichnete Kooperation mit libanesischen Behörden
Die rasche Aufklärung der Bluttat sei auch wegen der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit der libanesischen Botschaft gelungen, betonte Haimeder. Diese wiederum dankten den Behörden am Donnerstag für die Kooperation und Professionalität. Der Botschafter, der sich während des Mordes in Beirut befand, habe seinen Urlaub unverzüglich abgebrochen. Betont wurde von beiden Seiten, dass kein politisches Motiv eine Rolle gespielt habe.

Entdeckt wurde der Mord in der Residenz des libanesischen Botschafters am Dienstagvormittag gegen 10.30 Uhr. Die 50-jährige Köchin des Diplomaten fand die Tote mit einer Vielzahl von Messerstichen im Hals- und Brustbereich. Der endgültige Obduktionsbericht soll erst kommende Woche fertiggestellt werden.

17 von 23 Mordfällen waren 2009 Beziehungstaten
Beziehungsmotive wie Eifersucht dominieren die Mordstatistik in Wien eindeutig: 17 von 23 Tötungsdelikten im Jahr 2009 waren laut Karin Staringer von der Kriminalpolizeilichen Abteilung – wie auch der Mord an der Haushälterin des libanesischen Botschafters -  sogenannte Beziehungstaten. Zwei Fälle wurden noch nicht aufgeklärt, bei zwei anderen Taten spielten politische bzw. religiöse Motive eine Rolle. Heuer gebe es generell eine "hohe Anzahl" an Morden , meinte Staringer weiter. "Aber es ist nicht besorgniserregend hoch."

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