Di, 11. Dezember 2018

Haltungsverbot kommt

27.09.2018 15:12

Zoohandlungen: Neue Debatte um Hunde und Katzen

Es ist eine der häufigsten Anfragen, die uns bei der "Krone Tierecke" erreichen: Warum dürfen in Österreich Hunde und Katzen immer noch in Tierhandlungen verkauft werden? Dabei war das durchaus einträgliche Geschäft bereits verboten, wurde jedoch wieder legalisiert. Für viele Tierfreunde eine Katastrophe und für die Politik ein Streitthema - jetzt soll das Haltungsverbot von Hunden und Katzen in Zoofachhandlungen kommen, wie Bundesministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) am Donnerstag ankündigte. Experten kritisieren jedoch rechtliche Schlumpflöcher.

Es ist ein Thema, das seit Jahren für Unmut unter Tierschützern sorgt. Denn diese hatten jahrelang für ein Verbot des Verkaufs von Hunden und Katzen in Tierhandlungen gekämpft und es mit 2005 dann auch durchgesetzt. „Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner erinnert sich: „Die Freude über diesen Erfolg war unendlich groß!“ 2008 dann die große Enttäuschung: Mit der Novelle des Tierschutzgesetzes wurde der Verkauf von Hunden und Katzen in Zoofachhandlungen wieder erlaubt. Begründet wurde dies damit, den Handel mit Welpen in kontrollierbare Bahnen bringen zu wollen. Die Entwicklung seit 2009 zeigt aber deutlich, dass dies nicht gelungen ist.

Welpen kommen oft aus dubioser Quelle
Österreichische Züchter liefern keine Hunde an Zoofachhandlungen. Also woher kommen diese Tiere eigentlich? Verdeckte Ermittler der "Vier Pfoten" fanden etwa im Jahr 2011 heraus, dass die angeblich aus "seriöser ungarischer Zucht" stammenden Welpen einer großen Wiener Zoofachhandlungskette in Wirklichkeit von einem Bauernhof "bezogen" wurden, wo die teils kranken Zuchttiere in stark verschmutzten Stallungen eingepfercht waren und Welpen wie am Fließband produziert wurden. Der Preis für diese Vierbeiner beträgt dann im Geschäft aber nicht selten um die Tausend Euro. Natürlich unterliegen die Zoofachgeschäfte strengen Richtlinien und müssen sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Doch selbst beim besten Willen des Verkaufspersonals bietet die Situation einer Zoofachhandlung kaum die Möglichkeit, die Welpen ausreichend zu betreuen. Gerade bei Hundebabys stellt die Prägungsphase hohe Anforderungen an die Bezugspersonen und die Umgebung der Tiere - wie sollen diese in einer Geschäftsräumlichkeit erfüllt werden? Auch in punkto Stubenreinheit wird hier sehr viel wertvolle Zeit vergeudet.

Entenfellner: "Wir unterstützen solche Käufe nicht"
"Wir bekommen fast täglich Anfragen von Menschen, die sich spontan zum Kauf in einer Zoohandlung verleiten haben lassen. Viele von ihnen wollen ihr Tier entweder schnell wieder loswerden oder fragen nach finanzieller Unterstützung, weil die Kleinen plötzlich schwere Krankheitssymptome zeigen und die tierärztliche Behandlung so teuer ist", erzählt Maggie Entenfellner aus dem "Krone Tierecke"-Alltag. "Wir haben uns aber schon vor einiger Zeit dagegen entschieden, Welpenkäufe in Tierhandlungen oder von dubiosen Händlern mit unseren ohnehin knappen Spendengeld zu unterstützen."

Unterbringung außerhalb des Geschäfts weiterhin möglich
Die Haltung von Hunden und Katzen in Zoofachhandlungen soll nun per Anfang 2019 verboten werden. Ein von der Regierung im Parlament eingebrachter Initiativantrag zur Änderung des Tierschutzgesetzes sieht auch höhere Strafen für illegalen Tierhandel und Tierquälerei vor. Zoofachhandlungen, die am 30. September 2018 eine aufrechte Bewilligung haben, dürfen von dieser noch bis Ende 2019 Gebrauch machen, heißt es in dem Antrag. In den Erläuterungen wird dargestellt, dass mit den vorangegangenen beiden Novellen des Tierschutzgesetzes der Internethandel geregelt wurde, um illegalen Welpenhandel zu unterbinden, und andererseits durch die Sonderhaltungsverordnung auch Zoofachgeschäften neben der Haltung außerhalb des Geschäftes die Unterbringung von Tieren in Pflegestellen möglich ist. Dadurch sei es nicht nötig, dass Hunde und Katzen weiterhin in Verkaufs- oder Ausstellungsräumen gehalten werden.

Tierschützer kritisieren „Schlupflöcher“
Tierschützer begrüßen den Schritt, sehen aber noch nicht alle Probleme gelöst. Der Verkauf von Welpen per se werde nicht verboten, Zoofachhandlungen könnten Tiere außerhalb der Geschäftsräumlichkeiten unterbringen und den Verkauf weiterhin über das Geschäft abwickeln. „Wir möchten darauf hinweisen, dass hier auch das Problem der fragwürdigen Herkunft der Tiere nicht gelöst würde“, so etwa die „Vier Pfoten“ in einer Stellungnahme. „Es wäre sicher besser, das Problem ein für alle Mal mit einem Verkaufsverbot ohne Schlupflöcher zu lösen.“

Fazit: Heimtiere am besten aus dem Tierheim holen!
In den vielen Tierheimen warten Hunde und Katzen aller Rassen und Mischungen jedes Alters auf ihren Lebensplatz. Wer also ein Heimtier aus einem Asyl adoptiert, leistet einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz. Zusätzlich wird man bei einer Tiervermittlung frei von Verkaufsinteresse beraten. Muss es unbedingt ein Rassewelpe sein, dann sollte man bei der Wahl des Züchters unbedingt darauf achten, dass sich dieser einem der großen Zuchtvereine und damit deren Kontrollen angeschlossen hat - in Österreich ist das vornehmlich der ÖKV.

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