Skurriler Job

Ein Poet zum Mieten für Liebesbriefe und mehr

Jeder Mensch kann schreiben. Bei den einen reicht es für den alltäglichen Bedarf, wieder andere sind überaus begabt darin. Zu letzteren zählt Andreas Rainer. Der 37-Jährige hat seine Passion zum Beruf gemacht und ist als freier Journalist tätig. Unter der Bezeichnung „Rent a Poet“ kann man ihn für Texte aller Art engagieren. Neben Pressetexten und Kolumnen schreibt er vor allem eines gern: Liebesbriefe.

„Meine große Passion ist das Schreiben“, sagt Andreas Rainer im City4U-Interview. Nachdem er sechs Jahre lang im Marketingbereich einer großen US-Firma gearbeitet hat, entschloss er sich, sich mit seiner Leidenschaft selbstständig zu machen. „Es stellte sich natürlich die Frage, ob man davon leben könne. Ich sage es so: Man verdient nicht die Welt, dafür macht es mir aber wahnsinnig viel Spaß.“ Auf seiner Homepage Wiener Alltagspoeten kann man nicht nur seine Werke lesen, sondern ihn auch als Poet oder Texter engagieren.

#Menschen brauchen Poesie

Seit er im November des vergangenen Jahres damit online ging, läuft das Geschäft überraschend gut. „Zuerst dachte ich, ob überhaupt noch jemand schreibt oder liest heutzutage“, schmunzelt der Wiener. Er wollte jedoch ein Gegenprogramm zu seinen Aufträgen im Social Media-Bereich schaffen, wo meist nur Bilder und Videos zählen. „Aus diesem Grund ist meine Homepage eher textlastig“, beschreibt Rainer und ergänzt: „Im Grunde haben sich ja bloß die Plattformen geändert. Schreiben und Poesie wird es immer geben. Die Menschen brauchen das.“

#Mehr als Kitsch und Floskeln

Doch wie schreibt man einen guten Liebesbrief, ohne die Frau, an die er adressiert ist, wirklich zu kennen? Ohne die Frau wirklich zu lieben? „Das ist natürlich auch ein journalistischer Vorgang. Ich muss mit dem Auftraggeber länger reden. Er muss mir viel über sich sowie die Geliebte erzählen. Natürlich muss man den richtigen Zugang finden, sonst sind es ja nur Floskeln und es wird kitschig.“ Bis jetzt halten sich die Liebesbrief-Aufträge (noch) in Grenzen. „Ich würde mich aber freuen, wenn es mehr wären“, sagt Rainer, der die Liebesbriefe zur Zeit noch als witziges Gimmick sieht. Der Preis pro Brief? „Eine Einladung zum Essen.“

#Ein klassischer Wiener

Viele Aufträge kommen wiederum zu Wien-Themen. „Ich schreibe unter anderem eine Stadtleben-Kolumne, Presse- und Werbetexte. Die Abwechslung ist schön“, findet Rainer. Seine Verbundenheit zur Hauptstadt ist laut ihm die klassische Hassliebe. „Man merkt erst, wie sehr man Wien mag, wenn man weg ist. Wien funktioniert als Stadt nämlich wahnsinnig gut im Vergleich zu anderen Städten dieser Größenordnung und ist dabei aber auch nicht langweilig.“

#Sackerl ist ganz wichtig

Einmal im Monat unterrichtet der 37-Jährige zusätzlich einen Wienerisch-Deutsch-Kurs. „Das ist ganz witzig. Da schauen wir zum Beispiel Videos von ,Echt fett‘ und übersetzen diese gemeinsam. Da wird immer viel gelacht“, erläutert er. Wörter, die die Schüler vor allem interessieren, sind: Leiwand, baba, Kiwara und Gspusi. „Ich sage ihnen auch immer, wie wichtig das Wort ,Sackerl‘ ist. Wenn du im Supermarkt Tüte sagst, hast du schon verloren“, lacht der Wiener.

#Poesie wird es immer geben

„Wien ist eine Stadt mit viel Charakter und Persönlichkeit. Auf der Straße wird viel Lustiges erzählt. Genug Stoff für meine Alltagspoeten also.“ Auf der Homepage und Facebook-Seite der Wiener Alltagspoeten schreibt Rainer im Kolumnenstil über den vorherrschenden Zeitgeist in Wien. Zusätzlich sammelt der Journalist witzige Unterhaltungen oder Monologe, die Wiener in den Öffis oder auf der Straße aufgeschnappt und ihm zugesendet haben. Auch das wurde schnell zum Erfolg. Was wünscht sich der Poet zum Mieten also für die Zukunft? „Dass die Leute nicht aufhören, Poesie und Literatur zu lesen.“

Juni 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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