31.08.2018 07:18 |

Galerie Mauroner:

Gefangen im eigenen Spiegelbild

43 internationale Künstler widmen sich dem Thema „Black Mirror“ - ein breites Spektrum:

Auf einer Fahrt von Wien nach Venedig, bei der sich der Winter noch einmal aufbäumte, schenkten mir die Spiegelungen auf dem schneenassen, schwarzen Asphalt die Inspiration für diese Ausstellung„, verrät Mario Mauroner, der dem Festspielpublikum den “schwarzen Spiegel" vorhält, und sich somit einem Objekt der Begierde widmet, dass an Faszination nichts verloren hat: Ganz im Gegenteil!

Denn während die Azteken den “Black Mirror„ für hellseherische- und Heilpraktiken nutzten, und er Renaissance-Künstler als optisches Instrument zum Dämpfen von Farben und Eröffnen neuer Perspektiven diente, gibt es heute, im digitalen Zeitalter vor ihm überhaupt kein entrinnen. Denn mittels Smartphone, Computer oder Flatscreen führen wir ihn uns doch ständig vor Augen, geben darin Privates preis bzw. gieren nach dem Spiegelbild der anderen, ohne es nach dem Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Ein relevantes Thema, dass viele Künstler in ihren Arbeiten reflektieren. Für die Schau in der Residenz sowie am Ignaz-Rieder-Kai haben die Salzburger Galeristen 43 ausgewählt, die in rund 100 Werken dieses breite Spektrum widerspiegeln.

Während z.B. der spanische Bildhauer und Multimedia-Künstler Bernardi Roig mit seinen Polyesterharzfiguren im Neonlicht, menschliche Körper mit der Hand vorm Gesicht oder den Fingern in den Ohren porträtiert und so die massenmedial verursachte und virtuell verbreitete Informations- und Bilderflut kritisiert, spielt Kendell Geers mit der Macht des Wortes. Der Südafrikaner schneidert seiner “Nike of Samothrace„ ein Kleid mit dem Schriftzug “Fuck" auf dem Leib. Na wie gut, dass vor der meterhohen Skulptur im Residenzhof die Festspielsociety bereitwillig für Fotos posierte, ohne überhaupt einen blassen Schimmer zu haben, welches Schimpfwort sie ziert.

Während sich diese nun wohl wünscht die Zeit zurückzudrehen, blendet sie Manfred Erjautz komplett aus. Der Grazer schwärzt den Glassturz einer Junghans Uhr aus den 1920ern und lässt dabei die getrieben Gesellschaft zeitlos zurück.

Einen Moment inne zu halten lohnt sich bei der Installation des Künstler-Trios LAb[au] rund um die Architekten Manuel Abendroth, Jérôme Decock and Els Vermang. Denn erst dann offenbart sich die Vielfalt der Motive, die das Minimosaique schleichend durch ein ausgeklügeltes Lichtsystem Preis gibt.

Tina Laske
Tina Laske
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