Für Instagram-Likes

Immer mehr bestellen Kleidung nur für ein Foto

Die sozialen Medien, allen voran Instagram, haben ein neues trauriges Phänomen hervorgebracht. „Shop, snap and send back“ - was übersetzt „Shoppe, fotografiere und sende es zurück“ bedeutet. Genau das ist es auch: Laut einer Untersuchung des britischen Kreditkartenanbieters Barclaycard bestellt einer von zehn Briten seine Kleider online nur mit dem Zweck, sich für Instagram darin fotografieren zu lassen. Sobald das Bild gepostet ist, schickt man es wieder zurück - und hat nichts bezahlt. Hauptsache die Follower glauben, man würde täglich neue Kleidung einkaufen.

Unter dem Hashtag #outfitoftheday - #ootd finden sich auf Instagram unglaubliche 200 Millionen Postings. Dort posten Fashionistas und jene, die gerne Influencer werden würden, täglich ihre neuen Oufits. Sofern man nicht wahnsinnig reich ist oder kürzlich im Lotto gewonnen hat, geht das ganz schön ins Geld. Welcher Normalo kann es sich schon leisten, jeden Tag ein komplett neues Outfit inklusive Schuhe und Accessiores zu tragen? Vermutlich niemand.

#Nur die Illusion

Doch manchen Instagram-Usern ist der Schein wichtiger als das Sein. Sie wollen unter allen Umständen die Illusion aufrecht erhalten, sie hätten so viele stylische Kleidung in ihrem Kleiderschrank. Also bestellen sie auf Rechnung Klamotten, Schmuck und Schuhe im Internet, ziehen es einmal für ein Foto an, posten das Bild und schicken den vermeintlichen Einkauf zurück. Ohne auch nur einen Cent bezahlen zu müssen. In England ist dieses Phänomen mittlerweile so verbreitet, dass es einen eigenen Namen hat: „Shop, snap and send back“. Vor allem Männer und Menschen zwischen 35 und 44 Jahren greifen auf diesen Trick zurück.

#Virtuell vs. real

Doch was sagt das über die Social-Media-Welt? Nichts gutes. Anscheinend ist das Ansehen in den sozialen Netzwerken wichtiger als die Realität. Denn was hat man davon, wenn man ein Kleidungsstück bloß für ein Foto anzieht? Können Likes wirklich so viel bedeuten? Immerhin werde ich nie in der realen Welt ein Kompliment für dieses Outfit bekommen, kann mich nicht daran erfreuen, wenn ich meine neue Handtasche in der Stadt ausführe oder mich über Blasen von meinen neuen Lieblings-High-Heels ärgern, es den schönen Schuhe aber doch vergeben. 

#Wiener Blogger

Denise von diniis_life aus Wien sagt: „Mir ist Natürlichkeit sehr wichtig - seine Follower sollte man auf keinen Fall anlügen. Schon garnicht mit Kleidung, die man nur für ein einziges Bild bestellt und dann zurücksendet. Ich persönlich würde das auch nie machen. Mir ist es wichtiger, authentisch zu sein und das gilt auch für das, was ich anziehe und präsentiere - ich verstehe nicht, wieso man sich eine Fake-Welt in sozialen Netzwerken schafft, denn die Follower sollten einem wegen seiner Authentizität folgen.“ 

Auch Miriam von milarose.net äußert sich zu dem Thema: „Instagram ist sowieso schon eine Scheinwelt, in der Jeder versucht, sein Leben so schön, luxuriös und beneidenswert darzustellen, wie nur irgendwie möglich. Ich finde es mehr als unnötig, Dinge zu bestellen, die man sich gar nicht leisten kann, um einen Lebensstil vorzutäuschen und sie dann wieder zurück zu schicken. Abgesehen davon, sollte es meiner Meinung nach beim Bloggen nicht hauptsächlich um materielle Dinge oder Statussymbole gehen, sondern um den persönlichen Stil, eigene Ideen und neue Trends, die man entdeckt. Dieses ganze Protzen auf Social Media finde ich mittlerweile nur noch langweilig.“

#Mehr Schein als Sein

Anfangs sollte Instagram Mode für jeden machen. Mode von „normalen“ Menschen für „normale“ Menschen. Weg von den superreichen Supermodels, die sich alles leisten können und eine vermeintliche Traumfigur haben. Leistbare Kleidung für kleine, große, dünne, dicke Frauen. Mittlerweile ist die Plattform jedoch genauso Schein wie die Hochglanzmagazine. Die Instagram-„Schnappschüsse“ sind in Wahrheit genauso inszeniert wie ein großes Fotoshooting und ebenso bearbeitet. Die Mode, die die Influencer angeblich selbst aussuchen, werden ihnen von den großen Labels zugeschickt, weil doch noch immer sie bestimmen, was wirklich Trend bleibt. Damit könnte man sicherlich noch leben, doch Kleidung bloß für ein Posting zu bestellen, ist fast schon krankhaft. Doch es geht tatsächlich noch einen Schritt weiter.

#Dekadenz und Selbstinszenierung

Der Online-Shop Fashion Nova produziert Kleidung, die Stars getragen haben, billig nach. Deren Zweck soll es dann sein, auf Social Media gut rüberzukommen. Für die Umwelt und uns selbst wäre es sicherlich besser, eher weniger als immer mehr zu konsumieren. Billige Kleidung für die Selbstinszenierung zu kaufen, um sie danach wegzuwerfen, zeugt von Dekadenz. Teure Kleidung bloß für ein Foto zu bestellen, zeugt von einem wahnsinnig geringen Selbstbewusstsein. Es gibt doch nichts schöneres, als sich ein Kleidungsstück zu wünschen, vielleicht etwas sparen zu müssen, es schließlich zu erstehen und absolut glücklich zu sein - wenn man es das erste Mal ausführt. Und auch glücklich zu bleiben, wenn man es schon zum 25. Mal trägt - auch auf Instagram.

September 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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