In Clubs und auf Party

checkIt prüft, was in illegalen Drogen ist

Menschen nehmen bewusstseinserweiternde Substanzen, seit es die Menschheit gibt. Man kann nicht alle davon abhalten, aber man kann das Risiko und den Schaden, den sie verursachen können, minimieren. Diesen Zugang vertritt checkIt, eine Einrichtung der Suchthilfe Wien. Als Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien testet checkIt seit 1997 auf verschiedenen Partys und Clubbings Drogen wie Ecstasy und Speed, die die Konsumenten selbst abgeben, um zu erfahren, welche Inhaltsstoffe tatsächlich darin enthalten sind. „Das Drug Checking ist ein guter Weg, um mit der Zielgruppe der Freitzeitdrogen-Konsumenten in Kontakt zu treten“, weiß checkIt-Leiter Karl Schubert-Kociper.

checkIt ist eine Einrichtung, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Beratung zum Thema legale und illegalve psychoaktive Substanzen bietet. Zusätzlich haben wir auf Festivals und Partys eine mobile Beratungsstelle, in der Menschen eine Substanz, die sie konsumieren möchten, im Vorfeld chemisch analysieren lassen können“, erklärt checkIt-Leiter Karl Schubert-Kociper das Konzept der Einrichtung. Die Drogentests laufen stets anonym und kostenlos ab. „Am Drogenschwarzmarkt ist es ja so, dass es keine Qualitätskontollen gibt, keinen Beipackzettel. Im Prinzip weiß man nie genau, was in der Droge drin ist.“

#In einem Jahr 1300 Proben analysiert

Den Konsum könne man zwar niemals ganz verhindern, aber man könne den jungen Menschen Informationen bieten und sie über Risiken informieren, sagt Schubert-Kociper. Im vergangenen Jahr hat checkIt knapp 1300 Proben analysiert - die höchste Zahl seit Bestehen des Angebots. Je nach Größe und Dauer der Veranstaltung werden bis zu 230 Proben analysiert und 1000 Beratungsgespräche geführt. Für die Analyse werden nur etwa fünf Milligramm von der jeweiligen Substanz benötigt. „Der Konsument bereitet die Probe selbst vor, wir greifen die Drogen nie an. Wenn es zum Beispiel um eine Ecstasy-Pille geht, reibt der User mit Schleifpapier von jeder Seite etwas ab. Anschließend bekommt er eine Probennummer anhand derer er dann sein Ergebnis ablesen kann. Den Rest der Droge nimmt er wieder mit“, beschreibt der Leiter den Vorgang.

#MDMA, Amphetamine, Kokain

Nach einer halben Stunde findet der Konsument seine Probennummer an der öffentlichen Ergebniswand. „Dort kommen wir dann mit den Partybesuchern ins Gespräch, bei dem wir Informationen weitergeben und dadurch Risikobvewusstsein schaffen wollen.“ Die Ergebnisse des Drug Checkings sind in ein Ampelsystem gegliedert. „Statt grün haben wir jedoch weiß, weil wir wollen nicht die falschen Signale aussenden. Ein Risiko gibt es bei jeder Einnahme von Drogen“, betont der Wiener. Ein weißer Ergebniszettel bedeutet, dass in der Droge ausschließlich die zu erwartende Substanz enthalten ist. Gelb zeigt hingegen ein unerwartetes Ergebnis an. Zum Beispiel, dass eine weitere stimulierende Substanz in der Probe entdeckt wurde. Eine Warnung signalisiert schließlich das rote Blatt Papier: „Die Analyse hat ergeben, dass weder die Wirkung noch das Risiko des Konsums dieser abgeschätzt werden kann, weil entweder mehr als drei unterschiedliche oder eine potenziell gefährliche Substanz in der Probe nachgewiesen wurde.“ Die Drogen die am häufigsten getestet werden sie MDMA (Ecstasy), Amphetamine und Kokain.

#Monitoring des Drogenschwarzmarktes

Durch das Testen der synthetischen sowie halbsynthetischen Drogen und dem Kontakt zu Konsumenten ist checkIt das Monitoring von aktuellen Konsumtrends und der Ist-Situation des Drogenschwarzmarktes möglich. „Veränderungen sind alle paar Monate festzustellen. Für uns ist es wichtig, sie zeitgerecht wahrzunehmen und in unsere Präventionsarbeit miteinfließen zu lassen. So sind derzeit zum Beispiel sehr hochdosierte Ecstasy-Pillen auf dem Markt. Vor ein paar Jahren gab es häufiger das Risiko, dass ganz andere Substanzen als erwartet, darin enthalten waren“, erläutert Schubert-Kociper. Das Drug Checking ist jedoch nur ein Teil des Gesamtkonzeptes von checkIt: „Die Ergebnisse werden immer in persönlichen Gesprächen kommuniziert und relevante Informationen an Konsumenten weitergegeben, mit dem Ziel eine Konsumreflexion anzustoßen.“

#Risikominimierung

Das Team, das auf Partys und Clubbings mit dabei ist, besteht aus Sozialarbeitern, Psychologen und den Chemikern. „Wir bieten Beratung auf hochprofessionellem Niveau, obwohl es manchmal recht schwierig ist, wenn ein Rave, wo es sehr laut ist und junge Leute Party machen, dein Arbeitsumfeld ist. Es ist eben nicht das klassische Setting“, sagt der 39-Jährige. Mit dem Argument, checkIt würde Menschen dabei unterstützen, leichter Drogen zu konsumieren, kann der Leiter nichts anfangen. Es gehe um Risikominimierung: „Je mehr Menschen über Risiken Bescheid wissen, desto besser können sie dieses reduzieren. Wir möchten sie dabei unterstützen, risikobewusstere Entscheidungen zu treffen.“

#Veranstaltungstipp:

Wer mehr über checkIt und dessen wissenschaftliche Forschung und Präventionsarbeit erfahren möchte, sollte die Konferenz „reduse2018 - New Aspects and Developements in Recreational Drug Use“ am 13. und 14. September 2018 im Van-Swieten-Saal im 9. Bezirk anlässlich 20 Jahre checkIt besuchen. An beiden Tagen gibt es interessante Vorträge über unter anderem Freizeit-Drogenkonsum und Drug Checking in den Niederlanden sowie Podiumsdiskussionen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

August 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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