Skurriler Job

„Konflikte zu lösen, ist mein Beruf“

Harald Schmid ist im Trennungsmanagement. Das bedeutet, dass er Unternehmen dabei unterstützt, Kündigungssituationen möglichst konfliktfrei zu bewältigen. „Einen Mitarbeiter zu verlieren, muss nicht heißen, einen Menschen zu verlieren“, ist dabei das Motto des 52-Jährigen, der sich vor sechs Jahren in diesem Bereich selbstständig gemacht hat. Mit seiner Firma hilft er auch beim Konfliktmanagement sowie beim Outplacement: Die Vermittlung von gekündigten Mitarbeitern an andere Unternehmen. City4U hat er von seinem nicht alltäglichen Beruf erzählt.

„Für mich ist Trennung etwas Normales, privat wie beruflich“, beginnt Harald Schmid seine persönliche Definition seiner Tätigkeit im Trennungsmanagement im City4U-Talk. „Entscheidend ist aber, wie man auseinandergeht.“ Seine Stimme ist weich, er drückt sich mit Bedacht aus und ist sich der Wirkung seiner gesprochenen Worte bewusst. Man würde eher denken, man spräche mit einem Sozialarbeiter und nicht mit jemandem, der sich in seiner Firma klaglos.at täglich mit schwierigen Kündigungssituationen auseinandersetzt. Hat man da kein schlechtes Gewissen? „Die Entscheidung ist da ja schon gefallen, auch ohne mein zutun. Ich bin dann da, um die Trennung so zu gestalten, damit sich beide Parteien noch in die Augen sehen können. Das hilft auch dem betroffenen Mitarbeiter.“

#Konfliktberatung

„Das Trennungsmanagement ist nur ein kleiner Teil meines Tätigkeitsfeldes“, merkt der 52-Jährige aber an. Seine häufigsten Aufträge betreffen die Konfliktberatung. "Mein Geschäft läuft gut. Die Wirtschaft boomt, aber wir gehen konfliktreichen Zeiten entgegen“, ist sich der Niederösterreicher sicher. Dafür verantwortlich seien auch die Sozialen Medien. „Wir verlieren das persönliche Gespräch immer mehr. Das führt zu noch mehr Konflikten.“ Unternehmen seien so gesehen ja nur ein Spiegel der Gesellschaft im Gesamten. „Im Prinzip ist ein Konflikt nur der Umgang mit Unterschieden. Das haben wir jedoch nie gelernt. Viele tun sich schwer Unangenehmes direkt anzusprechen.“ Dann komme Schmid ins Spiel.

#Viertel nach zwölf

„Oft werde ich aber nicht fünf vor, sondern viertel nach zwölf angerufen. Zum Scherben aufheben sozusagen“, sinniert er. Wenn Unternehmen einen langjährigen Mitarbeiter aus unterschiedlichen Gründen kündigen müssen, ihm aber bei der beruflichen Neuorientierung helfen möchten, rufen sie ebenfalls Harald Schmid an. Er unterstützt den plötzlich Arbeitslosen wider Willen in einem Zeitraum zwischen drei und sechs Monaten dabei, einen neuen Job zu finden. Das nennt man Outplacing. In den USA ist diese Praxis gang und gebe, in Österreich noch eher unbekannt.

#Outplacing

„Ich fange die Personen in einer schlimmen Situation auf und wir generieren dann gemeinsam Ideen. Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen, erlebe ich als sehr bereichernd.“ Schmid hilft mit seinem persönlichen Netzwerk, coacht für Bewerbungsgespräche und steht während der Zeit mit Rat und Tat zur Seite. Bis jetzt habe ich rund 30 Personen im Bereich des Outplacing unterstützt, 80 Prozent konnte ich erfolgreich vermitteln", freut sich der ehemalige Personalleiter. Die Kosten von mehreren Tausend Euro übernimmt dabei das Unternehmen, das die jeweilige Person gekündigt hat. Outplacement wird immer populärer. Die Zahl der Unternehmen, die diesen Dienst annehmen, steigt jährlich.

#Jedes Ende ist auch ein Anfang

Schmid bereut seinen Schritt in die Selbstständigkeit vor sechs Jahren bis heute nicht. „Ich liebe die Gespräche mit den Menschen. Aus jedem einzelnen nehme ich etwas mit. Das ist sehr bereichernd.“ Aus seiner Tätigkeit beim Outplacement sind sogar schon Freundschaften entstanden. „Ich habe natürlich auch einen doppelten Output: Klarerweise die Bezahlung, aber zusätzlich auch die Freude, wenn der Klient schließlich einen neuen Job bekommt.“ So wie ein 55-jähriger Perser, der kaum Deutsch sprach, es aber trotzdem schaffte, sich in der IT-Branche selbstständig zu machen und seit einigen Jahren erfolgreich ist. Oder der Druckerei-Mitarbeiter der sein Hobby, die Photovoltaik, zum Beruf gemacht hat. Jedes plötzliche Ende kann auch immer ein guter Anfang sein.

August 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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