Unverschwendet

„Tomaten, die zu rot sind, müssen in den Müll“

Täglich werden tonnenweiße noch genießbare Lebensmittel landesweit in den Müll geworfen. Gemüse direkt von Bauern schafft es manchmal nicht einmal in den Supermarkt, weil es nicht den ästhetischen Ansprüchen genügt. Dafür, dass so viel Obst und Gemüse wie möglich verwertet statt entsorgt wird, engagiert sich Cornelia Diesenreiter seit 2015 mit ihrer Firma Unverschwendet. „Wir sind die kulinarische Lösung, um unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden“, sagt die 31-jährige Wienerin.

„Lebensmittelabfallvermeidung ist ein unglaublich wichtiges und emotionales Thema. Wir bieten eine Lösung, die sich nicht mit dem Thema ,Wer hat Schuld‘ beschäftigt“, erklärt Unverschwendet-Gründerin Cornelia Diesenreiter im City4U-Interview. Mit ihrem Unternehmen sammelt sie Überschüsse direkt von Landwirten im Großraum Wien ein, noch bevor sie in den Supermarkt kommen, weil dafür die Farbe, Größe oder Form nicht passt oder aber mehr da ist, als der Markt aufnehmen kann. „Wir verarbeiten das überschüssige Obst und Gemüse ab Hof zu nachhaltiger Feinkost in Gläschen.“

#Lebensmittelabfallvermeidung

Bei einem Zero Waste Projekt im Rahmen ihres Studiums hat Diesenreiter bei einer Restmüllanalyse teilgenommen, bei der eineinhalb Tonnen Restmüll in Kategorien aufgeteilt wurden. „Ich war absolut schockiert, dass davon 400 Kilogramm Lebensmittel waren, die teilweise noch einwandfrei genießbar waren“, berichtet die 31-Jährige. Zurück in Österreich machte sie sich auf die Suche auf einen Job im Bereich Lebensmittelabfallvermeidung, musste jedoch feststellen, dass es so eine Stelle in Österreich noch gar nicht gab. „Also beschloss ich, mich selbstständig zu machen und das war die beste Entscheidung.“

#Fünf Tonnen Obst und Gemüse gerettet

Als große Herausforderung sieht Diesenreiter den Umstand, Überschüsse planbar zu machen, da sie oftmals sehr spontan anfallen. Diese nimmt sie jedoch gerne an, weil sie sieht, wie glücklich Unverschwendet Menschen machen kann. „Einerseits die Bauern, weil sie nichts wegwerfen müssen und die Konsumenten, die sich über eine köstliche Lösung freuen.“ 2015 begann alles mit einer Produktion von 400 Gläschen, 2017 waren es bereits 32.000 Gläschen, für die über fünf Tonnen Obst und Gemüse geretten wurden. Für 2018 sind mehr als 100.000 geplant. „Natürlich wäre es wundervoll, wenn es uns eines Tages nicht mehr geben müsste, doch die Realität sieht in dieser globalisierten und kapitalistisch strukturierten Gesellschaft leider so aus, dass wir damit rechnen, dass die Probleme sich noch mehr zuspitzen werden und es Konzepte wie Unverschwendet noch lange zum Ausgleich geben muss.“

#Tomaten, die zu rot sind

Was müsste sich in der Gesellschaft im Umgang mit Lebensmitteln ändern? „Die meisten haben keinerlei Verbindung zur Urproduktion. Wie wächst eine Tomate, wie viel Arbeit und Ressourcen stecken hinter jedem einzelnen Obst und Gemüse, das sie im Supermarkt kaufen oder vielleicht sogar wegschmeissen. Durch Bewusstseinsbildung und Nähe zur Natur kann ein repektvollerer Umgang damit geschaffen werden“, bekräftigt Diesenreiter. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg: „Am meisten ärgert es mich, wenn manches Obst oder Gemüse weggeworfen werden muss, weil es nicht den ästhetischen Ansprüchen des Marktes genügt. Das führt dann zu so absurden Dingen, wie dass wir Tomaten bekommen, die zu rot sind. Die Natur, die Umwelt und das Klima sind jedes Jahr einzigartig und so ist es auch das Obst und Gemüse, doch das ist den meisten Menschen nicht mehr bewusst.“

August 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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