20 Jahre checkIt!

„Gratis Drogentest nach wie vor absolut notwendig“

Seit 20 Jahren ist checkIt! ein wichtiges Präventionsinstrument der Wiener Drogenpolitik. In den 1990er-Jahren als Partyprojekt begonnen, hat es sich stetig weiterentwickelt und ist gewachsen. Mittlerweile testet checkIt! nicht bloß die Drogen von Freizeitkonsumenten auf Raves, sondern ist zu einer wichtigen Anlaufstelle für persönliche Beratung und Betreuung der User geworden. Auch im wissenschaftlichen Bereich - wie bei der Analyse chemischer Substanzen - sind die Chemiker der Einrichtung federführend.

Vor 20 Jahren war der derzeitige Stadtrat Peter Hacker Drogenkoordinator der Stadt Wien: „Es war die Zeit der großen Raves, bei denen es immer wieder zu Einlieferungen von Drogenkonsumenten mit Vergiftungen in die Notfallambulanz des AKH kam. Die dortigen Ärzte konnten zwar viele Leben retten, doch es war sehr aufwändig, die Verunreinigungen und giftigen Zusätze in den Substanzen zu analysieren. Daraus entstand schließlich der Ansatz, Vergiftungen zu verhindern, indem man die Drogen vor Ort analysieren lassen konnte.“ checkIt! war geboren, nachdem einige juristische wie pragmatische Probleme überwunden werden konnten. (City4U hat bereits über die Arbeit von checkIt! berichtet)

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich vieles verändert, vieles ist gleich geblieben. Auch wenn die großen Raves nicht mehr In sind und die Partyszene verdeckter geworden ist, braucht es nach wie vor eine Einrichtung wie checkIt!. Das zeigt alleine die Statistik: 2017 wurden insgesamt 1286 Proben analysiert - die höchste Zahl seit der Gründung des Drogenkompetenzzentrums. „checkIt! ist noch immer absolut notwendig. Es ist ganz entscheidend, denn nur so wird ein Teilbereich der Zielgruppe, nämlich die Freizeitdrogenkonsumenten erreicht. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die Subtanzanalyse nicht das alleinige Merkmal von checkIt! ist, sondern der Anknüpfungspunkt für die User, um mit den Sozialarbeitern und Psychologen über Harm Reduction und Prävention zu sprechen“, erklärt Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, im City4U-Talk.

Um so lange bestehen zu können, ist es wichtig, immer am Ball zu bleiben. „Es gibt ständig Veränderungen, da ist es nicht so leicht, bei den Jugendlichen immer up-to-date zu sein. Bis jetzt haben wir das aber gut geschafft und hoffen, dass es so bleibt“, beschreibt checkIt!-Leiter Karl Schubert-Kociper. „Die ganze Szene hat sich weiterentwickelt, ebenso der Konsum. Dieser findet nicht mehr nur auf Partys statt, sondern immer häufiger auch im privaten Bereich. Durch das Dark Net ist der Bezug von illegalen Substanzen viel einfacher geworden“, weiß Lochner. Ein Ziel für die nächsten Jahre ist daher, das checkIt!-Prinzip auf den Drogenverkauf im Internet umzulegen.

Ein weiteres wichtiges Thema für die unmittelbare Zukunft ist für den Pharmazeuten der Einrichtung, Anton Luf, das Bewusstsein auch auf die Gefahr von legalen Substanzen zu lenken. „Man muss den Alkohol verstärkt aufgreifen und bei Prävention nicht die legalen Mitteln ausklammern.“ Dem stimmt Drogenkoordinator Lochner zu: „Das größte Problem im Bereich Suchtmittel haben wir in Wien mit Alkohol.“ Für eine Großstadt im Zentrum von Europa sei die Situation aber dennoch in Vergleich zu andern Großstädten sehr entspannt, was sicherlich unter anderem Einrichtungen wie checkIt! zu verdanken sei. „Ein Ziel der Wiener Drogenpolitik muss natürlich weiter sein, dass ein akzeptierender Umgang mit Suchtkranken praktiziert wird. Wichtig ist dabei, dass sich alle an Regeln halten müssen, damit ein friedliches Nebeneinander in unserer Stadt möglich ist. Populismus und kranke Menschen ins Eck zu drängen, löst aber garantiert keine Probleme“, betont Lochner.

Aus diesem Grund soll das Drogenkompetenzzentrum auch noch lange bestehen. Wien übernahm vor 20 Jahren die Vorreiterrolle im Bereich legales Drug-Checking und gehört auch noch heute zu den wenigen europäischen Städten, in denen das möglich ist. Was wünscht sich der Leiter von checkIt! für die Zukunft? „Ich wünsche mir, dass unsere Arbeit auch weiterhin als wichtig erachtet wird. Zudem eine Drogenpolitik auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen und dass mit dem Substanzkonsum in der Gesellschaft weniger aufgeregt umgegangen wird. Man muss das Thema neutraler und weniger emotional behandeln.“ Für Pharmazeut Anton Luf ist eines sicher: „Wir schauen nicht weg, sondern nehmen uns den Problemen an. Ich glaube an unsere Arbeit.“

September 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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