So, 23. September 2018

ÖGB-Chef Eder:

02.07.2018 15:46

„Menschen leiden unter dem Druck“

Der neue Chef der Gewerkschaft in Salzburg kennt die Sorgen und Nöte der Menschen genau: Peter Eder hat in den ersten drei Monaten nach seiner Wahl gleich 40 Betriebe besucht. Im „Krone“-Gespräch am Tag nach der großen Demo stellt er fest: „Die Menschen leiden unter dem Druck am Arbeitsplatz immer mehr!“

Er war neun Jahre lang in seiner Eigenschaft als Bürgermeister der Chef-Psychologe von Bürmoos, 5.000 Einwohner, viele Betriebe, zahlreiche Arbeiter, ein perfekt funktionierendes Gemeindeleben, mit Feuerwehr und vielen Vereinen: All diese Erfahrungen bringt nun Peter Eder in seine neuen Funktionen als Chef von Arbeiterkammer und ÖGB in Salzburg ein.

Da ist einmal das Forum der Vertrauenspersonen für die Sicherheit. Periodisch kommen sie in der Kammer zusammen und ihre Bilanz ist ganz klar: Die Mehrarbeit und der Druck werden immer größer. Das bedingt ein Ansteigen der psychischen Belastungen: Abschalten können? In dieser schnell-lebigen Zeit?

Dazu die Kinder, die Suche nach dem Betreuungsplatz, der Kampf um das Durchkommen, die Vorbereitung für die Schule.

Und das private Umfeld: Internet. Facebook. Instagram. Man will ja dabei sein und doch nicht als altmodisch gelten.

Eine Untersuchung der Medizinischen Universität Wien bestätigt den AK-Präsidenten: Ein 12-Stunden-Tag bedingt lange Freizeit-Phasen und ab der 11. Stunde steigt die Häufigkeit von Unfällen.

Für Schuldzuweisungen ist Peter Eder schwer zu haben: Zusammensetzen! Gemeinsamkeit! Lösungen!

Er hat keine Scheu, alle Bereiche anzusprechen: Bei der Bundesbahn arbeiten sie zwölf Stunden und in drei Tagen haben sie ihre Wochen-Arbeitszeit erreicht, aber nur weil ein Zeit-Faktor hinzu gerechnet wird.

Ein gewähltes Modell und seine Folgen

Dann das Beispiel Maco. Die Beschlägefirma an der Alpenstraße.

Einstimmig wählten Betriebsrat, Chef und Mitarbeiter ein 12-Stunden-Modell aus vier Varianten. Extreme Aufträge hatten über drei Monate ein echtes Problem geschaffen und so stimmten sie der verlängerten Arbeitszeit zu.

Sie würden es nicht mehr machen? Peter Eder korrigiert: „Sie können es nicht mehr machen!“

Der erschöpfte Arbeiter in der Galvanotechnik (die elektrochemische Abscheidung von metallischen Überzügen auf Gegenständen) kann und will es einfach nicht mehr.

Und der Chef sieht es ein.

Die ständige Erreichbarkeit: Vor allem in den Gesundheitsberufen, wo ein eklatanter Mangel herrscht. Immer das Handy beim Bett und kurzfristig einspringen wird zur Routine.

Und ein wenig Leben wollen sie ja auch noch

Sommerfest in der Austrozell in Hallein. Ein Zwölf-Stunden-Tag komme dort für die Chefs nicht in Frage, denn sie wissen, was sie an den Mitarbeitern haben. Sie seien froh, wenn sie angesichts des Wettbewerbs gute Leute finden.

250 Mitarbeiter, 97 gratulierte Präsident Eder zum 25-Jahr-Jubiläum. Was darauf schließen lässt: Irgendwann Pensionierungen.

Jungen Menschen sei die „Freizeit wichtiger“ und Drei-Schicht-Betriebe leiden unter der Konkurrenz von Tag-Schicht-Unternehmen.

Man will ja auch leben . . .

Der wichtigste Termin für Peter Eder in der Woche nach der Demo ist ein Gespräch mit dem Sozialpartner: Konrad Steindl, Chef der Wirtschaftskammer, mit ihm sucht er nach gemeinsamen Lösungen.

Denn die Neuen im Salzburger ÖGB sind aus einem edlen Holz geschnitzt, so wie es einst Johann Böhm, Friedrich Hillegeist oder Franz Olah waren . . .

Hans Peter Hasenöhrl

 krone.at
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