Sa, 20. Oktober 2018

Bei Gericht eingelangt

02.10.2018 06:20

Davids Eltern verklagen jetzt das Salzburger LKH

Der tragische Fall um den Tod eines Kleinkindes im April nach einer Operation am Landeskrankenhaus wird nun Thema eines Zivilprozesses. Wie Anwalt Stefan Rieder bestätigt, haben Davids Eltern Klage eingereicht - mit 81.000 Euro Streitwert. Mittlerweile gab es auch Gespräche mit führenden Landes-Politikern. . .

Bereits 158 Tage sind seit dem Tod Davids vergangen, mehr als fünf Monate trauern und leiden Mutter Edda P. und Vater Thomas G. - und hadern mit den Geschehnissen. Damals an jenem 27. April wurden im Salzburger Landeskrankenhaus die Maschinen, die ihr einziges Kind noch am Leben hielten, abgeschaltet. Diagnose: Hirntod. Weil elf Tage zuvor, am 16. April, David nach einem Bagatell-Eingriff unter Narkose Erbrochenes einatmete. Grund der OP war ein aufgekratzter Blutschwamm auf der rechten Wange des Kindes, zwei Millimeter groß. Doch trotz Einwand einer Ärztin beharrte damals der diensthabende Kinderchirurg auf den Eingriff. Ohne, dass auf die Sorgen der Eltern eingegangen wurde, wie es in der Klagschrift steht: „Die besorgte Frage der Kläger, ob das nichts mache, dass das Kind gerade erst gegessen habe, wurde mit den Worten beantwortet, der Eingriff dauere nur wenige Minuten, es könnte absolut nichts passieren.“ 

Neben strafrechtlich auch zivilrechtlich nun Thema

Es passierte aber: David aspirierte, wie es im Fachjargon heißt. „Weder dem Anästhesisten noch der herbeigerufenen Oberärztin gelang vorerst eine Intubation. Das Kind war über einen sehr langen Zeitraum ohne Sauerstoff.“ 41 Minuten. Danach wurde David reanimiert und in künstlichem Tiefschlaf versetzt. Dass die Ärzte nicht warteten, bis das Kind nüchtern war, „war rechtswidrig, grob schuldhaft und kausal für das Ableben“, schreibt Rieder und erwähnt „Behandlungsfehler“. Offenbar wurden andere Behandlungsmethoden nicht in Betracht gezogen. Auch die „mangelhafte“ Aufklärung war „kausal für den Tod des Kindes“ - überhaupt fehle sogar eine „rechtswirksame Zustimmung zur OP“. Neben jeweils 25.000 Euro Schmerzengeld fordert der Anwalt der Eltern Schadenersatz und vor allem: die Feststellung der Haftung. „Im Laufe des Verfahrens werden die Beträge noch ausgedehnt“, kündigt Rieder an. Landesgerichts-Sprecher Peter Egger bestätigt das Einlagen der Klage: „Nun hat die SALK einen Monat Zeit zur Klagebeantwortung.“

Eltern: „Schluss mit Lügen“

„Wir möchten, dass die SALK ihre Fehler eingesteht und sich entschuldigt“, richten Mutter Edda P. und Vater Thomas G. via „Krone“ aus. Vor allem sind die Eltern erzürnt über „Schutzbehauptungen“ der SALK-Führung wie beispielsweise: „Davids Blutwerte waren so schlecht.“ „Das entspricht nicht der Wahrheit, weil gar kein Bluttest gemacht wurde“, betont die Mutter: „Es muss endlich Schluss damit sein, dass uns ins Gesicht gelogen wird.“

Fall David wird jetzt Politikum

Auch deshalb suchten Davids Eltern das Gespräch mit der Landes-Politik, allen voran mit Landeschef Wilfried Haslauer (ÖVP): „Ja, es gab ein Gespräch auf Wunsch der Eltern“, bestätigt Thomas Kerschbaum, Sprecher des Landeshauptmannes.  Und: „Es wird noch Gespräche mit der SALK geben.“ Auch NEOS-Landesrätin Andrea Klambauer sprach mit den Eltern und zeigte sich zur „Krone“ hörbar enttäuscht über die Vorgänge: „Menschlich betrachtet muss man auch das Leid der Eltern sehen. Diese Ungewissheit zermürbt Menschen.“ Damit sprach sie das Zögern der Ermittlungsbehörden an: „Es hat mich erschüttert zu erfahren, dass erst jetzt mit den Einvernahmen begonnen worden ist. Man kann da nicht Monate warten.“

Ermittlungen laufen…

Stand der Dinge führt die Exekutive derzeit Zeugenbefragungen durch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen grob fahrlässiger Tötung gegen die zwei behandelnden Ärzte. Wie berichtet langten bereits ein gerichtsmedizinisches und ein neuropathologisches Gutachten ein.

Antonio Lovric
Antonio Lovric

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