Mi, 14. November 2018

In Ukraine befreit

29.06.2018 12:46

Bärin „Kvitka“ startet in Zukunft ohne Kämpfe

Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ konnte am 27. Juni die Bärin „Kvitka“ von einer ukrainischen Jagdstation in Terebovlya retten und in den Bärenwald Domazhyr bei Lemberg bringen. Auf den Transfer folgte direkt eine dringend notwendige Zahn-Operation. Vor ihrer Rettung wurde die achtjährige Braunbärin regelmäßig zum Abrichten von Jagdhunden missbraucht. Ihren kleinen Käfig durfte sie nur verlassen, um in der sogenannten „Bärenhetze“ gegen Hunde zu kämpfen.

„Bei der Bärenhetze werden Jagdhunde auf ein angebundenes Tier, häufig Bären, gehetzt, um ihre Jagdfähigkeiten zu trainieren. Die Bären sind angekettet, oft unterernährt und teilweise werden ihnen sämtliche Krallen entfernt, damit sie die Hunde nicht ernsthaft verletzen können. Sie können sich kaum wehren. Seit Jahren kämpfen wir für die Abschaffung dieser grausamen Praxis. Für „Kvitka“ hat dieses Martyrium endlich ein Ende und sie wird ein friedliches Leben in unserem artgemäßen Bärenwald Domazhyr führen“, so Carsten Hertwig, „Vier Pfoten“-Bärenexperte und Teil des Rettungsteams.

Dringend notwendige Zahn-OP
Noch vor Ort wurde Bärin „Kvitka“ untersucht und anschließend in den etwa 180 Kilometer entfernten Bärenwald Domazhyr gebracht. „Die jahrelange Haltung in einem kleinen vier Quadratmeter-Käfig hat deutliche Spuren bei ‘Kvitka‘ hinterlassen. Ihr Gesundheitszustand ist soweit stabil, allerdings sind ihre Zähne durch mangelhafte Ernährung und das Beißen an Gitterstäben in sehr schlechtem Zustand. Sie hatte außerdem eine komplexe Fangzahnfraktur, die eitrig entzündet war und schnellstmöglich behandelt werden musste. Wir haben deshalb entschieden, sie gleich am Tag nach der Rettung zu operieren“, erklärt Tierarzt Marc Gölkel vom Leibniz Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Die Operation ist gut verlaufen und das Team aus Tierärzten und Tierpflegern vor Ort wird sich auch weiterhin fürsorglich um „Kvitka“ kümmern, damit sie sich gut in ihrem neuen Zuhause einleben kann. Sobald sie sich von der Operation erholt hat, kann „Kvitka“ ihr Eingewöhnungsgehege beziehen.

Bärenhetze in der Ukraine
Dank des Einsatzes von „Vier Pfoten“ ist die Bärenhetze in der Ukraine bereits seit 2015 gesetzlich verboten. Da das Gesetz zwar diese grausame Praxis, aber nicht generell die Haltung von Bären auf Jagdstationen untersagt, werden Braunbären teilweise trotzdem gehalten und illegal für die Hetze missbraucht. Die Tierschutzorganisation fordert die Verschärfung des bestehenden Gesetzes, damit in Zukunft auch die Haltung von Braunbären auf Jagdstationen oder in Restaurants und Hotels generell verboten wird und keine Bären in der Ukraine mehr solchem Leid ausgesetzt werden. Erst kürzlich hat “Vier Pfoten“ über 100.000 Unterschriften einer Petition zum Verbot von Bärenhaltung auf Jagstationen an die ukrainische Regierung übergeben.

Acht gerettete Bären im ukrainischen Tierschutzzentrum
Der Bärenwald Domazhyr wurde im Oktober 2017 offiziell für Besucher eröffnet. Mit Neuzugang „Kvitka“ leben derzeit acht Bären gerettet aus katastrophalen Haltungsbedingungen auf dem insgesamt 7,7 Hektar großen Areal. In den kommenden Jahren wird das Bärenschutzzentrum weiter ausgebaut und nach Beendigung sämtlicher Bauarbeiten ein Ausmaß von 20 Hektar umfassen, die Platz für bis zu 30 leidgeprüfte Bären bieten. Mit der Errichtung des Bärenwald Domazhyr hat „Vier Pfoten“ ein artgemäßes Zuhause für gerettete Bären geschaffen und unterstützt so die ukrainische Regierung bei der Durchsetzung des Verbots der Kampfbärenhaltung im Land.

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