Skurriler Job

Eine Frau, die Reden für Brautväter schreibt

Diana Albu-Lisson liebt es zu schreiben. Mit Worten zu spielen, Formulierungen zu erschaffen und damit mitzureißen. Neben dem Schreiben ist das Reden ihre zweiten Leidenschaft. Beide hat die Geschichtswissenschaftlerin und Buchautorin zu ihrem Traumjob zusammengefasst: Sie ist Zeremonien-Rednerin sowie Ghostwriterin. Nur schreibt sie nicht nur Biografien, sondern auch die Reden von Brautvätern und Trauzeugen, die das selbst nicht können.

Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen kirchliche und für freie Zeremonien, die sich besonders persönlich und individuell gestalten lassen. Diana Albu-Lisson begleitet diese Personen an genau diesen Tagen, die die schönsten oder schlimmsten im Leben für ihre Kunden sind, mit ihren Reden: Bei Hochzeiten, Namensgebungsfesten oder Beerdigungen. „Nach der Geburt meines Sohnes musste ich mich beruflich neuorientieren und dachte mir: Warum nicht mit Reden die Herzen der Menschen berühren?“, erklärt die 41-Jährige im City4U-Interview. 

Menschen berühren, tut sie nun schon seit einigen Jahren mit ihrer Firma Freie Zeremonie. „Lebensgeschichten zu erfahren und auf jede Person indiviuell einzugehen, macht mir am meisten Spaß“, sagt die Niederösterreicherin. „Besonders ehrenvoll ist es für mich, über das Leben eines verstorbenen Menschen sprechen zu dürfen.“ Doch das ist nicht immer leicht: „Die negativen Charaktereigenschaften einer toten Person so auszudrücken, dass sich dadurch niemand verletzt fühlt, ist immer eine große Herausforderung.“

Bis jetzt hat sie aber noch keine Beschwerden bezüglich einer schlechten Rede erhalten. Auch die Auftragslage ist dank Mundpropaganda erfreulich gut. „Die Preise starten bei Beerdigungen bei 300 Euro, Hochzeiten ab 500 Euro und eine Rede für den Brautvater oder den Trauzeugen schreibe ich ab 120 Euro“, zählt die Mutter eines Sohnes. Doch wie schreibt man als Frau eine gute Brautvater-Rede? „Indem ich mir viele Infos aus der Sicht des Brautvaters und über das Brautpaar selbst einhole. So bekomme ich den Eindruck von beiden Seiten. Dadurch kann ich mich in die Rolle besser einfühlen und so die Rede für ihn schreiben.“ Die Gespräche dafür dauern etwa eine Stunde.

Braut und Gäste wissen davor meist nicht, dass der Vater seine persönliche Rede gar nicht selbst geschrieben hat. „Wird er danach jedoch von Gästen darauf angesprochen, lüftet er meist das Geheimnis. Dadurch gewinne ich dann neue Kunden“, schmunzelt Albu-Lisson. Diese engagieren sie dann vielleicht für die nächste Hochzeit oder Trauerfeier als Zeremonien-Rednerin. „Am wichtigsten ist immer, die Zeremonie im Sinne der Auftraggeber zu gestalten. Persönlich, individuell und einfühlsam.“ Und: Alle Reden sind maßgeschneidert. Keine gleicht der anderen.

Trotz all der Planung passieren bei Feiern natürlich immer wieder Missgeschicke, wenn auch nicht Albu-Lisson selbst: "Bei einer Hochzeit auf einer Burg zog die Braut hollywoodlike ein. Plötzlich bleibt sie abrupt stehen, weil sich ihre Stöckelschuhe im Prinzessinnenkleid verfangen haben. Nach vergeblichen Befreiuungsversuchen lüftet sie ihr Kleid. Eine schwarze Jeans kam zum Vorschein und so trat sie vor den Altar. Es hat ihr übrigens niemand geholfen, aber jeder hat sie gefilmt oder fotografiert.“ Als Zeremonien-Rednerin muss man auch da geschickt und mit Witz und Herz hindurch (sprechen).

Reden selbst zu halten, bevorzugt Albu-Lisson gegenüber dem Texte schreiben für andere. „Meine eigenen Reden schreibe ich nie auf. Das passiert immer aus dem Stehgreif.“ Wurde sie schon einmal um eine skurrile Erwähnung in einer Ansprache gebeten, die ihr unangenehm war? „Nein. Wenn es jedoch etwas Unangenehmes zu erwähnen gibt, dann versuche ich es so auszuformulieren, dass es jeder annehmen und bejahen kann.“ Bis jetzt hat das auch immer ganz gut geklappt.

Juli 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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