Fr, 19. Oktober 2018

Kindheitstrauma

21.09.2018 14:30

Baby erstickt: Mutter (38) in Anstalt eingewiesen

Jene Frau, die ihren erst drei Monate alten Sohn Anfang Jänner im Wiener Donauspital tötete, hat sich am Freitag vor dem Wiener Landesgericht verantworten müssen. Die 38-Jährige litt zum Tatzeitpunkt laut psychiatrischem Gutachten unter einer akuten Belastungsreaktion sowie einer depressiv-psychotischen Episode im Rahmen einer schizoaffektiven Störung und sei damit nicht zurechnungsfähig gewesen. Sie wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Noch vor dem Vortrag der Staatsanwältin stellte der Verteidiger den Antrag, die Öffentlichkeit auszuschließen, da im Verfahren der höchstpersönliche Lebensbereich der Frau erörtert würde. Dies betreffe im Besonderen deren sexuellen Missbrauch in der Kindheit. Der Richtersenat unter dem Vorsitz von Eva Brandstetter gab dem Begehren für jene Teile des Verfahrens statt, die sich mit dem geistigen Zustand der 38-Jährigen befassen.

Die Frau hatte ihren Schwiegervater, einen Ex-Diplomaten, verdächtigt, rund um Weihnachten ihre vierjährige Tochter sexuell missbraucht zu haben. Sie war daraufhin mit ihren beiden Kindern in dem Wiener Spital aufgenommen worden. Der acht Monate alte Bub starb dort am 3. Jänner. Seine Mutter hatte das Kind erstickt. Danach unternahm die Frau einen Suizidversuch, wurde inhaftiert und in eine psychiatrische Abteilung gebracht.

Ex-Diplomat unter Missbrauchsverdacht festgenommen
Der Schwiegervater wurde am Dreikönigswochenende festgenommen, obwohl er die Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs vehement zurückwies. Am 1. Februar wurde er entlassen, mittlerweile ist das Verfahren gegen ihn eingestellt. Rudi Mayer, der Anwalt des zu Unrecht Beschuldigten, berichtete im Vorfeld der Verhandlung, dass sein Mandant damit zu kämpfen hat, dass nach derartigen Vorwürfen „immer etwas hängen bleibt“. „Viel ärger ist aber für ihn, dass sein Enkelsohn hat sterben müssen.“

Angeklagte verarbeitete Kindheitstrauma nicht
Der Auslöser der Tragödie sei in der Jugend der Frau zu suchen, die damals auf den Philippinen sexuell missbraucht worden war. „Sie hat aber nie eine Traumatherapie gemacht und das nicht verarbeitet“, sagte Mayer. Die 37-Jährige habe in völlig harmlose Ereignisse bzw. Erzählungen der Kleinen - etwa, dass sie mit dem Großvater Palatschinken gerollt hat - einen Missbrauch hineininterpretiert. Danach hat die Mutter das Kind immer und immer wieder suggestiv ausgefragt. Mit zahlreichen Gutachten und Ausschöpfung aller Beweismittel habe die Polizei nach der Tragödie einen Missbrauch eindeutig ausschließen können.

Die Geschworenen bejahten nach relativ kurzer Beratung die Hauptfragen einstimmig, wonach die Frau ihren Sohn getötet und selbiges bei der Tochter versucht hat. Allerdings war sie nach ihrer ebenfalls einstimmigen Entscheidung zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig. Laut dem psychiatrischem Gutachten litt sie unter einer akuten Belastungsreaktion sowie einer depressiv-psychotischen Episode im Rahmen einer schizoaffektiven Störung.

Die vorsitzende Richterin Eva Brandstetter verwies auf die Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen Peter Hofmann, weshalb man die Einweisung nicht bedingt aussprechen konnte. Erst nach längerer Suche sei ein wirksames Medikament gefunden worden, auf das die 38-Jährige nun eingestellt werden muss. „So lange das nicht ganz fixiert ist und das Umfeld geklärt ist, müssen Sie stationär behandelt werden“, sagte Brandstetter. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft nahmen die Entscheidung an. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

 krone.at
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