Mo, 19. November 2018

Viel zu trocken

08.08.2018 07:00

Dürre und Helfer-Not bedrohen Ernten der Landwirte

Während die einen die anhaltende Hitze genießen, ist sie speziell für einige Landwirte in Oberösterreich ein Fluch. Frisch gesetzte Christbäume vertrocknen, Kraut-Kulturen werden kaputt, Futter für die Rinderwirtschaft verdorrt auf der Wiese, und die Getreide-Ernte ist im wahrsten Sinne des Wortes „brandgefährlich“.

Kein Kraut heuer? Keine Christbäume? Kein Futter für die Kühe? Keine Erntehelfer für wertvolle Lebensmittel? Der heurige Sommer hat es für viele Bauern wirklich in sich. „Das geht einem zu Herzen, wenn man bei frisch gesetzten Christbäumen einen Ausfall von 50 Prozent hat“, beschreibt Ignaz Hofer, Christbaum-Bauer aus St. Agatha, seine Misere. Rund 5000 seiner 10.000 frisch gepflanzten Christbäume fielen in den letzten Wochen der anhaltenden Dürre  zum Opfer. „Du musst hilflos zuschauen, bist als Bauer der Natur ausgesetzt“, ist er nachdenklich. Will aber im kommenden Jahr doppelt so viele Christbäume wie heuer nachpflanzen, um den Schaden begrenzen zu können und keinen Engpass zu erzeugen.

Kraut ist unverkäuflich
Trostlos trocken ist es aber auch auf den Flächen von Mario Thallinger (43), Gemüse-Bauer in Thalheim bei Wels. „Weil das Kraut normalerweise nicht bewässert wird und der Regen heuer ausblieb, gibt es auf den Feldern ordentliche Verbrennungsspuren. Es ist unverkäuflich“, erklärt der Profi. Und nicht nur der Ausfall einzelner Kulturen macht ihm zu schaffen, auch fehlende Arbeitskraft durch ausbleibende oder nicht genehmigte Erntehelfer aus dem Ausland ist ein Problem - siehe Interview ganz unten.

Futter muss zugekauft werden
Und um das Futter für seine Kühe bangt Bio-Landwirt Gottfried Mair (58) wie viele andere Bauern im Mühlviertel: „Normalerweise können wir viermal im Jahr das Futtergras mähen, heuer brachten der zweite und der dritte Schnitt jeweils nur ein Viertel der üblichen Ernte.“ Selbst, wenn es jetzt noch regnet, regeneriert sich der Boden nicht mehr zeitgerecht. Mair: „Jetzt schon wird das für den Winter gedachte Futter verfüttert, später muss Futter zugekauft werden, Tierbestände müssen reduziert werden. Viele Bauern in der Region haben Existenzängste!“

Borkenkäfer breiten sich aus
Auch für die Forstwirte unter den Landwirten ist die lang anhaltende Hitze, gepaart mit der Trockenheit, ein Problem. Die ohnehin schon durch Dürre geschwächten Bäume werden vom Borkenkäfer massiv geschädigt und müssen deshalb verfrüht umgeschnitten werden.

Nur 45 Euro statt 80 Euro
Finanzielle Einbußen, verfrühte Arbeiten mit noch zu jungen Bäumen und die Gefahr der Ausbreitung - mit all diesen Problemen haben die Waldbesitzer unter den Bauern aktuell zu kämpfen. „Der Schädling frisst sich zwischen Rinde und Baum durch und lässt so den Baum absterben“, erklärt Forstmeister Lukas Mair (26) aus Eidenberg. Bäume können so nicht nach Plan genutzt werden, sind pro Festmeter Holz statt um 80 Euro um nur 45 Euro - wenn überhaupt - zu verkaufen. Deshalb müssen schon jetzt - statt erst im Winter - viele Bäume abgeholzt und zu Hackgut oder Heizmaterial verarbeitet werden.

Großer Wasser- und Saisonniers-Mangel
Stefan Hamedinger, Geschäftsführer des OÖ-Obst- und Gemüseproduzenten-Verbands, will die Probleme der Gemüse-Bauern aufzeigen.

Krone: Die Gemüsebauern in Oberösterreich haben in diesem Sommer ordentlich zu kämpfen. Warum?
Stefan Hamedinger:
Einerseits wegen des Wassermangels: Kulturen, die normalerweise keine Bewässerung benötigen, können aktuell nicht mit Wasser versorgt werden und verkommen oder wachsen nicht. Andererseits: Die Erntehelfer und Drittstaaten-Saisonniers sind kontingentiert und nicht zu bekommen oder gehen ins benachbarte Deutschland, wo sie im Gegensatz zu Österreich die Familie nach drei Monaten nachholen können und ihnen mehr Lohn bleibt, weil dort keine Lohn-Nebenkosten bestehen.

Krone: Was sind die Folgen für die Landwirte?
Stefan Hamedinger:
Sie sind in Planungsschwierigkeiten, verzweifelt, wenn sie zusehen müssen, wie Teile der Ernte wegbrechen.

Sabine Kronberger, Kronen Zeitung

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