Skurriler Job

Platzwart: „Fußballfan bin ich trotzdem keiner“

Die ganze Welt ist gerade im WM-Fieber. Damit auf einem Fußballfeld aber überhaupt ein Spiel stattfinden kann, braucht man ihn: Den Platzwart. Obwohl er immer im Hintergrund ist, würde ohne ihn gar nichts gehen. „Viele haben eine ganz andere Vorstellung von dem Job“, sagt Platzwart Daniel Holler* beim City4U-Besuch im Ernst-Happel-Stadion. Viel Arbeit bereitet vor allem der Rasen, dessen Instandhaltung und Aufbereitung eine eigene Wissenschaft ist. Zwingend Fußballfan muss man für den Job jedoch nicht sein.

Das größte Stadion Österreichs ist der Arbeitsplatz von Platzwart Daniel Holler. Gemeinsam mit acht weiteren Mitarbeitern kümmert er sich um den perfekten Fußballplatz. „Das Hauptspielfeld muss bis zu drei Mal pro Woche gemäht werden. Damit sind zwei Arbeiter inklusive Maschinen drei Stunden lang beschäftigt“, erklärt Holler. Die Schnitthöhe ist dabei genau vorgegeben: 2,2 bis 2,4 Zentimeter bei einem Ländermatch - bis zu 2,8 Zentimeter bei der Meisterschaft.

Damit der Rasen bei den Spielen einwandfrei ist, ist Aufwand nötig. „Am Anfang jedes Jahres nimmt man Bodenproben, die man an die Bodenkultur schickt. Die stellen dann entweder einen Mangel an Nährstoffen oder einen Überschuss fest. Natürlich kann es auch genau richtig sein“, beschreibt der Wiener. Anhand dieser Daten wird schließlich das Düngekonzept für das Jahr erstellt. Regenerationsarbeiten sind regelmäßig nötig, Rasenpilze bedeuten massive Arbeit.

„Man muss auf jeden Fall eine Liebe zu diesem Job mitbringen. Nur Geld verdienen zu wollen ist zu wenig“, betont Holler. Neue Mitarbeiter sind daher schwer zu finden. Der Job kenne kein Wochenende, Schnee schaufeln und Stiegen kehren gehöre ebenfalls zu seinen Aufgaben. Der Monatslohn liege bei etwa 1700 Euro/brutto. Eine eigene Ausbildung zum Platzarbeiter gibt es nicht: „Er muss einen Führerschein haben, sollte technisches Know How mitbringen. Eine Handwerkerausbildung ist ein zusätzliches Plus. Den Rest lernt man im ersten Jahr.“ Wie zum Beispiel das Ziehen der Markierungen, das vor jedem Spiel gemacht werden muss. Auch auf die Torhöhe muss stets geachtet werden. Schließlich kann sich der Untergrund jederzeit ändern.

Hollers persönlicher Lieblingsort im Stadion ist die Riesengarage, in der sich alle teils sehr teuren Geräte befinden, die ein Platzwart braucht. „Am besten gefällt mir das Beobachten des Platzes und des Rasens. Sieht man einen Fehler oder eine Veränderung muss man sofort darauf reagieren und Lösungsvorschläge erarbeiten“, sagt er. Technische Errungenschaften wie die Rasenheizung sind zwar manchmal hilfreich, aber nicht immer. Auch da muss man sich dann etwas einfallen lassen. Einen großen Vorteil hat dieser Job jedoch; Ein Platzwart hat immer ein freies Plätzchen für sich im Stadion, um ein Fußballspiel live mitzuerleben.

Ist man als Platzwart auch Fußballfan? „Notgedrungen“, schmunzelt der Wiener. Privat drücke er aber keinem Team unbedingt die Daumen, doch Kontakt zu den Spielern gab es früher zu Genüge. „Ich war früher mit einigen von ihnen sogar in der Sauna. Da hat man in den Pausen auch noch mit den Spielern gescherzt. Heute gehen sie an einem vorbei.“ So wie sich die Zeiten ändern, ändert sich auch der Rasen ständig - und Daniel Holler geht zurück an die Arbeit.

*Name von der Redaktion geändert

Juli 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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